Start / Deutschland / Medien / UZ - Unsere Zeit / Zeit, um sich zu beraten

Zeit, um sich zu beraten

Übernommen von Unsere Zeit:

Zwölfmonatsabschluss oder Urabstimmung – vor dieser Wahl stehen seit Donnerstag die Docker an den deutschen Nordseehäfen. 3,4 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr – das ist das letzte Angebot der Unternehmer vom Mittwoch. Die Gewerkschaft ver.di hat nach einem 48-stündigen Warnstreik eine Offerte über 5,1 Prozent mehr Geld über 18 Monate verteilt abgelehnt. Mit diesem Angebot war der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in Hamburg auch in die vierte Verhandlungsrunde gegangen. Dort sei am Gesprächstisch „das Ende des Möglichen erreicht“, stellte die ver.di-Tarifkommission in einer der UZ vorliegenden Gewerkschaftsinfo fest.

Die Hafenarbeiter hatten mit zwei Warnstreiks in Bremen, Bremerhaven, Brake, Wilhelmshaven, Emden und Hamburg klargemacht, dass sie keinen Abschluss über mehr als zwölf Monate akzeptieren würden. „Die Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen waren eindeutig: Das Angebot reicht nicht aus“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch am Vortag der jüngsten Verhandlungen in einer Mitteilung. Daraufhin brach der ZDS seine 5,1-prozentige Offerte auf ein Jahr herunter. Tarifbotschafter sehen damit „die zentrale Forderung erfüllt“.

Dafür nahm der Kapitalverband jedoch eine gebotene Mindesterhöhung von 1,20 Euro pro Stunde wieder heraus. Das wiederum sei eine „bittere“ Pille. Gefordert hatte ver.di 8,2 Prozent mehr Geld mit einem Jahr Laufzeit, mindestens 2,50 Euro mehr pro Stunde.

Das Angebot des ZDS beinhaltet allerdings 200 Euro mehr Urlaubsgeld für alle 11.000 Beschäftigten in den deutschen Seehäfen. Außerdem sollen die Docker in den Containerterminals 416 Euro extra zu ihrer sogenannten A-Zulage erhalten und nähern sich 5.000 Euro jährlich an. Der niedrigste Lohn, in der Autoverladung, steigt um 3,4 Prozent auf 19,50 Euro.

Der ZDS betonte am Donnerstag in einer Mitteilung, dass er sowohl einen Abschluss über 12 als auch über 18 Monate angeboten hatte, und war verschnupft, dass die Gewerkschaft die Belegschaften per Tarifbotschafter jetzt nur über die Jahreslaufzeit befragt.

Bis Montagmorgen haben die Hafenarbeiter Zeit, zu beraten. Dann gibt ein festes Schema den weiteren Ablauf vor. Die Tarifkommission berät über den Mehrheitsbeschluss und will ihn umsetzen. Bei einem Votum für Annahme erringen die Docker einen tarifpolitisch seltenen Jahresabschluss. Reicht auch der ihnen von der Höhe her nicht aus, leitet die Gewerkschaft die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik ein – ein fast unerhört gewordenes Mittel in Tarifkämpfen in der BRD.

Quelle: Unsere Zeit

Markiert: