Dienstag, 26. Mai 2015

Vier Bauern blockieren mit einer Betonpyramide die Gleise. Foto: Simon Mario Avenia / PubliXviewinGSeit 13.30 Uhr haben derzeit mehr als 1.000 Atomkraftgegner mit der Initiative X-tausendmal quer den Ortseingang von Gorleben (aus Richtung Laase) besetzt, den der Castor-Transport ins Zwischenlager passieren muss. Weitere Sitzblockierer sind noch unterwegs. »Wir sind entschlossen, nicht freiwillig zu weichen. Wir haben uns auf diese gewaltfreie Blockade gründlich vorbereitet. Wir wissen, dass es nicht erlaubt ist, wie ein falsch parkendes Auto die Straße zu blockieren - doch der Transport des Strahlenmülls ist ein massives Unrecht, das wir stoppen müssen«, sagte dazu Luise Neumann-Cosel, Pressesprecherin von X-tausendmal quer. »Wir wehren uns gegen die menschenverachtende Nutzung der Atomkraft. Fukushima hat die tödlichen Gefahren gezeigt. Zudem ist kein Gramm Atommüll ist sicher entsorgt. Die Strahlung im Zwischenlager Gorleben überschreitet schon jetzt gesetzliche Grenzwerte. Gorleben gehört als Atommüllstandort auf keine Landkarte, egal, welche Farbe diese hat.«



Wer mit X-tausendmal quer blockiert, hat sich auf einen Aktionskonsens verpflichtet. Dazu gehört, auf jede Gewalt zu verzichten, keine Menschen zu verletzen und die einzelnen PolizistInnen als Menschen achten, auch wenn ihr Handeln kritisierbar ist. »Wer sich diesem Aktionskonsens anschließt, ist herzlich zu unserer Sitzblockade eingeladen. Wir sind gekommen, um zu bleiben, und wir können jede Unterstützung gebrauchen. Bringt Eure Schlafsäcke mit!«, sagte Luise Neumann-Cosel.

Schon seit Donnerstag konnten Interessierte im Camp von X-tausendmal quer in Gedelitz Bezugsgruppen gründen und an Aktionstrainings teilnehmen. Die Aktionstrainings wird es auch an der Straße in Gorleben. Die Blockierer üben, wie eine Räumung vonstatten geht. Thema sind auch Gefühle wie Angst und Wut. Deeskalation wird gezielt trainiert.

Die Initiative X-tausendmal quer blockierte 1997 zum ersten Mal einen Castortransport. Damals saßen 9.000 Menschen auf der Straße in Dannenberg gleich am Anfang der Straßenstrecke. Vergangenes Jahr wurde die Straße vorm Zwischenlager 46 Stunden blockiert.

Gestern bei Lemgrabe: Polizeipferde trampeln Demonstranten niederUnterdessen kritisiert die Kampage »Castor? Schottern!« das Menschen gefährdende Vorgehen der Polizei. Im Rahmen der gestrigen Schotter-Aktionen seien mehrfach Polizeipferde gegen AktivistInnen eingesetzt worden. Der Kampagne liegen Filmaufnahmen vor, auf denen zu sehen ist, wie ein Polizist mit seinem Pferd in die Menge reitet und die Hufe seines Pferdes eine am Boden liegende Person an Kopf und Körper treffen. Die mit Hufeisen beschlagenen Pferdehufe können bei Kopfkontakt tödliche Verletzungen herbeiführen. Der Person geht es glücklicherweise den Umständen entsprechend gut, der Gesundheitszustand ist stabil.

Peter Bachstein, Pressesprecher von Castor Schottern: »Der hilflose Appell des  niedersächsischen Ministerpräsidenten an seine Polizisten zur Mäßigung verhallt ungehört. Die Polizei nimmt Tote in Kauf, um den Atommüllzug ins Wendland zu schaffen. Wir fordern die Polizei dringend auf, den Castortransport sofort abzubrechen, da dieser Transport mit verhältnismäßigen Mitteln offenkundig nicht durchsetzbar ist.«

Die AktivistInnen von Castor Schottern haben auf verschiednen Treffen entschieden, auch am heutigen Tag weiter aktiv zu sein. Bislang liegen uns mehrere Berichte von erfolgreichen Schotteraktionen vor, darunter die komplette einseitige Unterhöhlung der Bahnstrecke in der Länge von 20 Metern südlich von Eimstorf gegen 11 Uhr heute Vormittag.

Nach wie vor blockieren Tausende Menschen an zahlreichen Stellen im Wendland Strassen und Schienen. Bei einer auf den Gleisen errichteten Betonpyramide in Hitzacker sitzen Castorticker.de zufolge mittlerweile 400 Menschen auf der Transportstrecke. Der Castor hat Lüneburg mittlerweile verlassen und weniger Meter vor einer Blockade zwischen Vastorf und dem Elbe-Seiten-Kanal gestoppt.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg feiert inzwischen einen wichtigen Erfolg: Inzwischen wurde der Vorjahresrekord eingestellt - »Der Castor-Transport 2011 hat die Laufzeit des Vorjahres übertroffen, seit 92 Stunden sind die elf Behälter mit hochradioaktiven verglasten Abfällen aus La Hague auf der Schiene unterwegs. Auf der Schiene sind in einer Betonpyramide aber auch vier Bauern in Hitzacker an der “Freien Schule”. Der Techniktrupp der Polizei quittierte diese Aktion mit den Worten “Das kann ja heiter werden”, von den Bauern hieß hingegen, “diese Pyramide war noch über und musste endlich auch mal weg”.«

Drunter und drüber wird es auch in den nächsten Stunden im Protest gegen das Festhalten Gorlebens als Endlagerstandort weitergehen. Immer wieder gehen Menschen auf die Schiene, 200 Radler nahmen an einer Fahrraddemo vom Verladekran Dannenberg nach Gorleben teil. »Damit setzen wir ein politisches Ausrufezeichen, der Verzicht auf Gorleben steht im Fokus des Protests«, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Das Atommülldilemma sei offensichtlich. Niemand lasse sich mehr für dumm verkaufen. »Es sind sachliche Gründe, die gegen Gorleben als Endlager sprechen, deshalb ist ein Neustart der Endlagersuche mit Gorleben absurd.«

 

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