Bereits als die Veranstaltung der Weltausstellung 2020 in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vergeben wurde, kam es zu erster Kritik. Es dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, daß die Herrschenden in dieser Region, sei es Katar, VAE oder Saudi-Arabien, sich immer häufiger mit sportlichen oder kulturellen Großveranstaltungen schmücken, während in der »alten Welt« kaum noch Veranstalter zu finden sind, die sich die finanziellen Lasten während und Altlasten nach solchen Events leisten können oder wollen. Nicht zuletzt, weil sich auch die jeweilige Bevölkerung immer öfter dagegen sträubt, solche Projekte mit ihren Steuergeldern zu stemmen, während Schulen verschimmeln, Straßen und Schienen marode sind und die Armut grassiert.

All das kennt man freilich in den schillernden Emiraten seit vielen Jahren nicht mehr. Die Drecksarbeit leisten eigens herangeschaffte Nepalesen, Inder und Ostasiaten. Das ist für die Einheimischen sozusagen eine »win-win-Situation«: Sie müssen sich mit der Schufterei nicht die Laune verderben, und gleichzeitig wird dafür gesorgt, daß jene, die es anstelle tun, ihre dadurch verdorbene Laune nicht öffentlich zum Ausdruck bringen. Wie die Zustände sind, davon berichtete nicht zuletzt der Westdeutsche Rundfunk erst rezent wieder in einer TV-Reportage über die Situation rund um die Arbeiten zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar, übrigens im selben Jahr der Weltausstellung in den VAE. Die luxemburgische Regierung und insbesondere die Wirtschaft, machen sich große Hoffnungen auf ihre Präsenz im eigenen dreistöckigen Pavillon, dessen Kosten sich mittlerweile auf 32 Millionen Euro belaufen.

Daß diese Bauarbeiten nicht ähnlich katastrophale Arbeitsbedingungen offenbaren, wie im Rahmen der genannten Fußball-WM der FIFA, dafür soll eine Vereinbarung für die Einhaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen sorgen. Ob eine einfache Charta mit sehr dehnbarer Formulierung hier nur die Öffentlichkeit beruhigen soll oder ob dahinter tatsächlich mehr steht, wird sich zeigen. Luxemburg wäre gut beraten, nicht nur auf wirtschaftlichem Feld zu versuchen, eine gute Figur abzugeben, sondern auch im Bereich demokratischer Standards, wenn es um Arbeitssicherheit und Rechte der Beschäftigten geht. Denn Nachhaltigkeit ist schön und gut als Thema der Expo, sollte allerdings auch soziale Nachhaltigkeit beinhalten. Dubai ist dabei das Paradebeispiel einer völlig vernetzten, hochmodernen Metropole mit gleichzeitig voranschreitendem Überwachungsapparat. Ein bestehendes Beispiel dafür, was im Zuge der sogenannten »Digitalen Revolution« auch in Europa möglich ist.

Aktuell jedoch, und nicht erst seit Corona, haben Metropolen in unseren Breiten andere Probleme als Weltausstellungen: Sie kämpfen mit der Last jahrzehntelanger Liberalisierungspolitik, welche die Gesellschaft sozial gespalten hat, die Sozial- und Gesundheitssysteme zertrümmerte, und wo die Verlierer dieser Spaltung keine Lust mehr auf pompöse Veranstaltungen haben, deren Profite sie aus dem klammen Portemonnaie bezahlen dürfen.

Da haben es die Emirate natürlich wesentlich einfacher: Gegenstimmen gibt es nicht, weil schlecht bis unbezahlte Gastarbeiter ihren Zeitvertreib verwirklichen. Aufbegehren werden diese auch nicht, weil es keine Salariatsvertreter gibt und sie obendrein sonst ihre Pässe nicht mehr wieder sehen.

Hoffen wir also, daß die wegen der Pandemie zwischenzeitlich auf 2021 verschobene Weltausstellung nicht in die fragwürdigen Fußstapfen der anderen Veranstaltungen in der Region tritt.

Christoph Kühnemund

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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