Übernommen von KOMintern:
Während die IT-Unternehmen sich als innovative Vorreiter präsentieren und nach außen mit Tischfußball, flachen Hierarchien und „familiärer Unternehmenskultur“ werben – als wäre das Büro eine Start-up-WG statt ein Ort der Lohnarbeit – offenbart sich in den Kollektivvertragsverhandlungen 2026 einmal mehr der grundlegende Interessenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit. Hinter der Fassade von Obstkörben und After-Work-Events endet die vermeintliche Augenhöhe spätestens dort, wo es um die Verteilung des erwirtschafteten Mehrwerts geht. Die 90.000 IT-Beschäftigten stehen einer Arbeitgeberseite gegenüber, die trotz hoher Profitabilität elementare Forderungen nach angemessener Entlohnung blockiert.
Das Angebot der Byte-Bonzen entlarvt die Machtverhältnisse: Lediglich +1,9% auf Mindestgehälter bei kompletter Nullrunde für IST-Gehälter. Dies bedeutet faktisch eine deutliche Reallohnsenkung durch Inflation.
Die zuständige Gewerkschaft GPA fordert dagegen +4% auf IST-Gehälter – was an sich schon eine reine Verteidigung des aktuellen Kaufkraftniveaus ist. Am Vortag der ergebnislos zu Ende gegangenen letzten Verhandlungsrunde am Freitag, fanden sich bis zu 2.000 ITler:innen vor der Wirtschaftskammer, der organisierten Vertretung der Daten-Oligarchen, ein. Diese verweigern aber bisher jede substanzielle Bewegung.
Nach der fünften Verhandlungsrunde ohne nennenswertes Angebot werden nun Betriebsversammlungen in den Unternehmen organisiert. Dort geht es darum, die Belegschaften zu mobilisieren und die nächsten Schritte zu besprechen. Auch hier gilt: Nur wenn die Beschäftigten geschlossen Druck machen, bewegt sich die Arbeitgeberseite.
Gerade in der IT-Branche, wo Systeme durchgehend verfügbar sein müssen, hat ein Arbeitskampf unmittelbare Wirkung. Frei nach Georg Herwegh: „Alle Server stehen still, wenn dein Admin-Account es will!“
Die hippe Unternehmenskultur und das persönliche Verhältnis zum Vorgesetzten ändern nichts daran, dass es am Ende um die Verteilung des erwirtschafteten Geldes geht – der Verteilungskampf (auch) findet im Kollektivvertrag statt.
Die Forderung bleibt klar: 4% auf IST-Gehälter und volle Erhöhung der Gehaltssummen für alle. Keine Spaltung der Belegschaft, keine Reallohnverluste!
Quelle: KOMintern

