Übernommen von KOMintern:
Vor etwas über einem Jahr hat die Dschihadisten-Miliz HTS, nach einer großangelegten Offensive Tausender Gotteskrieger, die Macht in Syrien übernommen. Nach einem Jahr von Massakern geprägter Regentschaftdes islamistischen Al-Dscholani-Regimes – wie dem Mordbrennen an über 2.000 Alawiten letzten März oder dem Massaker an den Drusen im Juli mit mehr als 1.400 Toten – war alles angerichtet, um den seinen Kampfmontur gegen Sakko und Krawatte eingetauscht habenden früheren Al-Quida-Anführer und neuen Partner „des Westens“ inmitten der tobenden Großoffensive gegen die Autonomieregion Nord- und Ostsyriens DAANES (besser bekannt unter: Rojava) in Berlin den roten Teppich zu entrollen.
Von der Türkei unterstützt und von den USA, Großbritannien und Israel in Kooperation mit den Golfstaaten mit modernen Waffen ausgestattet und militärisch ausgebildet, residiert der neue Kumpel der „westlichen Wertegemeinschaft“ seither in Damaskus.Mit der umgehenden Anerkennung der al-Nusra Nachfolge-Allianzals neuer „Übergangsregierung“ und ihrem Anführer Al-Dscholani als „Interimspräsidenten“, schufen die Hauptstädte des Westens – mit an vorderster Front: Österreich – ungeachtet der Listung der HTS auf den Terrorlisten sowohl der Vereinten Nationen, wie auch der EU oder den USA und ihrer vorangehenden Kalifat-förmigen Herrschaft in Idlib auch international schnell harte Fakten hinsichtlich der neuen Ordnung Syriens – und halten ihrem dschihadistischen Spießgesellen eisern die Stange.
Aber beiweilen nicht „nur“ die vorangegangene Lage der Frauen, Christen, Drusen und Alawiten Idlibs zeugen von der gleichsam tieferen Natur der „Ordnungsvorstellungen“ und „Visionen“ der neuen Machthaber in Damaskus. Der Aufstieg der HTS und ihrer weiteren dschihadistischen Verbündeten (wie einer Reihe pro-türkischer Terror-Milizen) war von Anfang an auf das Engste mit steten Demütigungen, Plünderungen, Brandstiftungen, Vergewaltigungen, Entführung junger Frauen, Folter und viehischen Hinmordungenvon ethnischen und religiösen Minderheiten durch die Milizionäre und Gotteskrieger verbunden. Aber wie diese, firmieren auch das Mordbrennen an Alawiten und Drusen, sowie die nun entfesselte Offensive gegen die kurdischen Selbstverwaltungsgebiete und -strukturen innerhalb des politischen Personals der imperialistischen Kernländer unter dem Schlagwort: Wenn und wo gehobelt wird – wie jetzt im Mittleren und Nahen Osten –, da fallen Späne.
Für die Hauptstädte des Westens waren und sie diese Barbareien sowie die unter ihrem dschihadistischen Statthalter im Anschluss verübten, grauenhaften Massaker und jetzt in Angriff genommene Liquidierungsoperation gegen Rojavadenn auch nicht mehr als kurzfristig unangenehme „Kollateralschäden“ der neuen Ordnung Syriens bzw. der Neuordnung und Neustrukturierung des Nahen Ostens.
Mit der jüngsten Offensive gegen die Selbstverwaltungs-Viertel in Aleppo, der Vertreibungen und Massenflucht von über 150.000 Menschen, soll denn auch nicht nur die demographische Struktur der Stadt neu geordnet und die Selbstverwaltung im von der Autonomieregion Nord- und Ostsyrien territorial isoliertem Viertel mit Stumpf und Stiel ausradiert werden. Aleppo markierte, wie die Großoffensive gegen die Autonomieregion DAANES vom Wochenende zeigt, vielmehr den Auftakt des Zerschlagungsversuchs des kurdischen Selbstverwaltungsprojekts durch die Regierungstruppen al-Dscholanis in gemeinsamer Operation mit türkeinahen bzw. direkt unter Befehl Ankaras stehenden Milizen (bzw. dem Vernehmen nach auch in offener Beteiligung des türkischen Militärs).
In eins damit werden Kurden und die kurdische Freiheitsbewegung damit abermals zu den Bauernopfern der westlichen Geopolitik gemacht. Entsprechend zufrieden mit der Lage in Syrien zeigte sich denn auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach ihrem Besuch in Damaskus vor 10 Tagen. Zu der bereits seit Monaten angehaltenen Belagerung der Selbstverwaltungs-Viertel in Aleppo, der monatelangen Nahrungsmittel- und Medikamenten-Blockade, der parallel zu ihrer Visite tobenden militärischen Offensive, den Toten und Verletzten, den Geflüchteten, den Vertreibungen, der beabsichtigten demografischen Neuordnung, der humanitären Krise … hingegen rutschte der selbsterkorenen angeblichen „Verteidigerin der Menschenrechte“ kein Wort über die Lippen. Dabei hätte es die EU als einem der größten Geldgeber der islamistischen Übergangsregierung, rein substantiell betrachtet, jederzeit in der Hand Dscholani zur Abkehr zu zwingen. Aber die allzeit instrumentelle Haltung zu Konflikten ist dem Imperialismus und seiner Geopolitiken so wesenseigen, wie ein Dreieck eben eine Winkelsumme von 180° hat.
Ab heute sollte Al-Dscholani untangiert seiner Geschichte als dschihadistischer Kopfabschneider und seiner bluttriefenden Herrschaft eigentlich der rote Teppich zum Staatsbesuch in Berlin ausgerollt werden.„Die Blutspur des früheren Anführers von Al-Qaida und ‚Islamischem Staat‘, der sich von seinen Warlords zum ‚Übergangspräsidenten‘ ausrufen ließ, ist lang. Sie reicht vom Genozid an den Jesiden im Irak über die Vertreibung der Kurden aus Afrin bis zur Massakrierung von Alawiten und Drusen sowie der Bombardierung kurdischer Wohngebiete in Aleppo in der (vor)vergangenen Woche durch seine nunmehr als Regierungstruppen firmierenden Kopfabschneider“ (Nick Brauns) – zwischenzeitlich ergänzt um die gestartete Großoffensive gegen Autonomieregion Nord- und Ostsyrien. Vor diesem Hintergrund hat er als nunmehriger Kriegsherr seinen Staatsbesuch zwar kurzfristig verschoben – um zuvor noch Rojava platt zu machen und auszuradieren oder zu unterwerfen. Noch manches ist zur Stunde noch unübersichtlich. Sowohl was die Kampfhandlungen wie das verkündete Abkommen zur „vollständigen Integration“ betrifft. Der Teppich des „Wertewestens“ sowie dessen Scheckbücher (mit gerade zugesagten weiteren 620 Mio. Euro) jedenfalls bleiben Al-Dscholani in unerträglicher Doppelmoral des Westens freilich ausgerollt und gezückt.
Quelle: KOMintern

