ver.di ruft die ca. 2.000 Beschäftigten der AWO Tarifgemeinschaft in Berlin am Donnerstag, den 12.03.2020, zu einem eintägigen Warnstreik auf. Damit soll an die Arbeitgeber ein deutliches Signal für die 3. Tarifverhandlungsrunde am Freitag, den 13. März gesetzt werden.

Seit Januar 2020 befindet sich ver.di mit der AWO Tarifgemeinschaft Berlin in Tarifverhandlungen. Schon im letzten Sommer 2019 war mit der Arbeitgeberseite vereinbart worden, dass es ab 2020 vordringlich darum gehen soll, die Tariflücke zum Tarifvertrag der Länder, dem für das Sozialwesen in Berlin maßgeblichen Tarifvertrag, so rasch wie möglich zu schließen. Im Februar 2020 legte die Arbeitgeberseite ihr erstes Angebot auf den Tisch. Angeboten wurde lediglich eine Erhöhung von 5,41% in drei Schritten bei einer Laufzeit von 3 Jahren. Die für 2021 angebotene Einführung der SuE-Tabelle soll möglichst „kostenneutral“ erfolgen und auch offen gebliebene Punkte aus 2019 sollen in zwei Schritten und lediglich auf einem Niveau von 95% umgesetzt werden.

„Dieses Angebot stellt für uns eine Farce da – Aufwertung geht so ganz bestimmt nicht!“, stellt Meike Jäger, Verhandlungsführerin und Fachbereichsleiterin bei ver.di in Berlin mit Nachdruck fest. „Vom Niveau des TV-L, Stand 2020, ist die AWO derzeit schon wieder 8,6% entfernt – und dabei ist die Einführung der Sondertabelle für den Sozial- und Erziehungsdienst noch nicht einmal berücksichtigt. Für die Beschäftigten würde dieses „Angebot“ im Prinzip einem Reallohnverlust gleichkommen. Inakzeptabel!“

Bei der ver.di-Tarifkommission herrscht großes Unverständnis über das Vorgehen der AWO Tarifgemeinschaft. Noch im zweiten Halbjahr des letzten Jahres habe man sich gemeinsam beim Land Berlin für eine verbesserte Refinanzierung der verschiedenen Zuwendungs- und Leistungsbereiche eingesetzt und sogar eine große Demonstration gemeinsam zum Roten Rathaus organisiert. Die Bemühungen hätten sich in einigen Verbesserungen, so z. B. bei Antragsverfahren und in einem neuen Auflagenbeschluss des Abgeordnetenhauses niedergeschlagen. Für 2021 wurde sogar ein Sondertopf für den Lückenschluss tarifgebundener Träger geschaffen. Diesen will ver.di jetzt mit dem angestrebten Tarifabschluss anzapfen. Die zögerliche Verhandlungsstrategie der Arbeitgeber werden von Tarifkommission und Belegschaft nicht nachvollzogen. Anscheinend habe die Arbeitgeberseite wenig Interesse, die Abwanderung von gut qualifiziertem Personal endlich zu stoppen.

Aufgerufen zum Streik sind die folgenden Gliederungen: AWO Kreisverband Mitte, AWO Kreisverband Südwest, AWO Kreisverband Südost, AWO Kreisverband Spandau, AWO Kreisverband Spree-Wuhle, AWO Landesverband Berlin, AWO pro:mensch gGmbH. Darüber hinaus werden die Beschäftigten der AWO City gGmbH und des AWO Kreisverbandes Treptow-Köpenick im Wege des Solidaritätsstreiks aufgerufen. Der Streik findet ganztägig statt. Die Streikenden versammeln sich am Mittwoch um 9:30 Uhr vor dem AWO Landesverband in der Blücherstraße 62 in Kreuzberg. Ab 10:00 Uhr ist eine Demonstration zu ver.di in der Köpenicker Straße geplant.

Bereits am Mittwoch, den 11.03.2020 sind auch die ca. 1.500 Beschäftigten des Humanistischen Verbandes zu einem Warnstreik aufgerufen.

Quelle:

ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg