Übernommen von Unsere Zeit:

Am Freitag Morgen hat die Hisbollah Einwohner im Nordern Israels dazu aufgefordert, sich mindestens fünf Kilometer hinter die Grenze zum Libanon zurückzuziehen. Die Organisation kündigte weitere Vergeltungsmaßnahmen gegen Israel an als Antwort auf andauernde Angriffe auf den Libanon. Israel verstärkte zeitgleich seine Angriffe auf das Nachbarland.
Die Hisbollah war am 8. Oktober 2023 in den Krieg eingetreten. „Zur Unterstützung von Gaza“, wie sie erklärte, eröffnete sie eine zweite Front im Norden Israels. Ihr Ziel war, israelische Kräfte zu binden, damit die nicht in Gaza eingesetzt werden können. Ein Ende des Krieges oder einen Waffenstillstand sollte es nur geben, wenn das auch in Gaza galt.
Über Monate dauerten die Kämpfe an, eskalierten, blieben aber im Wesentlichen auf einen Streifen von fünf Kilometer nördlich und südlich der Grenze beschränkt.
Am 17. September 2024 griff Israel mit Sprengfallen in elektronischen Geräten erfolgreich die mittlere Führungsebene der Hisbollah an – und viele unbeteiligte Zivilisten. Zugleich gab es grenzenlose Angriffe Israels auf die soziale Basis der Hisbollah, die Schiiten im Süden des Libanon und in Beirut. Eine organisierte Antwort der Hisbollah blieb aus. Diejenigen, die aus Sicht der Hisbollah Chaos hätten verhindern sollen, lagen verletzt im Krankenhaus.
Wenige Tage später tötete das israelische Militär Hassan Nasrallah, den Generalsekretär der Organisation. Zwei Monate später stimmte sie einem Waffenstillstand zu.
Scheich Naim Kassim, der neue Generalsekretär, sprach von einer veränderten Rolle der Hisbollah im politischen Geschehen des Libanon. Der Staat solle die Verantwortung übernehmen und die Souveränität des Libanon sichern.
In den folgenden Monaten konnte von einer Sicherung der libanesischen Souveränität oder einem tatsächlichen Waffenstillstand keine Rede sein. Immer wieder bombardierte Israel Ortschaften oder Fahrzeuge im Süden des Libanon, auch in Beirut. Eine internationale Reaktion gab es nicht. Die Hisbollah hielt sich vollständig zurück. Ob Israel die Organisation besiegt hatte, war eine Frage, die lange nicht zu beantworten war.
Die Antwort gab es dann nach der Ermordung von Chamenei und dem Beginn des Krieges gegen den Iran. Quasi aus dem Stand nahm Hisbollah ihre Aktivitäten wieder auf. Am 4. März griff sie in mehr als 20 Aktionen Ziele im Norden Israels sowie israelische Panzer und Soldaten im Libanon an.
Generalsekretär Kassim erklärte, nach 15 Monaten und 500 Toten während eines angeblichen Waffenstillstands sei die Geduld der Organisation erschöpft. Auch wenn Kassem betont, die Angriffe seien eine Vergeltung für israelische Angriffe auf den Libanon, so ist doch der Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran unverkennbar. In Videos zeigt Hisbollah beiläufig prominent platzierte Bilder von Ali Chamenei.
Die schweren Kämpfe halten an. Nach einem Angriff der Hisbollah mussten am Freitag etliche israelische Soldaten in ein Krankenhaus in Naharija evakuiert werden.
Quelle: Unsere Zeit

