Übernommen von Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen:
Wie kann eine Stadt aktiv zum Frieden beitragen – jenseits von Rhetorik und wohlgemerkt in Zeiten der Aufrüstung und Militarisierung? Freiburg zeigt mit der Vision einer „Friedensstadt“, wie aus in Erinnerung, dank einer regen Zivilgesellschaft und konkreten Projekten eine lebendige Kultur des Friedens entstehen kann.

An einem Montagabend in Freiburg: ein ohrenbetäubender Lärm, Detonationen, Schreie, ein Flammenmeer. 25 Minuten später waren rund 3000 Menschen tot, tausende verletzt oder verschüttet. 80 Prozent der Altstadt war dem Erdboden gleichgemacht. Dieser 27. November 1944 blieb lange ein Trauma der Stadt Freiburg. Vielen anderen Städten erging es im Zweiten Weltkrieg ähnlich.
„Nie wieder Krieg!“ lautete der Schwur nach der Befreiung vom Faschismus. In diesem Sinne verhängten verhängten die Alliierten nach Kriegsende ein weitgehendes Verbot der Produktion und des Besitzes von Kriegswaffen.
Dies fand bereits Anfang Sechzigerjahre in Freiburg ihr Ende, wie die hiesige Gründung der LITEF GmbH seitens des US-Konzerns Litton Industrie 1961 belegt. Heute produziert und exportiert die Northrop Grumman LITEF GmbH in Freiburg hochkomplexe, sicherheitskritische Sensor- und Navigationssysteme für topmoderne Kriegswaffen, wie Kampfflugzeuge, Panzer, Kriegsschiffe und Drohnen. Sie ist Teil des Rüstungsriesen Northorp Grumman Corporation in Virginia (USA).
Erfreulicherweise war es 1984 gelungen, Freiburg zur atomwaffenfreien Zone zu erklären. Lange Jahre stand der Slogan auf den gelben Stadtschildern an den Ortseingängen. 2005 entschied der Gemeinderat zusätzlich, dass Freiburg sich der weltweiten Bewegung „Mayor for Peace“ anschließt.
„Global denken, lokal handeln“ inspirierte einst die Umweltbewegung. 2022, nach dem Überfall des russischen Militärs auf die Ukraine, leitete diese Idee die Gründung des neuen Friedensbündnisses ein. Wir begannen Vorschläge für die Vision einer friedensstiftenden Stadt zu sammeln – um dann im Februar 2024 offiziell das Bündnis “!Friedensstadt Freiburg!” zu gründen. So konnten wir ein Konzept mit vielfältigen Szenarien und Handlungsansätzen zfür eine konkrete Vision entwerfen.
Mit vielfältigen Formaten – Festen, Vorträgen, Diskussionen und Diskursen, interkulturellen Begegnungen, internationalen Sportevents und kulturellen Veranstaltungen – tragen wir zum Frieden bei. Wir fördern das Kennenlernen, den Dialog und das gegenseitige Vertrauen zwischen den Menschen und ermöglichen gemeinschaftliches Handeln.
Dabei geht es uns um eine in der Stadt gelebte Kultur des Friedens. Der Friedensgedanke soll in der Stadtgemeinschaft verankert sein und das öffentliche wie alltägliche Leben prägen. Unsere „10 Visionen des Friedens“ sollen Schritt für Schritt in die Realität umgesetzt werden. Die erste Leitidee, „Frieden durch Friedensbildung“, folgt der Überzeugung Mahatma Gandhis, dass echter Frieden bei den Kindern seinen Anfang nehmen muss.
Durch vielfältige Begegnungsformate sollen Dialog und gegenseitiges Vertrauen gestärkt werden. Ein internationales Friedensfestival könnte dazu beitragen, bei jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur bestehende Vorurteile und Feindbilder abzubauen. Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige ökologische Entwicklung sollen im Fokus stehen.
Schließlich wird die Stadt ermutigt, gemeinsam mit der gesamten Stadtgesellschaft eine entmilitarisierte Modellstadt für eine zivile, soziale und gewaltfreie Verteidigung aufzubauen. Dazu gehören differenzierte Aktionspläne, Trainings- und Schulungskonzepte, oder Übungen für Boykotte und zivilen Ungehorsam. Einem etwaigen Aggressor soll vermittelt werden, dass es sich “nicht lohnt”, diese Stadt zu besetzen.
Das offene Bündnis “!Friedensstadt Freiburg!“ versteht sich als überparteiliche, demokratische Initiative, die ein friedensförderndes Miteinander in Vielfalt und Toleranz anstrebt. Es wird unter anderem vom DGB, der Inta-Stiftung, Pax Christi Freiburg, dem RüstungsInformationsBüro, der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion und jüngst auch von Greenpeace unterstützt.
Aktuell werden Aktionen von Jugendorganisationen gegen die Einführung der Wehrpflicht, eine öffentliche Dialogveranstaltung zum Thema Friedensstadt Freiburg mit OB-Kandidat*innen und mittelfristig ein Jugend-Friedens-Festival sowie konkrete Initiativen zur Friedensbildung vorbereitet.
Dieses Vorbild und den Schwur nach dem Zweiten Weltkrieg ernstnehmend, fördern wir unsere Mitmenschen auf, aktiv n einer Welt ohne Waffen mitzuarbeiten.
Unsere 10 Visionen und weitere Informationen siehe https://friedensstadt-freiburg.de/
Kontakt: graesslin@dfg-vk.de
Günter Rausch und Jürgen Grässlin
Die beiden Autoren sind Mitbegründer und Mitarbeiter im Organisationsteam der !Friedensstadt Freiburg!; Jürgen Grässlin ist Bundessprecher der DFG-VK.
Quelle: Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

