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»Weiterer Leistungseinbruch wäre nicht verwunderlich«

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Vera Dockendorf, die beim Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) im OGBL federführend für den Sekundarschulunterricht zuständig ist, wurde deutlich: Wenn es nicht bald ein grundsätzliches Umdenken insbesondere im Sprachunterricht gebe, sei ein weiterer Leistungseinbruch »nicht verwunderlich«, hieß es am Mittwoch auf der traditionellen Pressekonferenz zur Schulrentrée. Am Vortag hatte die neueste PISA-Studie zum Zustand der Bildung Luxemburg nach 2018 ein weiteres Armutszeugnis ausgestellt und einen Niveauverfall vor allem bei der Lesekompetenz und den mathematischen Fähigkeiten der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler bescheinigt.

Hauptverantwortlich für die ja nicht nur von der OECD konstatierte Schulmisere, die insbesondere Kinder aus migrantischen und generell ärmeren Teilen der Einwohnerschaft zurückläßt, und die ihre Gründe nicht zuletzt in einem Mangel an Lehrkräften und dem eher zu- als abnehmenden administrativen Aufwand hat, sei der seit 13 Jahren amtierende neoliberale Ressortchef Claude Meisch, der seine unablässigen »Reformen« bekanntlich lieber mit der Brechstange durchsetzt, statt die Lehrerschaft und ihre Gewerkschaften von Anfang an einzubeziehen. Als Konsequenz aus den miserablen PISA-Noten fordert das SEW für den Sekundarschulunterricht, die 2018er »Reform« hinsichtlich des Cycle Inférieur zu überarbeiten.

Auch müsse die Nutzung oder das Verbot von Mobiltelefonen in der Schule unbedingt einheitlich geregelt werden, unterstrich gestern Vera Dockendorf. Auch der »konzeptlose« Einsatz von Tablets schon in den unteren Klassen habe die Lesekompetenz der hiesigen Schülerinnen und Schüler nicht gefördert, sondern im Gegenteil weiter verringert, so die Gewerkschafterin mit Blick auf Studien, die zeigen, daß Lesen am Bildschirm insbesondere bei Kindern und Jugendlichen dazu führt, daß nur noch oberflächlich gelesen wird, so daß viele Inhalte eher im Kurzzeitgedächtnis landen und schnell wieder verschwinden.

Die zusätzliche Wochenstunde Sport, für die eine Stunde Sprachunterricht geopfert werden soll, sollte nach Meinung des SEW besser für »außerschulische Aktivitäten« für alle Schülerinnen und Schüler genutzt werden – von Sport über Schachspielen bis Kochkursen. Viele Kinder, so Vera Dockendorf, hätten nämlich mittlerweile gar kein Hobby mehr neben dem ständigen Bildschirmglotzen. »Ein Hobby ohne Handy« verbessere nicht nur das Wohlbefinden der Kinder, sondern auch die sozialen Kontakte zwischen ihnen.

Zuvor hatte die beim SEW für die Grundschule zuständige Joëlle Damé kritisiert, daß die »Reform ALPHA« schon mit dem Beginn des neuen Schuljahres generalisiert wird, obwohl eine Studie des Luxembourg Centre for Educational Testing (LUCET) eher vermuten lasse, daß eine parallel erfolgende Alphabetisierung auf Französisch nicht zu mehr, sondern zu noch weniger Bildungsgerechtigkeit an den öffentlichen Schulen führe. Hinzu komme der Mangel an Ressourcen, um zusätzliche Klassen- und Sprachgruppen zu unterrichten.

Deshalb, so Joëlle Damé, führe nichts an einer offen geführten gesamtgesellschaftlichen Diskussion vorbei, in der geklärt werden müsse, welches Gewicht Deutsch und Französisch im luxemburgischen Schulsystem erhalten sollen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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