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Kräfte bündeln

Übernommen von Unsere Zeit:

Rund 50 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter kamen am 20. März im Frankfurter DGB-Haus zusammen, um die Initiative „Gewerkschafter:innen für Kuba“ zu gründen. Die Veranstaltung machte deutlich: Die internationale Solidarität steht vor neuen Herausforderungen – und soll zugleich konkret gestärkt werden.

Andreas Nolte (IG Metall) eröffnete die Versammlung mit einer schonungslosen Analyse. Die gewerkschaftliche internationale Solidaritätsarbeit sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, während sich die internationalen Produktionsketten und damit auch die Bedingungen für Zusammenarbeit grundlegend verändert hätten. Umso wichtiger sei es, die Beziehungen zu den kubanischen Gewerkschaften neu aufzubauen und mit Leben zu füllen. Erste Schritte seien bereits getan: Eine Delegation aus Deutschland habe im vergangenen Jahr Betriebe in Kuba besucht und konkrete Solidaritätsprojekte vorbereitet.

Im Zentrum der neuen Initiative steht ein klarer Schwerpunkt: die Kampagne „Mehr Solarenergie für Kuba“. Andreas Harnack (IG BAU) betonte, dass es nicht bei allgemeinen Appellen bleiben dürfe. Ziel sei die konkrete Unterstützung von Betrieben durch den Bau von Solaranlagen – ein Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Stärkung der wirtschaftlichen Souveränität Kubas.

Die Dramatik der Lage wurde in mehreren Beiträgen eindrücklich geschildert. Eine kubanische Gewerkschafterin übermittelte ein Grußwort, während eine in Deutschland lebende Kubanerin von massiven Stromausfällen, Preissteigerungen und Versorgungsengpässen berichtete. Teilweise falle der Strom bis zu 20 Stunden am Tag aus – mit gravierenden Folgen für die gesamte Infrastruktur.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die verschärfte US-Blockade. In Redebeiträgen wurde darauf verwiesen, dass selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages die Maßnahmen als völkerrechtswidrig einstuft. Insbesondere das jüngste Ölembargo verschärfe die Energiekrise noch einmal massiv, da Lieferungen nach Kuba gezielt behindert würden.

Der Ökonom Heinz Bierbaum (IG Metall) ordnete die Situation politisch ein: Es gehe nicht nur um humanitäre Hilfe, sondern auch um die Verteidigung eines gesellschaftlichen Modells, das trotz aller Schwierigkeiten in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und demokratischer Beteiligung weiterhin beispielhafte Ansätze biete.

Unterstützung kommt auch vom Netzwerk InterRed Cooperacion e. V., das bereits erfolgreich Solarprojekte in Kuba umgesetzt hat. Daran möchte die Initiative anknüpfen. Neben der praktischen Hilfe soll auch die politische Arbeit in den Gewerkschaften verstärkt werden – etwa durch Materialien für den kommenden DGB-Bundeskongress, Werbung weiterer Unterzeichnerinnen und Unterzeichner und den Start einer Website sowie durch Anträge, die in gewerkschaftlichen Gremien für weitere Diskussionen genutzt werden können. Darüber hinaus sollen die Gewerkschaftsdemonstrationen am 1. Mai genutzt werden, um Informationen zur Kuba-Solidarität und zur Initiative zu verbreiten.

Am Ende der Veranstaltung stand ein klarer Auftrag: Solidarität darf kein Schlagwort bleiben. Mit der Bündelung der Kräfte und einem konkreten Projekt (Solar für Kuba) wollen die beteiligten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ein Zeichen setzen – gegen die Blockadepolitik der USA und für eine internationale Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Quelle: Unsere Zeit

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