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Gaza schon vergessen?

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Am Wochenende wurden wieder einmal Tränen vergossen wegen der Opfer der beiden schweren Erdbeben in Venezuela. Im deutschen Staatsfernsehen heuchelte man Mitleid mit den 23.000 Menschen, die seit einem Monat in Notunterkünften leben müssen, und man schiebt die Schuld auf die Regierung, die angeblich nichts zur Prävention gegen Erdbeben unternommen hat und nun zu wenig unternehme, um den Menschen zu helfen. Hier wird Schindluder getrieben mit dem Leid der Menschen, und zudem wird kein Wort darüber verloren, daß die schlechte Wirtschaftslage in Venezuela zu einem großen Teil den zahlreichen Sanktionen zu verdanken ist, die von den USA und der EU verhängt wurden, weil ihnen das dortige politische Regime nicht paßt.

Während das südamerikanische Land von einer Naturkatastrophe heimgesucht wurde, die nach bisherigen Kenntnissen nicht vorhersehbar ist, leiden in diesen Tagen die Menschen in großen Teilen Frankreichs und Spaniens unter verheerenden Feuern, deren Ursache keineswegs eine Naturkatastrophe ist und zudem vorhersehbar, denn sie treten Jahr für Jahr auf, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Allein in der Region um Bordeaux müssen 220.000 Menschen in Notunterkünften ausharren – zehnmal mehr als in Venezuela.

In den Berichten vermeidet man tunlichst, darauf hinzuweisen, daß die Regierungen der betroffenen Länder, ebenso wie die EU, so gut wie nichts unternehmen, um wenigstens einen Teil der Katastrophe zu verhindern – und dafür umso mehr, um an anderer Stelle unseres Kontinents den Krieg mit immer mehr Waffen und Geld anzuheizen – Geld, das im eigenen Land fehlt für eine angemessene Prävention gegen Waldbrände und für eine Verbesserung der Ausstattung der Feuerwehren und der Rettungskräfte.

Regelrecht pervers ist es, wenn die Lage der Menschen in Gaza immer mehr aus den Nachrichten verschwindet. Sie sind weder Opfer einer unvorhersehbaren Naturkatastrophe noch eines Waldbrandes, der weitgehend verhinderbar gewesen wäre. Seit dem Angriff Israels am 7. Oktober 2023 bis zum vergangenen Wochenende wurden offiziell 73.305 Tote und 173.918 Verletzte gezählt. Unter den Toten sind 595 Rettungskräfte und humanitäre Helfer. 81 Prozent aller Gebäude und 92 Prozent aller Werkstätten, Büros und Fabriken sind zerstört, 88 Prozent der Wasserversorgung und 90 Prozent der Energieversorgung außer Betrieb, 74 Prozent aller Straßen nicht befahrbar, 83 Prozent des gesamten Gazastreifens von Israels Krieg verwüstet.

Nicht 23.000 wie in Venezuela oder 220.000 wie in Südfrankreich, sondern 1,4 Millionen Menschen sind seit Monaten, manche von ihnen seit Jahren auf menschenunwürdige Notunterkünfte angewiesen.

Die Menschen in Gaza sind Opfer Israels, dessen Regierung ein Angriff radikaler Palästinenser in jenem Oktober gerade recht kam als »Begründung« für einen präzedenzlosen Angriffskrieg. Vor allem die Führung der USA steht fest an der Seite des Aggressors und beliefert ihn mit Waffen und Geld und politischer Unterstützung. Aber auch die EU und die meisten ihrer Mitgliedstaaten machen sich weiter mitschuldig durch ihre Weigerung, jegliche Kumpanei mit Israel zu beenden und nicht nur in Worten, sondern in Taten dem Volk von Palästina zur Seite zu stehen. Es ist eben leichter, Krokodilstränen zu vergießen für die Opfer von Erdbeben und Waldbränden als endlich Vernunft anzunehmen und den Weg des Friedens und der Abrüstung einzuschlagen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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