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Der weichenstellende US-Putsch gegen Mohammad Mossadegh im Iran & die Folge-Imperialistik der USA bis in die Gegenwart (Teil II)

Kommunistische Gewerkschaftsinitiative - International

Übernommen von KOMintern:

Im August 1953korrigierten“ Washington und London mit ihrem weichenstellenden Putsch gegen die national-demokratischen Kräfte im Iran gewaltsam die zwei Jahre zuvor vom iranischen Parlament beschlossene Nationalisierung der Ölindustrie – deren 75. Jahrestag dieser Tage bevorsteht. „Die Entfernung Mossadeghs von der Macht wurde am 19. August 1953 erfolgreich vollzogen“, so die CIA den erfolgreich geführten Staatsstreich kurz und bündig bilanzierend. In dessen Anschluss wurde das Land in eine der brutalsten Regentschaften der Nachkriegszeit sowie einen amerikanischen Militärstützpunkt und ein hochgerüstetes Bollwerk gegen die Sowjetunion wie auch die Blockfreienbewegung verwandelt. Selbst die nuklearen Ambitionen des pro-westlichen Pfauenthrons in Teheran stießen in Washington seinerzeit auf eine aufgeschlossene Atmosphäre. Die letzte Intervention im Kontext der 1979 von den Massen hinweggefegten Despoten-Herrschaft scheiterte noch im selben Jahr im Wüstensand. Heute fügt sich in der US-amerikanische Globalstrategie gegen den Iran als zusätzliches Element noch der Aufstieg und die Formierung des Globalen Südens hinzu, ohne welche man, wie Klaus Wagener zu Recht herausstreicht, „den Krieg gegen den Iran in seiner Komplexität“ nicht zulänglich verstehen kann. 

Die geostrategische Interessenslage Washington und US-Panik vor Neutralismus und Blockfreiheit

Eine gleichzeitig nicht zu unterschätzende Rolle im anglo-amerikanischen „Countercoup“ spielten dabei auch geostrategische Interessenslagen Washingtons und Londons. Das englische Empire hatte gerade seine unfreiwilligen Rückzüge u.a. aus Indien, Palästina und Griechenland angetreten und sah nun auch seine Vorherrschaft im Iran vor einem unmittelbaren Aus. In den USA wiederum kursierte in den herrschenden Kreisen das „Gespenst“ einer außenpolitischen „Neutralität“ des „Frontstaats“ an der sowjetischen Grenze. „Sollte sich“, so der bekannte deutsche Amerikanist und Historiker Bernd Greiner die globalstrategischen Erörterungen der US-Administration auf den Punkt bringend, „neben Jawaharlal Nehru in Indien und Juan Perón in Argentinien ein weiteres Schwergewicht aus einer aufstrebenden Nation für die Blockfreiheit stark machen und einen von Washington wie Moskau unabhängigen ‚dritten Weg‘ anvisieren, drohte [aus Washingtons Sicht] die Front gegen den internationalen Kommunismus zu kippen.“ Unbeschadet dessen, dass Mossadegh – was auch die CIA und das Pentagon wussten – beiweilen kein Revolutionär, geschweige denn „Roter“ oder Kommunist war (und auch gegenüber dem Nachbarn im Norden, der Sowjetunion, auf eigenständige Weg Teherans insistierte). Ja, wie bereits ausgeführt, selbst das Verbot der kommunistischen Tudeh-Partei von 1948 blieb in seiner Amtszeit 1951 bis 1953 in Kraft, die Partei konnte ihre Tätigkeit nun allerdings quasi toleriert unter halblegalen Bedingungen ausüben.

CIA: Operation „Ajax“ „erfolgreich vollzogen“

Zwar scheiterte der erste Versuch im August 1953 Mossadegh zu stürzen anfänglich, und Schah Reza Pahlawi floh, wie gesagt, Hals über Kopf nach Rom nachdem Hundertausende für Mossadegh auf die Straßen strömten und den Schah als „Verräter“ verurteilten. Zudem bot Mossadegh Washington, London und ihren iranischen Marionetten halsstarriger als erwartet die Stirn und wandte sich über Radio sogleich an die Iraner und Iranerinnen: „In der vergangenen Nacht wurde ein Staatsstreich gegen die Regierung versucht. Die meisten Verräter sind hinter Gittern. Nur Zahedi und einem kleinen Kern konnte die Flucht gelingen.“ Für einen Moment zuckte es selbst in der US-Administration, britischen Regierung und in den Reihen der Putschisten. Aber schon wenige Tage später ließen putschende Generäle, angeleitet von CIA-Agenten und dem britischen MI6 resp. SIS, Panzer in Teheran auffahren. Aus den Provinzen wurden zusätzliche bestochene Truppen und Divisionen in die Hauptstadt überführt, nach CIA-Lehrbuch durch bezahlte Banden Chaos geschürt und in „False Flag“-Operationen Terroranschläge inszeniert. Unter diesem militärischen Schutzschirm der Putschisten sowie einem bezahlten Mob kehrte der Schah umgehend zurück, oder genauer: wurde von der CIA nach Teheran zurückgeflogen, und die gekauften Offiziere, Polizisten und Schlägerbanden einfacher, armer Menschen vollzogen mit ihm an der Spitze den Staatsstreich. Der Leiter der US-Militärmission in Teheran Generals Stewart bekannte später stolz: „Die Gewehre der Soldaten, die LKW und Panzerwagen, in denen sie fuhren, die Fernmeldemittel – das alles hatten wir geliefert. Hätten wir das nicht getan, dann wäre die gegen die USA eingestellte Regierung wohl weiter an der Macht geblieben.“

Mossadegh wurde wegen „Hochverrats gegen die Monarchie“, „Anschlag auf die Krone“ und „Versuchs, die Republik zu proklamieren“ zum Tode verurteilt (was aufgrund seiner ungeheuren Beliebtheit im Lande im Anschluss jedoch in eine mehrjährige Haft und einen darauffolgenden Hausarrest umgewandelt wurde), zwei Minister hingerichtet. Mit der Volksbewegung wiederum wurde drakonisch abgerechnet, das Land von staatlichem Terror überflutet und die Führer der kommunistischen Tudeh-Partei hingerichtet, zahlreiche Mitglieder und AnhängerInnen der Partei für viele Jahre eingekerkert. Die Verstaatlichung der Erdölindustrie wurde dagegen rückgängig gemacht und dem US-amerikanischen Öl-Kapital freier Zugang gewährt. Im 1954 auf den Weg gebrachtem, neuen Erdölkonsortium war neben BP entsprechend denn auch der US-Konzern Exxon prominent beteiligt.  Der Schah wurde wieder an seine Macht gehievt und das Land in einen der treuesten Vasallen der USA in der Region verwandelt. Die Schlapphüte Langleys notierten, wie ausgeführt, sichtlich selbstzufrieden: „Die Entfernung Mossadeghs von der Macht wurde am 19. August 1953 erfolgreich vollzogen.“ Der am 11. Juli 1953 gegebene Marschbefehl „den Sturz der Mossadegh-Regierung zu bewirken und sie durch eine pro-westliche Regierung unter der Führung des Schahs mit Zahedi als Premierminister zu ersetzen“ war ausgeführt.

Die Verwandlung des Iran in einen amerikanischen Militärstützpunkt und die nuklearen Ambitionen Teherans unter dem Sternenbanner

Nach einem Übergansintermezzo unter Putschgeneral Fazlollah Zahedi (der auch nur als Übergangslösung vorgesehen war) übernahem Schah Reza Pahlawi mit grünem Licht Washingtons auch die Regierungsgeschäfte und führte danach eine der brutalsten Regentschaften der Nachkriegszeit. Zugleich rüstete er das Land mit US-Unterstützung und einem Anspruch auf regionale militärische Vormacht bis zum Horn von Afrika und den Küsten Indiens auf und schloss sich dem mittelöstlichen imperialistischen Militärpakt CENTO und verwandelte den Iran in einen amerikanischen Militärstützpunkt an der Südgrenze der Sowjetunion an. Selbst die nuklearen Ambitionen Teherans stießen in Washington auf eine aufgeschlossene Atmosphäre und fanden unter der Präsidentschaft Nixons sogar tatkräftige Unterstützer. Atomwaffen in der Hand eines Diktators sind solange kein Problem, meinte dazu dessen Außenminister Henry Kissinger, wie dieser Diktator an der Seite der Vereinigten Staaten steht.

Oder um es etwas nonchalant mit dem ORF zu resümieren: „Die Ereignisse des August 1953 sollten die folgenden Jahrzehnte prägen: Die USA rüsteten den Iran als Bollwerk gegen die Sowjetunion auf, der Schah wurde im Westen hofiert, während gleichzeitig das Geld in die Rüstung floss statt in die auf dem Papier zwar geplante, aber unterfinanzierte Entwicklung des Landes.“ Parallel ging „der 1957 gegründete Geheimdienst mit aller Härte gegen jegliche Opposition zum Schah vor. Regimegegner standen unter ständiger Beobachtung, wurden verhaftet, gefoltert und auch hingerichtet.“

Nach der Volksrevolution gegen den Schah: Letzte verzweifelte Versuche Washingtons und des Pentagon sich dem Gang der Ereignisse noch zu widersetzen

1979: Während der Schah bereits gestürzt war, versuchten die US-Administration sich noch mit allen Kräften dem Gang der Ereignisse zu widersetzen. Noch am 4 Jänner entsandte die US-Regierung ein weiteres Mal eiligst ihren Stellvertretenden Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Robert Huyser, der schon im Herbst zu Besprechungen über eine militärischen „Niederschlagung der Streiks“ überhaps den Flieger nahm, nach Teheran. „Er sollte mit Hilfe des iranischen Militärs dafür sorgen, dass, wenn schon der Schah nicht zu halten war, zumindest eine ‚amerikafreundliche‘ Regierung an seine Stelle trat“, so der Historiker Martin Robe. „Huyser scheiterte mit seiner Mission. Doch auch da gab die Carter-Administration noch nicht auf. Am 11. Februar 1979, Huyser war in sein Stuttgarter Hauptquartier zurückgekehrt, fragte der Stellvertretende Verteidigungsminister Charles Duncan aus Washington bei ihm an, ob er bereit sei, sich erneut nach Teheran zu begeben und einen Militärputsch zu leiten.“ Der Entschlossenheit der USA sich dem Verlust des „engen und entschlossenen Verbündeten, der für den Schutz der westlichen Interessen am Persischen Golf sorgte“ – wie General Huyser resümierte – zu widersetzen, war (und ist) jedes Mittel recht. „Doch wurden sich die Beteiligten, als sie die Situation und die Erfolgsaussichten eingehender erörterten, darüber klar, dass es dafür zu spät sei.“ Selbst die CIA, die mit dem Putsch 1953 ein Gesellenstück ihrer außenpolitischen Bedeutungszunahme im Werkzeugkoffer des Weißen Hauses ablieferte, musst sich in einer internen Auswertung der Ereignisse zur Einsicht durchringen: „Man war fälschlicherweise der Meinung“, so die gleichwohl mächtige „Firma“ in Langley, „die Entwicklung in der Dritten Welt nach Belieben … lenken zu können.“

Ein knappes halbes Jahrhundert Wirtschaftskrieg – der achtjährige Stellvertreterkrieg durch Saddam Hussein – und eigene Militärschläge Washingtons kulminierend im gegenwärtigen Irankrieg

Unzweifelhaft, das sich aus der Februar-Revolution letztlich durchsetzende despotisch theokratische Regime Teherans nahm eine andere als damals von den Millionenmassen erhoffte Entwicklung. Festgelegt war dies indes nicht. Noch 1982 sah sich die CIA gezwungen zu konstatieren, dass selbst die Tudeh-Partei wieder eine Stärke wie vor dem Putsch gegen Mossadegh erreicht hat. Die Geschichte des Iran schritt bekanntlich blutig darüber hinweg. Zu diesem Zeitpunkt war der quasi unmittelbar auf die iranische Revolution im Mai 1980 gestartete, neuerliche US-Wirtschaftskrieg gegen den Iran indessen schon längst im vollen Gange. Parallel intensivierte die US-Regierung ihre Kontakte zu Iraks neuem Präsidenten Saddam Hussein, der im September 1980 daraufhin mit grünem Licht aus Washington in den Iran einrückte. Als Mastermind, ja vielen als eigentlicher Initiator des daran anschließenden achtjährigen Kriegs der beiden Staaten, der sowohl Bagdad wie Teheran an den Rand des Ruins triebs, gilt Zbigniew Brzeznski. Entsprechend rüsteten die USA, unter Beteiligung ihrer arabischen Verbündeten an der Finanzierung, sowie auch zahlreiche weitere westlichen Hauptstädte den Irak militärisch auf und unterstützten Saddam Hussein, der das Mullah-Regime für seine westlichen und arabischen Verbündeten beseitigen sollte. Denn ein souveräner, von US-Interessen unabhängiger steht im Widerspruch zu Washingtons Globalstrategie und wird in deren Rahmen mit aller Vehemenz bekämpft. Egal unter welchen Vorzeichen und politischen Konstellationen im Iran.

Für das US-Empire zählt einzig und allein die pro-transatlantische Platzzuweisung und kooperative wie pro-amerikanische Ausrichtung des Landes. Das mussten – trotz gelegentlicher Unmutsäußerung und Ausscherankündigungen aus der Vasallentreue mit den USA, wie zuletzt etwa in der gemeinsamen Erklärung der „Hohen Vertreterin der EU-Außenpolitik“ Federica Mogherini sowie der Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands 2018, oder von den gegenwärtigen verhaltenen Kritiken bis zum nachdrücklichen „no“ Spaniens zum gegenwärtigen US-israelischen Aggressionskriegs – auch die Länder der EU und diese selbst leidig erfahren. Obschon sie die Sanktionen und Blockaden sowie Verschärfungen des Wirtschaftskriegs zu guter Letzt allzeit devot mittrugen und die völkerrechtswidrigen US-israelischen Kriegsgänge letztlich allzeit goutierten. Darin fügt sich denn auch die gerade von den G7 erklärte Übereinstimmung im Iran-Konflikt nahtlos ein.

Mit welch barbarischem Zynismus Washingtons Außenpolitik dabei operierte und zu Werke geht, lässt sich schon der Bemerkung des US-Außenministers und Friedensnobelpreisträgers Henry Kissinger entnehmen, der die Bedeutung des Iran-Irak-Kriegs der 1980er Jahre für die USA seinerzeit mit den Worten hervorhob: „Es ist in unserem Interesse, dass sie sich so lange wie möglich gegenseitig umbringen.“ Und zumindest das, wenn auch nicht das Hauptziel der Beseitigung der Mullah-Herrschaft, ist Washington mit dem Ersten Golfkrieg auch ebenso gelungen, wie die Erwerbung billigen Erdöls, durch das die beiden unmittelbaren Kriegsparteien ihre Waffenimporte finanzierten. Mit dazu ruinierte der Iran-Irak-Krieg die beiden Länder schließlich auch ökonomisch derart, dass sich zunächst auch auf Jahre hinaus ihre jeweiligen regionalen Ambitionen oder der US-Hegemonie im Nahen und Mittleren Osten entgegenstehenden Vormachtsansprüche als unrealisierbar identifizieren ließen. Freilich, einen geopolitischen Kühlschrank in dem sich die US-Dominanz und Konfliktlinien einfach einfrieren ließen, gibt es selbst in den südlichen Klimazonen der Breiten des Irans oder Iraks nicht. Das erwiesen schon der Zweite und Dritte Golfkrieg 1990 und 2003 Washingtons gegen seinen vormaligen Verbündeten, den Irak. Nun ist der Iran ebenfalls direkt ins Kriegs-Visier unterm Sternenbanner gerückt.

Dazu gesellt sich in der Gegenwart indes noch der zunehmend außer Rand und Band geratende Kampf des US-Imperialismus um die Aufrechterhaltung bzw. beabsichtigten Wiederherstellung seiner globalen Vorherrschaft: „Man kann den Krieg gegen den Iran in seiner Komplexität nur verstehen“, so Klaus Wagener zu Recht, „wenn man Iran als zentrales Element“ des aus dem Globalen Süden angeschoben „Integrations- und Kooperationsprozesses begreift. BRICS, SCO und BRI haben die ‚kritische Masse‘ erreicht, mit der sie die US-Hegemonie in Frage stellen können.

Daher auch die eiserne Entschlossenheit Washingtons, des Pentagon und Langleys, die US-Vorherrschaft weltweit unter allen Bedingungen mit Schieß- oder/und Wirtschaftskriegen, Operationen und Missionen, in Stein meißeln zu wollen. Samt der in einer Offenheit neuer Dimension betriebenen Ablösung des Völkerrechts durch das nackte Faustrecht, bis hin zur abermalig unverblümten Benennung wesentlicher hinter dem Angriffskrieg gegen den Iran liegender ökonomischer Interessenstriebkräfte: „Um ehrlich zu sein, am liebsten würde ich mir das Öl im Iran nehmen“, so der Donald Trump gegenüber der „Financial Times“.

Quelle: KOMintern

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