Übernommen von KOMintern:
Völlig zu Recht haben die Gewerkschaften und Beschäftigten in der Chemieindustrie aktuell mit Warnstreiks die Schlagzahl gegen den Affront einer Nulllohnrunde mit Einmalzahlung erhöht. Am Montag wird der Druck mit weitergehenden 2-stündigen Ausständen weiter erhöht, bevor es dann am Dienstag in die 7. Verhandlungsrunde geht.
Die „angebotene“ Einmalzahlung von 250 Euro als Billigabspeisung in Form eines bloßen Taschengelds sind nicht nur eine bodenlose „Frechheit“, wie auch PRO-GE und GPA unterstreichen, sondern darüber hinaus ein unverblümtes Lohnsenkungsprogramm. Und würden eine weit über die gegenwärtig anvisierte Nulllohnrunde hinausreichende Zäsur darstellen. Denn Einmalzahlungen bekommt man, wie ihr Name schon besagt, genau nur ein einziges Mal. Entsprechend erhöhen sie auch die Löhne und Gehälter um keinen mauen Cent, was dann in der nächsten KV-Runde und den ihr folgenden sogleich abermals schlagend und spürbar wird, da sich Kollektivvertragsverhandlungen auf die Löhne und Gehälter als Ausgangsbasis beziehen. Und so summierte sich der Einkommensverlust auf das Lebenseinkommen gerechnet denn auch auf zig- und abertausende Euros.
Während für die Chemieindustrie die Energiekosten von weit ausschlaggebenderer Bedeutung sind als die Lohnkosten, trachten die Wirtschaftsvertreter dennoch Letztere zum Stellrad der „Wettbewerbsfähigkeit“ zu erheben. Dabei spielen diese, daran vermag auch der Katzenjammer des Fachverbands der Chemischen Industrie nicht zu rütteln, für die Branche nur eine untergeordnete Rolle in ihrer Aufwandsstruktur. Dementsprechend liegt der Kern des jetzigen Brachialangriffs auf die Löhne und Gehälter in Wirklichkeit auch im Versuch der Stabilisierung ihrer Profite auf Kosten der Beschäftigten.
Freilich: Nach verschiedenen Preisschocks und daran anschließenden Konjunkturkrisen in den letzten Jahren hat aktuell der US-amerikanische Kriegsgang gegen den Iran neuerlich mit Wucht auf die Weltwirtschaft durchgeschlagen, die Energiemärkte zerrüttet und von Neuem globale Lieferketten für Öl, Gas und wichtige Vorprodukte zerrissen – mit dramatischen Folgen. Nicht zuletzt steigenderEnergiepreise und einer sich abzeichnenden Energiekrisesowie neuen Teuerungsrunde.
Diese Zerrüttungen und Verwerfungen haben allerdings nicht nur nicht das Geringste mit den Löhnen und Gehältern der Beschäftigten in der Chemieindustrie zu tun, sondern sind – einmal ganz abgesehen von der darin liegenden klassenpolitischen Chuzpe – über deren Einfrieren und Kürzungen auch nicht zu kompensieren, gar in den Griff zu bringen. Diesbezüglich sind Adressaten und Erfordernisse ganz anders gelegen. Zumal die Kollegen und Kolleginnen selbst immer stärker unter der damit zusammenhängenden Teuerungswelle ächzen.
Zugleich verwies die Arbeiterkammer gegen den Schwanengesang der Chemieindustrie auf Basis der jüngsten Konjunkturerhebung der Statistik Austria auf „einen kräftigen Aufwärtstrend“ der Branche. Zudem greifen ihr von Brüssel bis Wien begleitend auch die politischen Entscheidungsträger kräftig unter die Arme: Vom Chemie-Paket der EU-Kommission bis zum Industriestrompaket der Zuckerl-Koalition für energieintensive Industrien.
„Den Arbeitgebern“, so PRO-GE Chefverhandler Hubert Bunderla ganz unabhängig davon zu Recht, „sei ins Stammbuch geschrieben: Einer Nulllohnrunde werden wir nie zustimmen. Die Beschäftigten haben es sich verdient, respektvoll behandelt zu werden.“
Das und das angestrebte Lohn- und Gehaltsplus von 3,5%, die geforderte Erhöhung aller Zuschläge und Zulagen sowie Aufwandsentschädigungen über die durchschnittliche Inflationsrate, der geforderte bezahlte Gesundheitstag und die Erhöhung des Gesundheitshunderters wird sich indes nur in weiter konfliktbereiter Auseinandersetzung und forciertem Arbeitskampf ohne faule Kompromisse und Umfallen bewerkstelligen lassen. Oder kurz und bündig: Wer nicht hören will, ist zu bestreiken! Bis zur zum Erfolg geführten Auseinandersetzung!
Foto: Gewerkschaft GPA / Edgar Ketzer
Quelle: KOMintern

