23 | 01 | 2020

Seit dem gestrigen Freitag wissen wir es ganz offiziell: Die höhere Inflation führte dazu, dass der semestrielle Durchschnitt des Index vom 1. Januar 1948, der für die Anpassung der Löhne an die Preisentwicklung gilt, die Schwelle von 873,94 Punkten im Dezember überschritt, so dass eine Indextranche erfiel, die mit den Januar-Löhnen ausbezahlt wird.

Doch bevor diese gute Nachricht am 10. Januar mitgeteilt wurde, hatte die Krankenkasse bereits verkündet, dass sie mit den Dienstleistern ausgemacht habe, dass zum 1. Januar die Honorare für Ärzte, Zahnärzte und andere Gesundheitsberufe um 2,5 Prozent angehoben würden.

Diese Tariferhöhungen wurden bei der Berechnung des Index noch nicht berücksichtigt, werden aber dazu beitragen, dass irgendwann in einem Jahr oder noch später die nächste Indextranche fällig wird.

Bis dahin müssen die Menschen für die Tariferhöhungen im Gesundheitswesen und für viele weitere Preiserhöhungen tiefer in die Tasche greifen, ohne dass sie einen Ausgleich bekommen. Es sei denn, sie arbeiten in einem Wirtschaftsbereich oder einem Betrieb, in welchem es einen Kollektivvertrag gibt, bei dessen Erneuerung Lohnaufbesserungen durchgesetzt wurden, so dass der Kaufkraftverlust teilweise oder ganz ausgeglichen werden kann.

Alle anderen werden bis zur nächsten Indextranche einen deutlichen Rückgang ihrer Kaufkraft hinnehmen müssen, wenn hausgemachte Preiserhöhungen erfolgen, zum Beispiel für staatliche und kommunale Dienstleistungen oder hiesige Händler ihren Gewinnanteil erhöhen wollen, und wenn die Preise für Dienstleistungen, Waren und Rohstoffe, die aus dem Ausland angeliefert werden, einen Sprung nach oben machen.

Immer sind es die Lohnabhängigen und Rentner, »déi bei d’Lisette geloos gin«, wie sich gegenwärtig am Beispiel der Preisentwicklung im Bereich der Erdölprodukte zeigt.

Anfang der Woche wurde uns verklickert, die Preise für Benzin und Diesel müssten um 5,3 Cent und 6,8 Cent pro Liter erhöht werden wegen einer EU-Direktive, welche einen höheren Anteil an Biokraftstoff im Treibstoff vorschreibt und wegen der gewachsenen Kriegsgefahr im Nahen Osten, welche dazu geführt habe, dass der Rohölpreis drastisch gestiegen sei.

Tatsächlich nutzten die Ölmultis die Lage aus, indem sie sich mit »Risikoaufschlägen« hohe Extra-Profite verschafften, so dass die Preise für Erdölprodukte umgehend einen Höchststand erreichten – auch hierzulande.

Inzwischen sanken die Preise für Rohöl erneut und bewegen sich mittlerweile sogar erneut auf dem Niveau, das sie vor der Ermordung des iranischen Generals Soleimani durch die USA hatten, ohne dass der Preisrückgang an die Konsumenten aber weitergegeben wird – also ein zweites Mal Extra-Profite für die Multis und die Zwischenhändler.

Dazu kommen soll in Kürze die von der Regierung angekündigte Akzisenerhöhung von bis zu 5 Cent und zu einem späteren Zeitpunkt die sogenannte CO2-Steuer, welche insbesondere die Lohnabhängigen mit niedrigen Löhnen treffen werden, die auf ihren fahrbaren Untersatz angewiesen sind, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen.

Es ist an der Zeit, eine Vorschussindextranche und Kompensationen auf die Tagesordnung zu setzen und französisch mit der Regierung zu reden, sollte sie daran festhalten, die Schaffenden und ihre Kaufkraft durch weitere Akzisen- und Steuererhöhungen belasten zu wollen. Denn »gilets jaunes« können auch anders genutzt werden, als dass sie nur im Auto herumliegen, oder?

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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