Georg-Elser-Preis: München ehrt Ernst Grube

Ernst Grube, Zeitzeuge und Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, langjähriges Landesvorstandsmitglied und Landessprecher der VVN-BdA Bayern wurde von der Landeshauptstadt München für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er erhielt den mit 5.000 € dotierten Georg-Elser-Preis, eine Auszeichnung für Zivilcourage und zivilen Ungehorsam, der alle zwei Jahre vergeben wird. Letzte Preisträgerin war 2015 Angelika Lex gewesen.

Benannt ist der Preis nach dem Münchner Georg Elser, der am 8. November 1939, kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vergeblich versucht hatte, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller durch ein Bombenattentat zu töten.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

„Der Preisträger Ernst Grube hat es sich Zeit seines Lebens zur Aufgabe gemacht, über die Verbrechen der NS-Diktatur aufzuklären und Konsequenzen diktatorischer Systeme aufzuzeigen.
Als Kind einer jüdischen Mutter erlebte er Diskriminierung, Entrechtung, Deportation und Internierung im Konzentrationslager. Als Fünfjähriger sah er, wie die Münchner Synagoge abgerissen wurde. Seine verzweifelten Eltern brachten ihre drei Kinder kurz vor dem Novemberpogrom 1938 ins jüdische Kinderheim in der Antonienstraße. Gemeinsam mit seiner Mutter und den beiden Geschwistern Ruth und Werner wurde Ernst Grube im Februar 1945 im Alter von zwölf Jahren nach Theresienstadt deportiert.
Er überlebte und kehrte nach München zurück. Hier musste er erleben, wie alte Nationalsozialisten auch in der neuen Demokratie mitregierten und verhinderten, dass nachhaltige Lehren aus dem Faschismus gezogen wurden. Ernst Grube hat sich immer in politische Auseinandersetzungen seiner Zeit eingemischt. Er engagierte sich in der FDJ, der Gewerkschaft und der KPD. Er protestierte gegen die Wiederbewaffnung wie auch die Ladenschlussgesetze und wurde 1953 zu sieben Monaten Haft wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilt. Wegen Unterstützung der verbotenen KPD erhielt er eine einjährige Gefängnisstrafe. Er engagierte sich gegen Berufsverbote, von denen er als Berufsschullehrer selbst betroffen war.
Ernst Grube hat sich aufgrund seiner persönlichen Verfolgungserfahrung Zeit seines Lebens gegen Ausgrenzung und Unterdrückung engagiert. Er hat über Jahrzehnte hinweg jungen Menschen über die Schrecken des Nationalsozialismus aus eigener Anschauung berichtet – und aber auch immer wieder darauf hingewiesen, wenn heute Menschen unter Ausgrenzung und Ausbeutung leiden. Ernst Grube bezieht öffentlich Stellung besonders gegen Neonazis und Geschichtsrevisionisten. Er ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und engagiert sich in der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten ebenso wie im politischen Beirat des NS-Dokumentationszentrums München. Darüber hinaus streitet er für die in München so heftig umstrittenen Stolpersteine.
Immer wieder hat er auf das Schicksal von Flüchtlingen hingewiesen – zuletzt hat er eindringlich einen Abschiebestopp für Afghanistan gefordert. Ernst Grube war und ist immer auch unbequem. Aber es sind nicht die Bequemen, die die Demokratie verteidigen. Für sein lebenslanges Engagement erhält Ernst Grube den Georg-Elser-Preis der Landeshauptstadt München 2017.“
Bei der Preisverleihung am 7. November 2017 im NS-Dokumentationszentrum sprachen 2. Bürgermeisterin Christine Strobl und Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers. Die Laudatio hielt der Historiker Dr. Jürgen Jarusky, Herausgeber der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte und langjähriger Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte.
Musikalisch umrahmt wurde die Ehrung von Michaela Dietl am Akkordeon, die u. a. das von Bert Brecht gedichtete Lied von der Moldau vortrug.
Die skandalöse Nennung von Ernst Grube und der VVN-BdA im sog. „Verfassungsschutzbericht“ wurde von mehreren Rednern problematisiert. Bürgermeisterin Strobl führte aus: „ Ernst Grube ist Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, nach wie vor im Fadenkreuz des bayerischen Vertfassungsschutzes, diese Vereinigung, die den Verband immer noch als linksextremistisch und demokratiefeindlich einstuft, ich denke, etwas, was sich vielleicht dann doch mal ändern sollte.“ Dr. Jarusky: „…noch 2010 tauchte sein Name versehen mit dem Prädikat „Linksextremist“ im bayerischen Verfassungsschutzbericht und auf einer staatlich betriebenen Homepage auf. Erst ein öffentlicher Aufschrei der Empörung schuf Abhilfe. Ist Ernst Grube ein Extremist? Ich glaube ja, denn er ist extrem empfindlich gegen Nazis, bei Diskriminierung jeder Art und bei Angriffen auf Flüchtlingen.“
Ernst Grube sagte sich in seinem Dank für den verliehenen Preis, er wolle weiterhin unbequem sein. So bekannte er sich zum Projekt der Stolpersteine und wandte sich gegen das vom Münchner Stadtrat beschlossene Verbot der Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund.
Grube, Mitglied der Jüdisch-palästinensischen Dialoggruppe, kritisierte, dass die LHM städtische Räume für eine Preisverleihung an die Deutsch-Israelin Judith Bernstein verweigere. Er rief den Stadtrat auf, „alles zu tun, um den Dialog für eine gerechte und friedliche Lösung des Nahostkonflikts auch in München zu führen.“

Quelle:

VVN-BdA Landesvereinigung Bayern

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