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Iran zeigt Israel Grenzen auf

Übernommen von Unsere Zeit:

„Heute Nacht muss Teheran brennen“, forderte Israels rechtsextremer Minister Itamar Ben-Gvir auf X, nachdem iranische Raketen in Israel eingeschlagen waren. Der Iran hatte damit auf einen israelischen Angriff reagiert, mit dem ein Wohnhaus in Dahiye, einem südlichen Vorort von Beirut, zerstört worden war.

Teheran brannte nicht. Der israelische „Vergeltungsangriff“ auf den Iran war ohne die volle Unterstützung durch die USA in seiner Wirkung begrenzt. Der Schaden, den iranische Raketen in Israel anrichteten, lässt sich nur indirekt ermessen: Die erste israelische Maßnahme zur Schadensbegrenzung war, die Zensur wieder zu verschärfen – bis hin zu Textvorschlägen durch das Militär. Satellitenbilder, die diesmal der israelischen Zensur entgingen, zeigen wohl Schäden an einem Luftwaffenstützpunkt, von dem aus der Angriff auf Dahiya gestartet worden war.

Der Iran hatte mehrmals erklärt, dass ein Angriff auf Beirut eine „rote Linie“ darstelle. So war der Angriff auf Dahiye wohl ein Versuchsballon. Das israelische Militär wollte testen, wie der Iran reagieren würde. Das Ergebnis war eindeutig und für Militär und Politik in Israel überraschend. Wie angekündigt schlug der Iran zurück und stellte eine Abschreckung wieder her, die selbst US-Präsident Donald Trump zur Räson brachte. Fast inständig forderte er auf seinem „Truth Social“ ein Ende der Angriffe von beiden Seiten. Dazu gehörte – wieder einmal – ein Telefongespräch mit Benjamin Netanjahu.

Schließlich erklärte der Iran ein Ende seiner Angriffe, die Ziele seien erreicht. Und das Hauptziel war Irans Forderung: „Ein Waffenstillstand gilt entweder für die gesamte Region – oder gar nicht“. Dies war von Beginn an akzeptierte Voraussetzung für die Verhandlungen mit den USA, wie die Vermittler bestätigten.

Für Israel ist es jedoch ein No-Go. Verteidigungsminister Israel Katz betonte, jedem Versuch des Iran, sich mit dem Libanon zu verbinden und Israel anzugreifen, werde mit großer Gewalt begegnet. Dabei möchte Israels Regierung vergessen machen, dass Israel selbst – gemeinsam mit den USA – den Iran angegriffen hatte. Erst dieser Angriff hatte die Eskalation im Libanon provoziert.

Ein echter Waffenstillstand in der Region, wie ihn der Iran fordert. ist für Israels Regierung ein rotes Tuch. Israel will Handlungsfreiheit, das heißt die Freiheit, nach Belieben zu bombardieren. Seit Beginn des Waffenstillstands im Libanon hat Israel 600 Menschen getötet. Eine Million wurden vertrieben – bei nur knapp 6 Millionen Einwohnern.

Mit seiner Forderung nach einem Waffenstillstand in der Region versucht der Iran, Israel Einhalt zu gebieten. Eine Aufgabe, die im Grunde der sogenannten „internationalen Gemeinschaft“ zukäme. Ganz erfolgreich ist der Iran damit nicht. Zwar kann er Angriffe auf Beirut verhindern, aber nicht die Angriffe auf den Süden des Libanon. Immerhin schafft es die iranische Regierung mit ihrer Politik vorerst, soziale Konflikte im Lande zu entschärfen.

Trump konnte sich in diesen zwei Tagen des Feuerwechsels als Schiedsrichter inszenieren, der Netanjahu zur Ordnung ruft und – wieder einmal – kurz vor dem Durchbruch in Verhandlungen mit dem Iran steht. Netanjahu und Ben-Gvir sind die Verlierer dieser Eskalation. Groß-Israel, der Krieg an vier oder fünf Fronten und keine überzeugenden Erfolge, das konventionelle Abschreckungspotential dahin – das nagt an Netanjahus Renommée. Für die einen führt er zu viel Krieg, für die anderen zu wenig. Ben-Gvir, der immer wieder radikale Schritte verlangt, der die al-Aqsa-Moschee erobern und die Palästinenser vertreiben will, wird sich durch einen Rückschlag nicht aufhalten lassen.

Quelle: Unsere Zeit

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