Übernommen von Unsere Zeit:

Viel wird spekuliert über einen möglichen Regime-Change im Iran durch die USA. Angesichts vieler Kundgebungen zur Unterstützung der Regierung seit Kriegsbeginn scheint diese Art von Regime-Change unwahrscheinlicher als seit langem.
Aber wie stabil ist die politische Situation in anderen Ländern der Region, gerade, falls der Krieg längere Zeit andauern sollte?
Die Monarchien der Golfstaaten ziehen ihre Stabilität vor allem aus Öleinkünften. Schon der jahrelange Krieg gegen den Jemen belastete zum Beispiel den saudischen Haushalt massiv. Jetzt, wo der Transport von Öl und Gas durch die Straße von Hormus behindert ist und die Infrastruktur durch den Krieg beschädigt wird, sinken die Einnahmen – potentiell auf Kosten der Stabilität. Dies gilt insbesondere für die Fördergebiete im Osten Saudi-Arabiens mit ihrer schiitischen Bevölkerung.
Jordanien, im Grunde eine Militärbasis für USA und Israel, steht schon lange unter Druck. Anders als das Königshaus lehnt die Bevölkerung Israels Genozid in Gaza ab. Der Sicherheitsapparat – vermutlich mit Unterstützung der CIA und des Mossad – hat die Situation aber fest im Griff. Schon während des „arabischen Frühlings“ unterband er alle Aktivitäten der Moslembrüder.
Und Israel selbst ist kein Hort der Stabilität. Netanjahus Regierung kann ihre Kriege unangefochten führen. Doch in der Knesset verfügt die Koalition nicht mehr über eine sichere Mehrheit. Für die kommenden Wahlen haben Umfragen vor Kriegsbeginn eine Pattsituation ergeben: keine Mehrheit für Netanjahu und keine Mehrheit für seine Gegner. Entscheidend wären die Stimmen der arabischen und linken Parteien.
Es braucht keine Kristallkugel, um einen Favoriten für einen möglichen Regime-Change zu benennen. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit reicht. Am 14. März 2011 besetzten Truppen Saudi-Arabiens den Inselstaat Bahrain. Die Herrschaft des sunnitischen Königshauses war durch Proteste der überwiegend schiitischen Bevölkerung ins Wanken geraten. Nur mit Hilfe der saudischen Truppen konnte die Stabilität wieder hergestellt werden.
Bahrain ist ein wichtiger Stützpunkt für die USA. Es beherbergt das Hauptquartier der 5. US-Flotte, die für den gesamten Persischen Golf, das Arabische Meer und Teile des Indischen Ozeans zuständig ist. Immer wieder wird das Hauptquartier von iranischen Raketen getroffen, immer wieder begleitet von Jubel von Zuschauern.
Der Inselstaat Bahrain hat etwa 1,5 Millionen Einwohner und gehört zu den reichsten Staaten der Welt. Er besteht aus 33 Inseln. Die kleine Insel Sitra mit 70.000 Einwohnern war bereits Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern des Irans und den Sicherheitskräften. Aber hier wie in der gesamten Region gilt: Entscheidend wird die Entwicklung des Krieges sein. Denn: The winner takes it all …
Quelle: Unsere Zeit

