| Linkspartei will Klarheit über FDP-Putsch-Connection | | Drucken | |
| Honduras |
| Donnerstag, den 20. August 2009 um 12:16 Uhr |
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Die Linksfraktion im Bundestag hat mit einer detaillierten »Kleinen Anfrage« von der Bundesregierung Aufklärung über die Verbindungen zwischen der FDP-nahen »Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit« (FNF) und dem Putschisten-Regime in Honduras verlangt. Bereits am vergangenen Freitag hatte die die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion, Heike Hänsel, erklärt: »Die Linke hält es angesichts der aktuellen Äußerungen aus der FNF, in denen der international verurteilte Staatsstreich in Honduras gerechtfertigt wird, und angesichts der offenkundigen engen Zusammenarbeit der FNF mit führenden Unterstützern des Putsches für angebracht, eingehender zu untersuchen, zu welchen Zwecken die FNF die ihr vom Entwicklungsministerium überlassenen Steuergelder in Honduras verwendet und ob die Verwendung der FNF-Mittel in Honduras den Zielen der Förderrichtlinien des BMZ entsprechen. Eine solche Untersuchung werden wir parlamentarisch anstoßen.«
In der Drucksache *16/**13903* stellen die Abgeordneten Heike Hänsel, Monika Knoche, Hüseyin Aydin und andere Abgeordnete der Linksfraktion der Bundesregierung eine Reihe von Fragen, die wir unten dokumentieren. Die Antwort der Bundesregierung wird in etwa zwei Wochen erwartet. Kleine Anfrage der Abgeordneten Heike Hänsel, Monika Knoche, Hüseyin Aydin, Sevim Dağdelen, Wolfgang Gehrcke, Michael Leutert, Dr. Norman Paech, Alexander Ulrich und der Fraktion DIE LINKEDie Aktivitäten der FDP-nahen „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ in HondurasDer legitime honduranische Staatschef Manuel Zelaya wurde am 28. Juni 2009 in einem Staatsstreich gestürzt und manu militari nach Costa Rica ausgewiesen. Von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der Europäischen Union, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und den Vereinten Nationen (UNO) wurde der Staatsstreich einhellig verurteilt. Auch die Bundesregierung schloss sich der internationalen Verurteilung des Putsches an.Umso erstaunlicher war die Reaktion der FDP-nahen „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ (FNF), die seit 1984 in Honduras tätig ist und dort mit der regierenden Liberalen Partei (PLH) zusammen arbeitet. Der Projektleiter der FNF für Honduras, Nicaragua und Guatemala machte am 29.6.09 Zelaya selbst für die Amtsenthebung verantwortlich und bezeichnete es als „Legende“, dass in Honduras ein Militärputsch stattgefunden habe. (FNF, Lüth, Bericht aus aktuellem Anlass, Nr. 46/09: http://www.freiheit.org/webcom/show_article.php/_c-415/_nr-11217/i.html). Anlässlich eines Treffens mit honduranischen Befürwortern der Amtsenthebung Zelayas, zu dem die FNF am 5.8.09 in die Räume des Deutschen Bundestages geladen hatte und an dem auch Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie des Auswärtigen Amtes teilnahmen, äußerte sich der Vorsitzende der FNF, Dr. Wolfgang Gerhard, MdB, in gleicher Weise (Die Welt 6.8.09). Die FNF argumentiert mit derselben Stoßrichtung wie die Bundestagsfraktion der FDP. Deren außenpolitischer Sprecher, Werner Hoyer, bezichtigte die USA, die OAS und die EU des Versagens ob ihrer Verurteilung des Putsches (FAZ, 7.8.09). Er verharmloste den Staatsstreich in Honduras als „tollpatschigen“ Versuch, eine Verfassungskrise zu lösen, und kommentierte: „Es sollte zu denken geben, dass Zelayas Vorbilder und Freunde wie Chávez, Ortega, Castro und Morales ebenso die Sektkorken knallen lassen wie Gysi und Lafontaine. Für sie ist das törichte Vorgehen der neuen Regierung in Tegucigalpa eine willkommene Chance, einen weiteren Mosaikstein in ihr linkspopulistischautoritäres Lateinamerikabild einzusetzen.“ (Die Welt, 3.7.09). Die FNF hebt in ihren Veröffentlichungen zu Honduras (www.freiheit.org) stets hervor, dass sie einen außerordentlich engen Kontakt zur Regierungspartei PLH pflegt, sehr viele der führenden Politiker und zahlreiche Parlamentsabgeordnete Schulungen der FNF durchlaufen haben und die Stiftung selbst sehr stark in die Vorbereitung von Wahlkämpfen, die Projektierung von Regierungsvorhaben und die Vorbereitung von Gesetzesinitiativen involviert ist. So betonte die FNF nach den letzten Parlamentswahlen, dass „wir jetzt eine 39-köpfige Naumann-Fraktion haben“ (Rosbinda Sabillon, Projektkoordinatorin der FNF in Honduras: www.freiheit.org). Die FNF bezichtigte Präsident Zelaya bereits zwei Monate vor dem Putsch des Verfassungsbruchs. Sie kritisiert zudem, dass er von seinem „genuinen liberalen Regierungsstil“ (FNF, Lüth, Hintergrundpapier Nr. 5, April/09: http://www.freiheit.org/webcom/show_article.php/_c-414/_nr-10533/i.html) abgewichen sei. Habe er ehemals für Freihandelsabkommen votiert und gute Beziehungen zum damaligen US-Präsidenten, George W. Bush, und zum kolumbianischen Präsidenten, Alvaro Uribe, unterhalten, so habe er nun einen Linkskurs eingeschlagen, unterstütze das Staatenbündnis ALBA und lehne sich an Präsident Chávez in Venezuela an. Nach der „Linkswende“ des Präsidenten beschränkte sich die Stiftung deshalb darauf, „mit der liberalen Strömung innerhalb der Partei zusammen zu arbeiten, um mögliche folgenschwere Konflikte mit der Regierung zu vermeiden“. Die FNF gibt selbst an, ihr nahe stehende Kandidaten bei innerparteilichen Vorwahlen unterstützt zu haben (Projektbericht der FNF, Regionalbüro Lateinamerika, 2008). Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert die Arbeit der politischen Stiftungen in Entwicklungsländern und den Ländern des ehemaligen Ostblocks mit jährlich über 200 Mio. Euro. Die Auslandsarbeit der politischen Stiftungen unterliegt Rahmenbedingungen und Beschränkungen, die festgelegt sind in den „Grundsätzen für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und den politischen Stiftungen“. Diese verbieten den Parteistiftungen Tätigkeiten, die das Verhältnis zwischen der Bundesregierung und dem Partnerland beeinträchtigen, sowie die direkte Intervention in innere Auseinandersetzungen des jeweiligen Landes. Hierzu gehören z.B. Arbeitskämpfe und Wahlen. Verboten ist ebenfalls die direkte Finanzierung von Parteien im Ausland. Da die Auslandsarbeit der politischen Stiftungen eine offizielle Billigung des jeweiligen Landes bedarf, soll die Projektarbeit der Stiftungen ebenfalls so angelegt sein, dass sie bei einem Regierungswechsel fortgeführt werden kann und der Projektpartner nicht abhängig wird von der Finanzierung einer deutschen Parteistiftung. Im Falle der FNF stellt sich die Frage, ob deren Tätigkeit in Honduras gegen die Grundsätze deutscher Stiftungsarbeit im Ausland verstoßen bzw. den in den Richtlinien genannten Zielen entsprochen hat. Insbesondere stellt sich die Frage, in wieweit die FNF sich direkt in die innenpolitischen Angelegenheiten von Honduras eingemischt hat bzw. gar mit zur Eskalation der Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungspartei beitrug und damit der nicht legalen Amtsenthebung des gewählten Präsidenten Zelaya mit Vorschub leistete. Es stellt sich auch die Frage, ob die FNF ihre derzeitigen Öffentlichkeitsaktivitäten vom Interesse leiten lässt, eine Rückkehr des Präsidenten Zelaya nach Honduras zu verhindern. Wir fragen die Bundesregierung:
Berlin, den 19. August 2009 Neuere Artikel:
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