Corona trifft Luftverkehrsstandort Berlin hart

„Die Folgen der Corona-Krise für den Luftverkehrsstandort Berlin werden jetzt immer sichtbarer. Der Luftverkehr war durch den Shutdown besonders betroffen, die Zahl der Flüge von und nach Berlin ist komplett eingebrochen. Obwohl sich die Situation in den letzten Wochen verbessert hat, liegt der Luftverkehr derzeit bei gerade mal 20-25 Prozent des Niveaus vor der Coronakrise. Die aktuelle Situation im Luftverkehr ist immer noch dramatisch. Wir rechnen damit, dass es noch lange dauert, bis das alte Niveau wieder erreicht ist“, sagte heute Enrico Rümker, für die Luftfahrt zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär im Landesbezirk Berlin-Brandenburg.  

Leider häufen sich die schlechten Nachrichten, denn immer mehr Unternehmen kündigen jetzt schon einen Personalabbau an. Das betrifft alle Bereiche, angefangen von den Airlines wie zum Beispiel Lufthansa oder EasyJet, der Flughafen Gesellschaft, aber auch zahlreichen Dienstleistern wie zum Beispiel dem Bodendienstleister WISAG. „Wir befürchten, dass der angekündigte Personalabbau bei vielen Unternehmen nicht fair abläuft. Nicht zu erwarten ist auch, dass geeignete Maßnahmen geplant sind, um den Abbau über einen längeren Zeitraum abzufedern“, so Enrico Rümker. Leider scheinen zudem Unternehmen die für dieses Jahr vorgesehene Schließung von Tegel zu nutzen, um diese Abbauprozesse deutlich schneller durchzuführen. „Da die Eröffnung des neuen Flughafens und die Schließung Tegel in rund dreieinhalb Monaten erfolgen sollen, rechnen wir mit weiteren schlechten Nachrichten und einem weiteren Personalabbau in anderen Firmen“, sagt Enrico Rümker. ver.di sieht die Gefahr, dass bei einer Erholung der Branche und dem erneuten Ansteigen des Fracht- und Fluggastaufkommens am neuen Flughafen dann nicht ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht und das bisherige Personal zu alternativen Arbeitsplätzen abgewandert ist. Daher schlägt ver.di vor, jetzt nach sinnvollen Lösungen zu suchen, die zum Beispiel in einer Transfergesellschaft liegen könnten, in der die Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verlieren, vorübergehend aufgefangen werden können, um beim ebenfalls zu erwartenden anschließenden steigenden Personalbedarf wieder eingesetzt werden zu können. Eine solche Transfergesellschaft kann mit Sicherheit nicht alleine von den Unternehmen, die durch die Corona-Krise gewaltig unter Druck stehen, finanziert werden. Hier müsste es zum Beispiel Zuschüsse geben, wie sie jetzt auch bei der Kurzarbeit gewährt werden.

Zahlreiche Fluggesellschaften hatten bereits Kürzungen, Schließungen und Stilllegungen angekündigt. Allein beim Berliner Standort von EasyJet sind vermutlich über 700 Arbeitsplätze betroffen. Auch Ryanair plant offenbar in Berlin einen Stellenabbau. Der Bodendienstleister Wisag will nach eigenen Aussagen bis zu 800 von jetzt 1.500 Stellen abbauen. Aber auch die Flughafengesellschaft will – längerfristig – bis zu 400 Stellen streichen. Das allerdings sozial verträglich.

Quelle:

ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg

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