Dienstag, 23. Mai 2017
Solidaritätsanzeige

Gema, Adriana und Gerardo glücklich in Havanna. Foto: Estudio RevoluciónDas Kind, das es nach dem Willen der extremen Rechten in den USA nicht hätte geben dürfen, ist da. Am 6. Januar um 8.30 Uhr Ortszeit wurde in Havanna Gema geboren, die Tochter des erst am 17. Dezember aus der Haft in den USA zurückgekehrten Gerardo Hernández und seiner Frau Adriana Pérez, die ihren Mann 16 Jahre lang nicht hatte besuchen dürfen. Die Bilder der hochschwangeren Adriana, die ihren Mann überglücklich in die Arme schloss, hatten denn zunächst auch für Überraschung und Spekulationen gesorgt. So spekulierte der spanischsprachige US-Fernsehsender Univisión über heimliche Besuche Adrianas im Gefängnis bei ihrem Mann, die das »kubanische Regime« unter den Augen der US-Behörden arrangiert habe. Tatsächlich aber hatte das FBI jeden Besuch Adrianas in den Vereinigten Staaten verweigert, weil sie eine »Gefahr für die nationale Sicherheit« sei.

Das Paar amüsierte sich über die Spekulationen um die Schwangerschaft. Erst nach einigen Tagen lüftete Gerardo Hernández im kubanischen Fernsehen das Geheimnis. »Wir mussten die Fernbedienung benutzen«, scherzte er. Die Schwangerschaft seiner Frau sei Bestandteil der anderthalbjährigen Geheimverhandlungen zwischen Washington und Havanna gewesen.

Gegenüber dem Sender CNN bestätigte das ein Sprecher des US-Justizministeriums. Brian Fallon erklärte, das Verfahren sei von Senator Patrick Leahy vermittelt worden, der sich davon eine Verbesserung der Haftbedingungen des auf der Insel verurteilten US-Spions Alan Gross versprochen habe. Nach Angaben der New York Times sei das eingefrorene Sperma von kubanischen Beamten nach Panama gebracht worden, wo Adriana künstlich befruchtet wurde. Ein erster Versuch sei gescheitert, ein zweiter dann vor acht Monaten gelungen.

Die kubanische Seite habe sich seit 2010 regelmäßig für eine solche Lösung eingesetzt, berichtete das Blatt, das im Vorfeld der überraschenden Wende in den kubanisch-US-amerikanischen Beziehungen publizistisch den Boden für diese bereitet hatte. Im Februar 2013 hätten kubanische Stellen dann Leahy während dessen Besuch bei Alan Gross im Gefängnis um eine Begegnung mit Adriana gebeten. Gemeinsam mit seiner Frau Marcelle Pomerleau Leahy habe er sie dann in einem Hotel in Havanna getroffen. »Es war ein sehr emotionales Treffen«, erklärte er später in einem Interview. »Sie wollte ein Baby bekommen, bevor sie dafür zu alt sein würde. Sie liebte ihren Mann zutiefst.« Doch während René González 2013 und Fernando González Anfang 2014 nach Verbüßen ihrer Haftstrafen nach Kuba zurückkehren konnten sowie Ramón Labañino und Antonio Guerrero zumindest den Termin ihrer jeweiligen Haftentlassung kannten, war Gerardo Hernández zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Wäre es nach dem Willen der US-Justiz gegangen, hätte er im Gefängnis sterben müssen. Eine künstliche Befruchtung schien so die einzige Möglichkeit für das Paar zu sein, doch noch ein gemeinsames Kind zu haben.

Bei seiner Rückkehr nach Washington sei Leahy überzeugt gewesen, dass man diese humanitäre Frage lösen müsse. Die Schlüsselrolle dabei übernahm der New York Times zufolge sein einflussreicher Berater Tim Rieser. Entscheidend für alles war, dass es kein »Leck« unter den Gesprächspartnern gab. Wenn etwas über die Verhandlungen durchgesickert wäre, hätte es den Durchbruch vermutlich nicht gegeben. So aber konnten Barack Obama und Raúl Castro am 17. Dezember die Überraschung verkünden – rechtzeitig vor der Geburt des Babys. Denn sonst hätte jemand die heikle Fragen beantworten müssen.

Quellen: Granma, junge Welt / RedGlobe

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