Im Luftfahrtbereich erleben wir gegenwärtig ein Lehrstück, das für die Beschäftigten der Frachtfluggesellschaft Cargolux, aber darüber hinaus auch für die Lohnabhängigen anderer Wirtschaftsbereiche sehr aufschlussreich sein kann.

Im Jahr 2014 hatte die Cargolux-Direktion den Kollektivvertrag einseitig aufgekündigt und von den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften verlangt, sie sollten aufgrund der schlechten finanziellen und wirtschaftlichen Lage des Unternehmens »freiwillig« den Gürtel enger schnallen und teilweise auf bisherige kollektivvertragliche Errungenschaften verzichten.

Entstanden war die schwierige Situation durch Folgen der Liberalisierungspolitik im Flugbereich und ein kompliziertes wirtschaftliches Umfeld, aber auch durch Missmanagement und die (zu) schnelle Erneuerung eines Teils der Flotte und der damit verbundenen Finanzlast.

Die Direktion hatte damals starken Druck ausgeübt und sogar damit gedroht, massive soziale Einschnitte vorzunehmen und die Urlaubsregelung, die Nacht- und Feiertagszuschläge und die Bezahlung von Überstunden auf das gesetzliche Minimum zurückzufahren, sollten die Beschäftigten und die Gewerkschaften nicht bereit sein, auf Lohnerhöhungen und auf eine Reihe von kollektivvertraglichen Verbesserungen aus der Vergangenheit zu verzichten.

Allen voran der LCGB, dessen Mitglieder sich noch wenige Monate zuvor zu 94 Prozent für Kampfmaßnahmen ausgesprochen hatten, sollte es zu Sozialabbau kommen, knickte schnell ein, und schließlich zeigte sich auch der OGBL aufgrund der »schwierigen wirtschaftliche Lage« zu Zugeständnissen bereit, welche zu teilweise drastischen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen führten.

Vier Jahr später zeigt sich nun, dass diese Kompromissbereitschaft der Beschäftigten und der Gewerkschaften schlecht belohnt werden, was allerdings im real existierenden Kapitalismus eher die Regel als die Ausnahme ist.

Inzwischen ist die Frachtfluggesellschaft nicht nur aus den Turbulenzen heraus, sondern hatte innerhalb von nur zwei Geschäftsjahren mit 333,5 Millionen US-Dollar sogar einen fetten Gewinn zu verzeichnen.

Angesichts dieser überaus positiven Entwicklung war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Gewerkschaften die Erneuerung des Kollektivvertrags nutzen wollten, um über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau zu erreichen.
Allerdings weigerte sich Cargolux während der Kollektivvertragsverhandlungen, und auch noch gelegentlich der anschließenden Schlichtungsprozedur, die Kernforderungen der Beschäftigten auch nur ansatzweise zu erfüllen, weil die Einsparungen während der Krisenjahre, wenn sie in guten Zeiten beibehalten werden, mit Extraprofiten für die Manager und die staatlichen Kapitaleigner gleichzusetzen sind.

Mit dieser Haltung lassen diese den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften aber gar keine andere Wahl, als sich mit allen verfügbaren gewerkschaftlichen Mitteln konsequent zur Wehr zu setzen, um die drastischen Verschlechterungen abzuschaffen und bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne durchzusetzen.

Das ist leichter gesagt als getan, aber den Lohnabhängigen und ihren Gewerkschaften bleibt eigentlich keine andere Alternative, wenn sie – anders als 2015 – nicht die Verlierer sein wollen.

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek