Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Gegenwärtig sind längerfristige Wirtschaftsprognosen aufgrund kurzfristig immer wieder stark schwankender Erdölpreise besonders kompliziert, da der Aggressionskrieg Israels und der USA gegen den Iran, auch wenn zwischendurch immer wieder Verhandlungen zwischen den USA und Iran gemeldet werden, keineswegs beendet ist.
Die Entscheidung des nationalen Instituts für Statistik und Wirtschaftsstudien Statec, seine zentrale Prognose für die Inflation von 2,5 auf 1,8 Prozent für 2026 zu senken, stützt sich auf das Szenario des britischen Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics, das für 2026 einen durchschnittlichen Preis des Rohöls der Sorte Brent von etwa 83 US-Dollar pro Barrel vorsieht, gegenüber fast 90 US-Dollar in den Annahmen von Mai 2026.
Diese Prognose setzt voraus, dass der Preisrückgang sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 und im Jahr 2027 fortsetzen wird, geht aber auch davon aus, dass der Brent-Preis dauerhaft über seinem Niveau von vor dem Aggressionskrieg gegen den Iran bleiben wird.
Das dürfte nicht allein den britischen Konzern BP erfreuen, der wie alle westlichen Erdölkonzerne am Krieg mitverdient und allein zwischen Ende April und Juni dieses Jahres einen Nettogewinn von 5,7 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen hatte.
Maßnahmen im Energiebereich zeitlich begrenzt
Die Senkung seiner zentralen Prognose auf 1,8 Prozent für 2026 begründet das Statec zusätzlich damit, dass die Chamber im Juli Gesetze zum sogenannten »Resilienzpak« verabschiedete, welcher im Juni dieses Jahres von der Regierung, dem Patronat und den Gewerkschaften in der Tripartite gutgeheißen wurde. Teil davon sind Maßnahmen im Energiebereich, die in zwei Stufen in Kraft traten.
Ab dem 1. Juli wurde der Preis für Diesel und Benzin um 5 Cent pro Liter gesenkt, ab dem 1. August folgten Senkungen von 15 Cent pro Liter bei Heizöl, 4 Cent pro kWh bei Strom und 15 Cent pro Kubikmeter bei Erdgas.
Das hat einen Rückgang der Gesamtinflation um 0,3 Prozentpunkten zur Folge, welcher allerdings zeitlich begrenzt bleibt, da die Maßnahmen auf den 31. Dezember 2026 befristet sind.
Fazit: Die Inflation wird sich ab Januar, sollten keine Nachfolgemaßnahmen erfolgen, automatisch um 0,3 Prozentpunkte erhöhen und auf 2,1 Prozent ansteigen, so dass die Kaufkraft der Haushalte weiter sinken und die Ausgaben der Betriebe für Energie anstiegen werden.
Doch selbst wenn der Aggressionskrieg Israels und der USA gegen den Iran definitiv eingestellt würde, der Warentransport durch die Straße von Hormus sich weitestgehend ungestört entwickeln, und die USA-Administration keinen weiteren Krieg anzetteln würde, darf davon ausgegangen werden, dass die hohen Preise bei manchen Waren fortbestehen werden, beziehungsweise noch deutlich teurer werden könnten.
Das gilt für Stickstoffdünger, bei deren Herstellung Erdgas eine entscheidende Rolle spielt. Das trifft aber auch – verstärkt durch die bisherigen Hitzewellen – für landwirtschaftliche Rohstoffe zu, so dass spätestens im Winter dieses Jahres starke Preiserhöhungen bei zahlreichen Lebensmitteln nicht auszuschließen sind.
Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Füllquote der Gasspeicher in den EU-Ländern liegt so tief wie seit 15 Jahren nicht mehr, und es ist nicht auszuschließen, dass die hohen Börsenpreise an den Energiemärkten für LNG-Flüssiggas weiter ansteigen werden, so dass sich das im Winter sehr negativ auf das Portemonnaie der Haushalte und die Betriebsbilanzen auswirken könnte.
Sie werden in jeder Hinsicht die Zeche für die Entscheidung ihrer politischen Eliten bezahlen müssen, kein billigeres russisches Leitungsgas mehr zu kaufen und weiter auf Konfrontation mit Russland zu gehen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

