Dienstag, 16. Oktober 2018
Solidaritätsanzeige

Landbesetzung in Las TurquillasMit einer Repressionswelle reagiert der spanische Staat auf die Protestaktionen der Andalusischen Arbeitergewerkschaft (SAT) gegen die Krisen- und Sozialabbaupolitik der Machthaber in Madrid und des kapitalistischen Systems. So halten mehrere Hundert Landarbeiter seit Ende Juli die Finca Las Turquillas besetzt, die dem spanischen Verteidigungsministerium gehört, jedoch weitgehend brachliegt. Wenige Tage später besetzten Aktivisten der SAT symbolisch zahlreiche Arbeitsämter, um gegen die hohe Erwerbslosigkeit zu protestieren. Und am vergangenen Dienstag »beschlagnahmten« Hunderte Mitglieder der SAT in zwei andalusischen Supermärkten Lebensmittel, um diese an hungernde Arme zu verteilen.

Gegen diese Aktionen hat der spanische Innenminister am Mittwoch Haftbefehle angeordnet. Am Donnerstag vormittag wurden nun zwei Gewerkschafter vorübergehend festgenommen und erst Stunden später unter Auflagen wieder auf freien Fuss gesetzt. Heute abend verhaftete die Polizei zudem, wie soeben gemeldet wurde, den Organisationssekretär der SAT, Pepe Caballero.

An der »Enteignung« der Supermarktketten Carrefour und Mercadona hatten sich auch SAT-Generalsekretär Diego Cañamero sowie der Bürgermeister von Marinaleda und Abgeordnete der Vereinigten Linken im andalusischen Regionalparlament, Juan Manuel Sánchez Gordillo, beteiligt. Im südspanischen Arcos de la Frontera hatten rund 200 Aktivisten rund 20 Einkaufswagen durch die Gänge geschoben und diese mit den in den Regalen liegenden Grundnahrungsmitteln wie Nudeln, Reis, Milch, Zucker oder Eiern gefüllt. Den Abtransport der Waren verhinderte jedoch die Guardia Civil. Es folgten stundenlange Verhandlungen zwischen einem herbeigeeilten Vertreter des Unternehmens und den Aktivisten, bis sich die Supermarktkette schließlich bereiterklärte, zwölf Einkaufswagen voller Lebensmittel an die Ortsverwaltungen von Bornos, Puerto Serrano und Espera zu spenden, damit diese das Essen an notleidende Einwohner verteilen konnten.

Nahezu zeitgleich hatten im gut 100 Kilometer entfernten Écija andere Aktivisten eine Filiale der Supermarktkette Mercadona betreten, während andere die Polizei durch eine Aktion vom eigentlichen Ort des Geschehens ablenkten. Neun Wagen voller Essen holten die Gewerkschafter aus dem Geschäft, verluden sie auf einen Lastwagen und brachten sie zu einer Lebensmittelbank, wie in Spanien die mit den deutschen »Tafeln« vergleichbaren Einrichtungen genannt werden. Es könne nicht sein, dass das Volk die Verluste der Banken bezahlen müsse, wenn zugleich Menschen nichts zu essen haben, erklärte die SAT.

Von den drohenden Verhaftungen will sich die Gewerkschaft nicht einschüchtern lassen, betonte Diego Cañamero im Gespräch mit der deutschen Tageszeitung »junge Welt« (Hier klicken). Man sei Repression gewohnt, »aber wir kämpfen weiter, komme, was wolle. Sie wollen uns festnehmen lassen, weil wir in einen Supermarkt gegangen sind, um Bohnen rauszuholen. Aber kein korrupter Politiker, kein Banker, kein Spekulant und kein Großunternehmer wird ins Gefängnis gesteckt.«

Sánchez Gordillo warf dem spanischen Innenminister Jorge Fernández Díaz und Ministerpräsident Mariano Rajoy, die Politik eines »wiederauferstandenen Franco« zu betreiben. Der »franquistische Minister« und sein Chef agierten als »Handlanger der deutschen Banken« auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung Spaniens. Er selbst hält sich Angaben seiner Genossen zufolge auf dem besetzten Landgut Las Turquillas auf, dessen Räumung die Polizei ursprünglich für Mittwoch mittag angekündigt hatte. Bislang ist diese jedoch nicht erfolgt, nachdem spontan Hunderte Menschen den Besetzern zu Hilfe geeilt waren.

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