Übernommen von KOMintern:
Begleitend mit der beschleunigten Globalisierung und gleichzeitigen Öffnung bis dahin abgeschotteter Märkte (Ex-Sowjetunion, Osteuropa, China, aber davor auch ziemlich abgeschotteten Indien) ab den 1990er Jahren nahmen neben dem strukturellen Aufbau weltweiter Produktionsketten – i.S. weltumspannender Produktionsnetzen – auch sozusagen „herkömmlichere“ Verlagerung einzelner Produktionsschritte oder ganze Produktionsverlagerungen eine neue Dimension an. Flankiert von stetigen Personalkahlschlägen an den Stammsitzen und herkömmlichen Produktionsstandorten.
Aktuell wieder einmal bei Swarovski.Beschäftigte der Kristallkonzern 2007 in Wattens noch 6.700 MitarbeiterInnen, wurde der Kristallhersteller hinter seiner Glitzerfassade über mehrere Kündigungswellen und einer stetigen Produktionsverlagerung aus dem Unterinntal auf heute nur mehr 2.480 Mitarbeiter zusammengeschmolzen. Nun sollen 400 weitere Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Zahl könnte sich sogar noch auf 500 erhöhen, und der Konzern damit auf Ende nächsten Jahres unter 2.000 Beschäftigte zusammengestutzt werden, falls die restliche Belegschaft die von der Konzernführung angestrebte Arbeitszeitreduktion nicht hinnimmt.
Swarovski ist diesbezüglich freilich nur ein, wenn auch besonders markantes Beispiel. Die Konzernegreifen zwar munter Wirtschaftsförderungen, Investitionsunterstützungen oder auch staatliche Krisenhilfen (von Corona-Hilfen bis hin zu gesonderten Kurzarbeitsmodell um ihren Bedarf an Arbeitskräften flexibler der Krisendynamik anzupassen) ab und halten ihre Gewinnausschüttungen aufrecht oder Manager-Boni bei – machen sich aber vielfach schon während des Einstreichens dieser öffentlichen Förderungen oder im unmittelbaren Anschluss an Personalkahlschläge und/oder Produktionsverlagerungen.
Namentlich auch Swarovski, wie Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl hilflos zur ‚Wortbrüchigkeit‘ moniert. „Es zeigt sich, dass die von der Konzernführung abgelegten Bekenntnisse zum Standort, wie befürchtet, bloß Lippenbekenntnisse gewesen sind, die Zukunft von Swarovski in Wattens ist ungewiss“. Dabei haben Bund und Land dem Kristallkonzern über Jahrzehnte mit viel Steuergeld immer wieder unterstützt und aus zahlreichen Krisen geholfen.
Darin zeigt sich abermals wie durch einen Brennspiegel: Derlei galt und gilt selbst für das Einstreichen von Fördermittel und andere Hilfskrücken per Gentlement’s Agreemant einer zugrundeliegenden Standortgarantie.Dergleichengalt auf jeweilige Weise ja ebenfalls schon für Stellantis/Opel in Wien-Aspern, LG Elektronics/ZKW in Wieselburg, KBA Mödling oder für MAN Steyr oder heute für Engel in St. Valentin und Schwertberg – um nur die Bekanntesten in Erinnerung zu rufen.
Um diesem Unwesen einen Riegel vorzuschieben, gilt es Wirtschaftsförderungen generell viel stärker an glasklare (und nicht nur per Handschlag besiegelte) Auflagen, Bedingungen und Garantieren wie langjährige Standort- und Beschäftigungsgarantien (wie auch Boni-Regelungen usw.) zu binden, sowie diese eingegangenen Verpflichtungen auch nachzuweisen, und im Falle deren Bruchs die Subventionen, Finanzspritzen und öffentlichen Aufwendungen konsequent zurückzufordern.
Angesichts der vielfach nicht unbeträchtlichen öffentlichen Subventionen, zumal für wirtschaftspolitisch goutierte Investitionen oder bei existentiellen Krisen, wäre es in vielen Fällen im Interesse der Bürger:innen und Steuerzahler:innen sowie nicht zuletzt auch Beschäftigten, solche Förderungen und Hilfen an (zumindest stille) öffentliche Beteiligungen zu koppeln. Damit hätte man auch für den Fall von Rückforderungen eine gewisse Absicherung und im Falle aktiver öffentlicher Beteiligungen auch einen Hebel um den Interessen der Allgemeinheit stärker Geltung zu verschaffen. Effektiver natürlich noch in Form sogenannter aktiver Beteiligungen und damit einhergehendem Einfluss auf die Unternehmensstrategien.
Bild: Allan Watt/flickr
Quelle: KOMintern

