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„Du schreibst Geschichte“

Übernommen von Unsere Zeit:

Den ersten großen Jubel gibt es gleich am frühen Freitagmorgen, als aus den Verhandlungen mit der Leitung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) verkündet wird, dass der Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di weitgehend befolgt wurde. Noch nie standen hier so viele Kolleginnen und Kollegen im Streik. Noch nie sind so viele Stationen geschlossen worden wie in diesem Streik – die OP-Säle funktionieren nur noch im vorher geregelten Notbetrieb.

Es ist der fünfte Streiktag an der UMG. Die Organisation funktioniert: Ab 5.30 Uhr sammeln sich die Streikenden des Frühdienstes am Streikposten. Ab 8 Uhr werden es immer mehr, die ordentlich verpflegt und vom sichtlich gut gelaunten ver.di-Sekretär Thilo mit allen Informationen versorgt werden, die für diesen Streiktag wichtig sind. Trotz der Kälte ist die Stimmung prima und als aus den Lautsprecherboxen die Liedzeile „Du schreibst Geschichte“ erklingt, tanzen sich die jungen Frauen hinter der Kaffeetheke dazu warm.

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Läuft: Die Streikenden freuen sich über die 300-Euro-Scheine der DKP (Foto: Manfred Sohn)

Mitglieder der Partei „Die Linke“ haben Kaffee gekocht und SDAJler verteilen DKP-Flyer zur Tarifrunde. Sie sehen aus wie 300-Euro-Scheine und bringen eine der Kernforderungen der Beschäftigten damit direkt auf den Punkt: „Mindestens 300 Euro mehr – Rüstung runter – Löhne rauf!“. „Tolles Material“, sagt Malte, einer der SDAJ-Genossen. „Gehen weg wie warme Semmeln.“

An den Tischen füllen mehrere Kolleginnen und Kollegen Beitrittserklärungen für ver.di aus. Um 9 Uhr ziehen die deutlich über 200 Streikenden die Auffahrtrampe zum Klinikgelände hinunter und über die nördliche Einfallstraße Richtung Stadtzentrum. Zwischendurch erhalten sie Applaus von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern einer auf dem Weg liegenden Schule, die es nicht auf ihren Stühlen gehalten hat und die nun eine Unterrichtseinheit zum Streikrecht bekommen.

Die knapp einstündige Demonstration ist laut und kurzweilig, auch dank der gut gelaunten jungen Leute im Lautsprecherwagen und an den Megaphonen. „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist – Streiktag!“, „Ohne Streik – wird sich nichts verändern!“, „Für mehr Lohn und Personal – kämpfen wir in großer Zahl!“ und „Für die Rüstung sind sie fix, für Gesundheit tun sie nix!“ Diese Losungen skandieren fast alle mit.

Am Bahnhofsplatz werden sie begrüßt von einer Delegation aus IG-Metall-Betrieben. Großer Jubel, als eine Kollegin der IG Metall sich bedankt. Sie ist dankbar für die Solidarität von ver.di bei ihren Streiks. Und für ihren jetzt schon etwas älteren Sohn, der in der UMG als Frühgeburt zur Welt gekommen ist und nun ruft: „Ihr seid unentbehrlich und ihr verdient mehr Geld und mehr Personal!“

Abgerundet wird diese Kundgebung mit einem Improvisationstheater, das unter großer Anteilnahme die zum Teil unmöglichen Situationen, unter Profitorientierung medizinische Versorgung sicherstellen zu wollen, auf den Punkt bringt.

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Klare Botschaft: … weil wir keine Panzer brauchen, sondern höhere Löhne (Foto: Manfred Sohn)

Zum Abschluss ziehen alle zur ver.di-Geschäftsstelle, um sich mit heißen Getränken und warmen Snacks aufzuwärmen. Aber Arbeit wartet dort auch: 15 Meter lang ist der Brief, der mit den Worten beginnt „Moin Herr Dressel, sehr geehrte Minister*innen, es ist Zeit für ein gutes Angebot, denn …“ Mit Filzern gemalt, groß und bunt stehen dort die Argumente, die die Damen und Herren von der Tarifgemeinschaft der Länder davon überzeugen sollen, in der dritten Tarifrunde endlich Butter bei die Fische zu tun. Denn wie lautete ein weiterer Sprechchor an diesem Göttinger Vormittag? „Wohin führt das Spardiktat? Dass wir streiken, jeden Tag!“

Quelle: Unsere Zeit

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