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Spitäler im Visier

Schweizerische Friedensbewegung

Übernommen von Schweizerische Friedensbewegung:

Im Iran-Krieg werden von den USA und Israel systematisch Spitäler angegriffen. In den vergangenen Wochen haben die beiden Länder laut Berichten des iranischen Roten Halbmonds mindestens 307 Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land bombardiert. Die Zerstörung der medizinischen Infrastruktur der Islamischen Republik fügt sich ein in eine lange Geschichte gezielter US-Angriffe auf Spitäler.

Von Alan MacLeod

Es gab keine Warnung. US-amerikanische und israelische Luftangriffe trafen das Gandhi Hospital im Norden Teherans am 1. März und nochmals am 2. März. Die Raketen schlugen in das Gebäude ein, liessen Fenster bersten und zerstörten die Neugeborenen- und Intensivstation. Das 17-stöckige Gebäude, eines der modernsten medizinischen Zentren Westasiens beschrieben, gehörte zu den wichtigsten Spitälern des Landes. Das Gandhi Hospital ist eines von mehr als 300 medizinischen Zentren, die durch US-amerikanische und israelische Angriffe getroffen wurden.

Keine Ausnahme
Neun Tage später, am 11. März, wurde ein Bildungs- und Medizinzentrum in Buschehr an Irans Südküste angegriffen und schwer beschädigt. Raketenexplosionen zerstörten einen Grossteil der medizinischen Ausrüstung. Am 21. März wurde das Imam-Ali-Krankenhaus in Andimeshk angegriffen. Videoaufnahmen der Folgen zeigen vollständig zerstörte Stationen, Wartezimmer und Korridore; sowohl Wände als auch Dächer waren unter der Wucht der US-/israelischen Bombardierungen eingestürzt. Auch andere medizinische Einrichtungen, darunter ein Ambulanz-Zentrum, ein Büro des iranischen Roten Halbmonds und das Pasteur-Institut – ein medizinisches Forschungslabor – wurden getroffen. Die Angriffe wurden von westlichen Medien weitgehend ignoriert. Nur wenige Zeitungen oder Fernsehsender erwähnten überhaupt die Schäden am Gesundheitssystem des Landes. Wiederholte Angriffe auf Spitäler sind unter US-Präsident Donald Trump eher die Regel als eine Ausnahme. Im vergangenen Jahr führten US-Streitkräfte 14 separate Luftangriffe auf das Onkologiekrankenhaus in Saada im Jemen durch, das Herzstück des Gesundheitssystems des Landes. 2017 griffen die USA ein Spital in Raqqa in Syrien an und verwendeten dabei Munition mit weissem Phosphor, wobei mindestens 30 Zivilist:innen getötet wurden. Trumps Vorgänger Barack Obama machte ebenso wenig vor medizinischen Einrichtungen halt. 2015 ordnete seine Regierung eine Bombenkampagne gegen ein Spital von Ärzte ohne Grenzen in Kundus, Afghanistan, an. Mindestens 42 Menschen starben beim Angriff. Während seiner Amtszeit bombardierte Obama sieben Länder, darunter Libyen, wo US-Flugzeuge ein Spital in Zliten angriffen und vollständig zerstörten. Fast kein Land litt im 21. Jahrhundert mehr unter den US-Aggressionen als der Irak. Aufeinanderfolgende Regierungen griffen dort kritische Infrastruktur an, beispielsweise liess US-Präsident Bush 2003 ein Entbindungskrankenhaus in Bagdad bombardieren. In Jugoslawien bombardierten US-Flugzeuge mehrere Spitäler, unter anderem in Niš mit inzwischen verbotener Streumunition, wobei mindestens 15 Menschen getötet wurden.

Kriegsverbrechen sind «Routine»
Im Vietnam-Krieg gehörte die Bombardierung von Spitälern praktisch zur offiziellen Politik. Der am besten dokumentierte Fall ereignete sich im Dezember 1972, als US-Flugzeuge mehr als 100 Bomben auf das grosse Bach-Mai-Spital in Hanoi abwarfen und dabei mindestens 28 Mitarbeiter:innen sowie eine unbekannte Zahl von Patient:innen töteten. Während einer Kongressanhörung zu verdeckten Operationen in Laos und Kambodscha wurde den Abgeordneten mitgeteilt, dass die Bombardierung von Spitälern in diesen Ländern «Routine» gewesen sei. Während des Koreakrieges zerstörte das US-Militär schätzungsweise 1 000 Krankenhäuser durch Bombardierungen, während ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht wurden. Schätzungen gehen davon aus, dass die USA zwischen 1950 und 1953 rund 25 Prozent der gesamten nordkoreanischen Bevölkerung töteten.

Israel entführt Ärzte
Auch für Israel gehört es zur «Routine», Spitäler zu bombardieren. Praktisch jedes Gesundheitszentrum in Gaza wurde beschädigt oder zerstört. Scharfschützen der israelischen Streitkräfte haben medizinisches Personal innerhalb von Spitälern gezielt angegriffen sowie Ärzt:innen entführt und gefoltert. Ein besonders bekanntes Beispiel ist Adnan Al-Bursh, Leiter der Orthopädie im al-Schifa-Krankenhaus. Im Dezember 2023 wurde al-Bursh verhaftet und monatelang festgehalten; mutmasslich wurde er von den israelischen Streitkräften getötet. Israel greift aktuell systematisch das Gesundheitssystem des Libanon an, wie zuvor in Palästina. Infolgedessen sind mindestens 57 libanesische Gesundheitsarbeiter:innen ums Leben gekommen. Die US-Angriffe auf die iranische Infrastruktur sind Teil einer umfassenderen Strategie von Regimewechseln, die darauf abzielt, die gegenwärtige Regierung zu stürzen und eine den USA genehme Regierung einzusetzen. Die USA haben dabei den obersten Führer des Landes ermordet, einen langanhaltenden Wirtschaftskrieg geführt, der dem Iran schweren Schaden zufügte, und Proteste im Iran angeheizt, die darauf abzielten, die Regierung zu destabilisieren.

Alan MacLeod arbeitet für das unabhängige Medienportal MintPressNews.

Quelle: Schweizerische Friedensbewegung

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