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Tod „mindestens billigend in Kauf genommen“

Übernommen von Unsere Zeit:

In der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag hat ein brutaler Angriff die Stadt Göttingen erschüttert: Ein jugendlicher Neonazi soll einen 23-jährigen Antifaschisten mit einem Messer niedergestochen haben. Der Antifaschist wurde mit schweren Verletzungen im Oberkörper ins Krankenhaus gebracht und schwebt in Lebensgefahr.

Die Nachricht machte schnell die Runde. Noch am Sonntagabend versammelten sich über tausend Menschen zu einer spontanen Mahnwache in der Göttinger Innenstadt, um ihrer Wut Luft zu machen und ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

„Freunde, die vor Ort Erste Hilfe geleistet und auf den Rettungswagen gewartet haben, stehen noch unter Schock“, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Mitteilung aus dem Umfeld des Angegriffenen. Auf linker Seite sei niemand bewaffnet gewesen, und es habe kein Interesse an einer körperlichen Auseinandersetzung gegeben. Der Täter habe unvermittelt zugestochen und habe den Tod ihres Freundes „mindestens billigend in Kauf genommen“.

Die Polizei traf den 17-jährigen mutmaßlichen Täter an seiner Meldeadresse an und brachte ihn zu einer Dienststelle. Zwischenzeitlich sei der Beschuldigte wieder entlassen worden, meldete die Polizei. Oberstaatsanwalt Andreas Buick behauptete am Montag gar, eine „Notwehrsituation“ sei nicht auszuschließen. Die „Begründung“: Die Tat habe sich „in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses des Beschuldigten“ ereignet.

Der feige Angriff ist kein Einzelfall. Er fügt sich nahtlos ein in eine erschreckende Zunahme neonazistischer Umtriebe in Göttingen: Angriffe auf linke Jugendzentren, faschistische Schmierereien, Pöbeleien, und zuletzt immer häufiger tätliche Übergriffe. Mit der Messerattacke hat die Gewalt ein neues Ausmaß erreicht.

Umso entschlossener reagiert die Zivilgesellschaft. Am Montag riefen SDAJ und DKP Göttingen zu einer weiteren Kundgebung auf. Nicht zuletzt, weil der mutmaßliche Täter selbst noch Schüler ist und dieselbe Schule besucht wie einige Genossinnen und Genossen der SDAJ. Die Botschaft an diesem Tag war klar: Solche verirrten jungen Neonazis finden in ihrer Klasse keinen Rückhalt. Die Mitschülerinnen und Mitschüler stellen sich entschieden gegen jede Form faschistischer Umtriebe. Zugleich machten Rednerinnen und Redner deutlich, dass das kaputt gesparte Bildungssystem und das kalkuliert fehlende Interesse des bürgerlichen Staates an antifaschistischer Bildung fatale Folgen haben – ja, dass wir sogar eine bewusste Rehabilitation von Nazigrößen erleben, alles im Namen der Kriegsvorbereitung.

Die allgemeine Verunsicherung der Jugend, die Angst vor Krieg und Krisen sowie die Sorge um die eigene berufliche Zukunft machen junge Menschen überhaupt erst anfällig für faschistische Propaganda. Ein Zusammenhang, der in Göttingen schmerzlich sichtbar wurde.

An der montäglichen Kundgebung beteiligten sich neben Schülerinnen und Schülern mehrerer Schulen auch ein Vertreter der Gewerkschaften, ein Schulleiter sowie Vertreter verschiedener Jugendorganisationen wie der Jusos und des Internationalen Jugendvereins. Punkt 17 Uhr füllte sich der Rathausplatz. Rund 1.000 Antifaschistinnen und Antifaschisten zogen anschließend gemeinsam durch die Straßen. Das war ein eindrucksvolles Zeichen des Zusammenhalts.

SDAJ und DKP unterstrichen dabei, dass der Kampf gegen den Faschismus untrennbar mit dem Kampf für bessere Bildung, soziale Gerechtigkeit und eine echte Perspektive für die Jugend verbunden ist.

Quelle: Unsere Zeit

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