Übernommen von KOMintern:
Nach sechs gescheiterten Verhandlungsrunden fanden gestern und heute, 3. und 4. März, erstmals überhaupt Warnstreiks in der Branche statt. Zwar haben davor die Arbeitgeber ein Angebot zur IST-Gehaltssumme vorgelegt (2,5% Mindestgehälter, 2,0% IST-Gehaltssumme), doch dieses bleibt weit hinter dem Notwendigen zurück. Auch die Gewerkschaftsführung hat sich von ihrer ursprünglichen Forderung zurückgezogen: von 4% auf 3,5%. Damit liegt selbst die aktuelle Forderung unter der Inflationsrate – ein Reallohnverlust ist vorprogrammiert.
Das Zurückweichen von 4% auf 3,5% sendete bereits das falsche Signal: Statt die Kampfbereitschaft der Basis zu nutzen, wird verhandelt, als müssten die Beschäftigten um Almosen betteln. Die ursprüngliche Forderung von 4% hätte bereits geradeso nur die Kaufkraft erhalten.
Während andere Sektoren in den letzten Jahren mit wirtschaftlichen Herausforderungen kämpften, verzeichnete die IT-Wirtschaft stabile Wachstumsraten und überdurchschnittliche Gewinnmargen. Die großen Unternehmen investieren Milliarden in Expansion und technologische Entwicklung. Diese ökonomische Stärke steht in krassem Widerspruch zur Verweigerungshaltung bei den Lohnverhandlungen. Die finanziellen Mittel für angemessene Lohnerhöhungen sind vorhanden – sie werden nur nicht an die Beschäftigten weitergegeben.
Es wird entscheidend sein, den über die Warnstreiks aufgebauten Druck nun nicht versiegen zu lassen. Gerade in der IT-Branche, wo Systeme durchgehend verfügbar sein müssen, hat ein Arbeitskampf unmittelbare Wirkung. Frei nach Georg Herwegh: „Alle Server stehen still, wenn dein Admin-Account es will!“ Die nächste Verhandlungsrunde findet am 10. März statt.
Quelle: KOMintern

