Atmosphärenforscherinnen und Atmosphärenforscher der Universität Innsbruck haben ermittelt, dass Mitte bis Ende März die Stickstoffdioxid-Werte rund um Innsbruck stark zurückgegangen seien. Weitreichende Mobilitätsbeschränkungen, so der Wissenschafter Thomas Karl, würden unter den Lockdown-Umständen ein kontrolliertes Experiment ermöglichen. In Zukunft könne das helfen, Auswirkungen von Verkehrsbeschränkungen auf die Verteilung von Luftschadstoffen besser beurteilen zu können.

Es stellt sich jedoch die Frage nach der Zweckmäßigkeit bzw. der Aussagekraft einer Studie, die allein auf den Verkehr ausgerichtet ist und nicht auf den gesamten Produktionsprozess.

Bereits Mitte März wurden ähnliche Studien in Bezug auf China aufgestellt. Auch hierbei wurde ein klarer Rückgang der Stickstoffdioxidwerte nach Ausbruch des Covid19 und der daraus resultierenden Ausgangssperren ermittelt. Im Februar lösten die von der chinesischen Regierung eingeführten Regelungen öffentlichen Verkehrs immerhin eine Reduktion von etwa 25% der Emissionen von Kohlenstoffdioxid aus, dies entspricht 200 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Auch hierbei war die Hoffnung groß, dass zumindest etwas Positives aus der Krise herauskomme, nämlich eine Verlangsamung des Klimawandels. Jedoch trügt der Schein.

Nur kurze Erholung

Von einer höheren Warte aus betrachtet haben nämlich alle größeren ökonomischen Krisen (1973 Ölkrise, 1979 zweite Ölkrise, 1991 Auflösung der UdSSR, 1997 Asienkrise, 2008 Weltfinanzkrise) zunächst einmal zu einer Reduktion von Emissionen geführt – sie stellten die einzigen Momente der jüngsten Menschheitsgeschichte dar, in denen das konstante Wachstum der Emissionen unterbrochen wurde, wie Glen Peters vom Center for International Climate and Environment Researchbemerkt. Der Rückgang aber war immer nur von sehr kurzer Dauer: die 2008er Überproduktionskrise führte beispielsweise 2009 zu einem weltweiten Rückgang von 1,2 % der CO2-Emissionen, während sie ein Jahr darauf bereits wieder um 5,1 % stiegen, also ein schnelleres Wachstum aufwiesen, als in den vorhergehenden Jahren. Diese Steigerung lässt sich mit der Intensität der Emissionen erklären, d.h. mit dem Quantum an Treibhausgasen, die pro Einheit im Produktionsprozess ausgestoßen wird.

Wir können also nicht davon ausgehen, dass die Coronavirus-Pandemie auf lange Sicht Verbesserungen für das Klima bewirkt – im Gegenteil wird es nach der Krise zu einer Verstärkung der CO2-Emissionen kommen. Abgesehen davon, dass viele für Krisenzeiten nicht essentielle Produktionszweige heiter auf Kosten der Gesundheit der arbeitenden Klasse weitergewirtschaftet haben, wird der CO2-Ausstoß nach den Ausgangssperren verstärkt und in größerem Maßstab hervortreten. Die Ursache liegt nicht nur in der Frage, wie produziert wird, sondern auch in der Frage des Eigentums an Produktionsmitteln. Im Kapitalismus bestimmt das Monopolkapital auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, was, wie und wie oft produziert wird. Da nicht planmäßig auf Grundlage der Bedürfnisse der Menschen produziert wird, ist das Ergebnis ein anarchischer Raubbau an Mensch und Natur, der nur allzu schnell wieder in der nächsten Krise münden wird. Nachhaltiges, auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtetes Produzieren ist nur im Sozialismus-Kommunismus möglich. Dass hierbei auch Fehler im Realsozialismus begangen wurden, ist klar, liegt aber auch an den zeitlichen Umständen. Orientieren wir uns an Kuba:

Kubas Verfassung sieht den Kampf gegen den Klimawandel sogar als Staatsziel an. Ausländische Investoren müssen vorab in ihren Produktionsstätten umweltfreundliche Lösungen für das Müll- und Abwassermanagement präsentieren. Ausschließlich Fabriken mit neuesten Produktionsmethoden, die umweltschonend arbeiten und möglichst einen Teil des benötigten Stroms über Solarenergie vor Ort generieren, dürfen sich auf der Insel ansiedeln. Laut dem Bericht des Global Footprint Network zählt Kuba u.a. deshalb zu den am nachhaltigsten wirtschaftenden Ländern der Welt.

Weitere Quellen: ORF Tirol

Quelle:

Zeitung der Arbeit