Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Angesichts der aktuellen Entwicklungen muß man tatsächlich manche Meldungen zweimal lesen, um zu verstehen, mit welcher Unvernunft diejenigen Politiker, die für die Weiterführung von Kriegen zuständig sind, das Publikum immer wieder zu verdummen versuchen.
Ausgerechnet wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara, an dem wie selbstverständlich auch der ukrainische Oberbefehlshaber Selenski teilnehmen soll, häufen sich wieder Meldungen über »die massivsten Angriffe auf Kiew«, gefolgt von sich stündlich erhöhenden Opferzahlen und illustriert mit Fotos und Filmchen, deren Urheberschaft nicht eindeutig ist. Das macht dann Sinn, wenn man weiß, daß die NATO-Staaten schon vor der eigentlichen Konferenz festgelegt haben, daß man den Krieg in der Ukraine mit weiteren 140 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre am Laufen halten will.
Eine solche Entscheidung hat natürlich Konsequenzen. Vor allem zeigt sie, daß im Gegensatz zu all den Beteuerungen, man wolle den Krieg beenden, nun zumindest für weitere zwei Jahre weiter geschossen und bombardiert werden soll. Und außerdem ist damit klar, daß die Menschen in den NATO-Ländern ihre Gürtel noch enger schnallen sollen, sich keine großen Hoffnungen auf eine Verbesserung der sozialen Lage, des Gesundheits- und Bildungswesens oder auch nur auf ein Nachlassen der wachsenden Armut machen sollen – denn jeder Euro wird schließlich für den Krieg gebraucht.
Dafür ist diesen Kriegspolitikern keine Lüge zu groß und keine Behauptung zu dumm. An die »Bedrohung durch Rußland« hat man uns nun schon gewöhnt, ohne daß auch nur ansatzweise erklärt werden kann, wie eine Armee, die seit über vier Jahren in der Ukraine vorwiegend einen Stellungskrieg führt, in absehbarer Zeit entweder die baltischen Länder oder Polen oder gar Luxemburg angreifen könnte.
Dennoch öffnet das »Luxemburger Wort« ganze Seiten für »Begründungen« durch die Armeeministerin für weitere Aufrüstung und Vorbereitung auf eine »Verteidigung des Landes«. Als einzige »rote Linie« sieht sie (noch) eine atomare Bewaffnung, ansonsten zeigt sie sich offen für alle möglichen Optionen, vor allen dafür, nun endlich auch tödliche Waffen und Munition in Luxemburg herstellen zu dürfen. Ebenfalls im »Wort« wird auf den Wirtschaftsseiten erklärt, wie förderlich die Teilnehme Luxemburger Unternehmen an der Rüstungsproduktion sein kann, und Ceratizit aus Mamer und LIST in Esch werden gleich als eine Art Vorreiter genannt. Die konkreten Pläne sind natürlich »Top Secret«…
Den Vogel der Woche hat ganz sicher der deutsche Außenminister abgeschossen. Herr Wadephul erklärte vor einigen Tagen, seine Bundesregierung habe Berichte(!), wonach in China russische Soldaten ausgebildet würden, »mit großer Besorgnis« gelesen. Das Auswärtige Amt hat aus diesem Grund sogar den Botschafter Chinas einbestellt, um ihn zurechtzuweisen. Die Begründung lieferte der Außenminister persönlich, und das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: »Dieser Krieg muss zu einem Ende gebracht werden und es darf wirklich keine einzige Maßnahme auch von außen geben, um diesen Krieg fortzuführen«, sagte er.
Die 140 Milliarden, die der Ukraine zufließen sollen, sind gedacht für neue Waffen, für Rüstungsproduktion, für das Anheuern von Söldnern aus aller Welt, für die Förderung des Korruptionssumpfes und auch für militärische Ausbildung… Das ist kein Geheimnis, und das sind offenbar auch keine »Maßnahmen von außen« – unklar ist lediglich, in welchem Umfang jeder von uns dazu beitragen soll.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

