Montag, 20. April 2015
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Besser echtes nehmen... Foto: dierk schaefer / flickr.comDie Verbraucherorganisation foodwatch wirft der zur Edeka-Gruppe gehörenden Supermarktkette Netto vor, mithilfe irreführender Werbeaussagen gestrecktes Hackfleisch zu überhöhten Preisen zu vermarkten. Auf www.abgespeist.de hat die Vereinigung eine E-Mail-Beschwerdeaktion an den Lebensmitteldiscounter gestartet. foodwatch berichtet, dass Netto unter der Eigenmarke »Viva Vital« eine »Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß« vertreibt, die mit dem Hinweis auf angeblich »30 Prozent weniger Fett« vermarktet wird. Tatsächlich bestehe das Produkt jedoch aus 30 Prozent weniger Fleisch. Dieser Anteil werde ersetzt durch gefärbtes, schnittfest gemachtes Wasser. Entgegen der Werbeaussage enthalte es sogar mehr Fett als das meiste frisch durch den Fleischwolf gedrehte Hackfleisch von der Bedientheke, denn dafür werde in der Regel höherwertiges, mageres Fleisch verwendet. Im Vergleich zu reinem, verpacktem Hackfleisch verlange Netto für das »Pseudo-Hack« auch noch einen satten Aufpreis von mehr als 30 Prozent.



»Nie war so wenig Fleisch im Hack, nie war schnittfestes Wasser so teuer«, kritisiert Oliver Huizinga von foodwatch. »Hier geht es ganz offensichtlich nicht um ein schlankes, gesünderes Produkt, sondern ganz allein um mehr Brutto für Netto.«

Die »Viva Vital Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß« wird vom niederländischen Fleischkonzern Vion für Netto hergestellt. Laut zugehöriger Patentschrift wird dabei ein Fleischanteil durch »texturiertes Weizenprotein« ersetzt, das eine »fleischähnliche« Konsistenz aufweise. Rote-Beete-Saft und Paprikaextrakt geben dem Produkt eine »fleischähnliche Farbe«. Oliver Huizinga von foodwatch fasst die Rezeptur zusammen: »Man greife tief in die Trickkiste der modernen Lebensmitteltechnologie und verleihe so einer Fleisch-Wasser-Weizen-Pampe möglichst viel Hackfleisch-Feeling.«

Nettos Werbehinweis auf »30 Prozent weniger Fett« stimme nur im Vergleich mit anderem verpackten Hackfleisch aus dem Selbstbedien-Regal, für das - anders als bei frisch durch den Wolf gedrehtem Hack - meist billigeres, fettreiches Fleisch verwendet wird. Ein solches Produkt biete der Discounter ebenfalls an, es koste jedoch weitaus weniger als das gestreckte Hackprodukt.

Netto wies die Vorwürfe von foodwatch zurück, ohne jedoch den Angaben der Organisation zu widersprechen. Das »schnittfeste Wasser« bezeichnete das Unternehmen als »wertvolles pflanzliches Eiweiß in Form von Weizenprotein«. Die Mischung habe einen geringeren Fett- und Cholesterinanteil als Hackfleisch und richte sich an Kunden, »die sich bewusster und ausgewogener ernähren wollen, ohne auf den Geschmack und die Eigenschaften von herkömmlichem Hackfleisch zu verzichten«. Die Angabe »30 Prozent weniger Fett« beziehe sich auf Hackfleisch aus der Netto-Selbstbedienungstheke.

foodwatch kritisiert auch andere als fettreduziert oder »Light«-Variante beworbene Produkte als gestreckte Varianten des Originals - und damit als teurer Etikettenschwindel. Die »Thomy légère leichter als Mayonnaise« von Nestlé bestehe nicht wie echte Mayonnaise hauptsächlich aus Öl und Eigelb, sondern zum Großteil aus Wasser - das könnten Verbraucher aber auch selbst in Mayonnaise rühren. Auch die »Kokosnussmilch light« von Exotic Food bestehe in erster Linie aus Wasser. Sie enthalte gerade einmal 23 Prozent Kokosnuss, sei aber nur etwa zehn Prozent günstiger als das »Original« vom selben Hersteller mit einem Kokosnuss-Anteil von 85 Prozent. Unilever strecke seinen Butterersatz »Lätta & luftig« it Luft. Das Ergebnis: 320 Gramm der mit Stickstoff aufgeschlagenen Halbfettmargarine kosten genau so viel wie 500 Gramm normale Lätta.

Weitere Infos: www.abgespeist.de

 

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