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In Kolumbien und weltweit: Tausende gegen den Staatsterror | Drucken |  E-Mail
Kolumbien
Freitag, den 07. März 2008 um 12:08 Uhr
Tausende von Menschen haben gestern in Kolumbien und weltweit gegen den Paramilitarismus und den Staatsterror in dem südamerikanischen Land demonstriert. Allein in Kolumbien waren es Zehntausende, die Gerechtigkeit für die Millionen von Vertriebenen und Tausenden von Ermordeten forderten, die der seit Jahrzehnten andauernde Bürgerkrieg gefordert hat und dessen politische Lösung die Regierung in Bogotá nach wie vor verweigert. Während die Demonstrationen am 4. Februar, die sich in erster Linie gegen die Guerrilla gerichtet hatten, aktiv von der Regierung unterstützt worden waren, konnten die Demonstranten am gestrigen 6. März nicht mit derartiger Hilfe rechnen. Davon zeugt auch die Berichterstattung in den wichtigsten Tageszeitungen des Landes, die nur einen Bruchteil des Raumes einnimmt, der vor vier Wochen den Aktionen gewidmet worden war.

Männer und Frauen, Alte und Kinder zogen gestern stundenlang durch Bogotá und viele andere Städte des Landes, um ihre Unterstützung für die Opfer des Staatsterrors zu bekunden. Im Zentrum der kolumbianischen Hauptstadt wurden wenigstens an diesem Tag die Gesichter der Verschwundenen sichtbar, die von vielen DemonstrantInnen auf Fotos mitgeführt wurden. Frauen, die ihre Männer durch die staatlichen und paramilitärischen Morde verloren haben, forderten Gerechtigkeit.

"Wir haben nicht mehr die Gelegenheit, unsere Angehörigen wieder bei uns zu haben, aber wir fordern die Wahrheit", sagte Rene Guarín und zeigte das Foto seiner Schwester Cristina del Pilar Guarín, die 1985 nach der Rückeroberung des besetzten Justizpalastes von Bogotá von der Armee gefoltert und ermordet worden war. "Wir glauben nicht an die Anhörungen, bei denen die Paramilitärs erzählen, wie sie unsere Familien ermordet haben, ohne auch nur ein Anzeichen von Scham oder Mitgefühl zu zeigen", kommentierte Enrique Ramírez, der seinen Sohn bei einem Massaker in Gabarra, im Norden der Provinz Santander, verlor. "Ich weiß nicht, ob wir mit dieser Demonstration irgend etwas erreichen. Aber wenn auch nur ein Mensch das Foto meines Freundes sieht und erkennt, dass das an ihm verübte Verbrechen genauso abscheulich ist wie jedes andere, dann kann ich beruhigt nach Hause gehen", erklärte Juan Carlos Díaz, der das Foto von Jenner Moncaleno trug.

Auch viele Städte in aller Welt waren Schauplatz von Kundgebungen, Demonstrationen und kleineren Aktionen gegen den Staatsterror in Kolumbien. Viele dieser Aktionen, die u.a. in den USA, Deutschland, Spanien, Australien, Schweden, Venezuela, Ecuador, Österreich, Frankreich, Italien und vielen weiteren Ländern stattfinden, waren von Kolumbianerinnen und Kolumbianern vorbereitet worden, die ihr Heimatland wegen der Verfolgungen verlassen mußten.

In Venezuela fanden Demonstrationen in Caracas und zahlreichen weiteren Bundesstaaten statt. Eine beeindruckende gemeinsame Aktion hatten die Menschen im venezolanischen San Antonio und im kolumbianischen Cúcuta organisiert, deren Demonstrationszüge gegen den Paramilitarismus in Kolumbien an der Brücke über den Grenzfluß Rio Táchira zusammentrafen.

In der Schweiz waren Genf und Bern Schauplätze von Aktionen gegen den Staatsterror in Kolumbien. Trotz eisiger Winde versammelten sich zahlreiche Menschen zu Kundgebungen, unter ihnen auch viele Menschen aus Ecuador, die gegen die Verletzung der Souveränität ihres Landes durch die kolumbianische Armee protestierten. In Genf verlas die Überlebende des Massenmordes an den Aktivisten der Unión Patriótica, Aída Avella, die Namen der Opfer des Staatsterrors, auf jeden reagierten die Demonstranten mit einem lautstarken "¡Presente!" (Anwesend). "Für unsere Toten keine Schweigeminute, sondern ein Leben des Kampfes", war eine weitere der Losungen, die bei der Kundgebung zu hören waren.

In New York versammelten sich etwa 200 Menschen vor der kolumbianischen UNO-Vertretung. Weitere Veranstaltungen fanden in den USA in Chicago, Boston, Miami, San Francisco, Madison und Minneapolis statt.

Auch in mehreren deutschen Städten gab es Kundgebungen, so in Frankfurt und Berlin (RedGlobe-Bericht über die Kundgebung in Berlin: Hier klicken).

Quellen: Indymedia Colombia, Aporrea.org, RNV, ANNCOL, El Espectador / RedGlobe

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