Aufruf zum antikapitalistischen Block auf der DGB-Maidemo in Freiburg

Antikapitalistischer Block in FreiburgWir dokumentieren nachstehend den Aufruf der Antifaschistischen Linken Freiburg für einen antikapitalistischen Block auf der Gewerkschaftsdemo in Freiburg am 1. Mai 2017, 10.30 Uhr, Stühlinger Kirchplatz, Freiburg:

Eine andere Welt ist machbar – für den Kommunismus!

Seien wir realistisch: Ein Blick in die Nachrichten der vergangenen Monate reicht aus, um den Eindruck zu bekommen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. In ganzen Weltregionen herrscht Krieg und zehntausende Menschen ertrinken bei dem Versuch, vor den Verwüstungen des Kapitalismus zu flüchten. Dazu kommen der globale Klimawandel, das Erstarken des religiösen Fanatismus, wachsende geopolitische Spannungen sowie die rasante  Entwicklung der Kriegs- und Überwachungstechnologien, die ganz neue Formen von Zerstörung und Herrschaft möglich machen. In den wohlhabenden Ländern des globalen Nordens schließlich hofft ein wachsender Teil der Bevölkerung, sich von diesen Entwicklungen durch die Errichtung von Grenzzäunen abkoppeln zu können. Institutioneller Rassismus, rechte Bewegungen auf der Straße und die Propaganda rechter Führungsfiguren heizen  sich gegenseitig an und entfalten eine Dynamik, die das gesamte gesellschaftliche Klima nach rechts verschiebt. Eigentlich liegt auf der Hand, was in einer solchen Situation zu tun wäre: Wenn das Alte im Chaos versinkt, muss darüber gesprochen werden, wie etwas radikal Neues aussehen könnte.

Doch genau hier liegt die Paradoxie unserer Zeit. Linke Positionen sind zwischen dem Getöse rechter Schreihälse und dem medialen Spektakel der Realpolitik kaum noch sichtbar, werden vereinnahmt oder korrumpiert. Nach Jahren propagierter neoliberaler Alternativlosigkeit scheint die schiere Möglichkeit auf eine bessere Welt verschüttet. Stattdessen wirkt es, als verliefen die gesellschaftlichen Konfliktlinien nicht zwischen links und rechts, nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen den Verteidiger_innen der „alternativlosen“ (neo-)liberalen Weltordnung auf der einen und den Vorkämpfer_innen eines national-reaktionären Festungskapitalismus auf der anderen Seite. Die Linke muss sich die Frage stellen, mit welcher Erzählung sie dieser falschen Gegenüberstellung eines vermeintlich vernünftigen Neoliberalismus und einer angeblichen Alternative von Rechts begegnen kann. Sie muss wieder die Hoffnung wecken, dass die Menschheit eines Tages in einer Welt jenseits von Krise, Krieg und Kapitalismus leben wird – und das Wissen darum, dass diese Möglichkeit allein in unseren Händen liegt.

Versuchen wir das Unmögliche

Hierzu lohnt gerade im Jahr 2017 ein Blick in die Geschichte. 100 Jahre nach der Russischen Revolution scheint es, als sei das Feuer unter dem Kessel der Lokomotive «Revolution» erloschen. Nichtsdestotrotz: Die Ausläufer und Signale der Revolution des Jahres 1917 prägten von Russland ausgehend tiefgreifend alle Regionen und Gesellschaften der Welt, zu verschiedenen Zeiten, mit unterschiedlichen Folgen und Wirkungen. 1917 wurde das Unwahrscheinlichste Wahrheit: Die Revolution war da. Diese Revolution geschah nicht durch die Wahl von Parteien auf Parlamentssitze, nicht in militärischen Schlachten um wichtige Festungen und Grenzverläufe. Sie wurde gemacht, von unten: Überall im Land führten Bäuer_innen Bodenenteignungen durch, desertieren Soldat_innen und bildeten sich Arbeiter_innenräte, um gemeinsam zu entscheiden, wie die radikale Umgestaltung der Gesellschaft zu organisieren sei. In einer Zeit, in der die herrschenden Klassen der bürgerlichen und autokratischen Staaten die gesamte Welt mit massenhaftem Elend und Tod überzogen, eröffnete die Russische Revolution eine Chance auf Frieden, soziale Gerechtigkeit und Demokratie von unten. Heute verstellen die Trümmer der Geschichte den Blick auf die Revolution, den Blick auf eine kommunistische Alternative zum Bestehenden. Wollen wir als Linke heute erfolgreich kämpfen, müssen wir das Versprechen der Revolution von 1917 bergen: keine Entmündigung mehr hinzunehmen und keine Erniedrigung mehr ertragen zu müssen.

Eine andere Welt ist machbar

Doch auch im Jahr 2017 ist die Lage lange nicht so aussichtslos, wie es scheint. Eine Vielzahl von Initiativen arbeiten an einer solidarischen Umgestaltung der Welt von unten. Bruchstücke des Traums von der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft finden wir in den Kämpfen der Migrant_innen und ihrer Unterstützer_innen um globale Bewegungsfreiheit, in den Auseinandersetzungen um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Löhne oder in den klimapolitischen Bewegungen für einen Planeten, auf dem auch in Zukunft noch Menschen leben können. Was all diesen Kämpfen jedoch häufig fehlt, ist eine gemeinsame Perspektive, ein Projekt, dass zum einen in der Lage ist, die Isolierung der einzelnen Kämpfe zu überwinden, zum anderen aber auch die Vielfalt des Mosaiks der Bewegungen berücksichtigt. Aufgabe muss es sein, die Verbindungslinien zwischen globalem Kriegszustand und lokalen Kämpfen um soziale Infrastruktur, zwischen der nicht enden wollenden Tragödie an den europäischen Außengrenzen und der immer größeren sozialen Ungleichheit aufzuzeigen. Dazu müssen wir aktiv in die Kämpfe intervenieren, sie über eine reformistische Kritik des Bestehenden hinaustreiben und auf einen revolutionären Bruch hin zuspitzen. In einer immer komplexer werdenden Welt müssen wir uns eines gewiss machen: Die Zustände, unter denen wir leben, sind kein Naturgesetz, sondern von Menschen gemacht. In unserer Macht liegt es auch, diese Zustände aufzuheben!

Kommt in den antikapitalistischen Block auf der Gewerkschaftsdemonstration!

Quelle: Antifaschistische Linke Freiburg / RedGlobe

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