Berlin ist weiter Schlusslicht bei der Ausbildung von Berufsanfängern. Nur 11,3 Prozent der Betriebe in der Bundeshauptstadt bildeten 2019 überhaupt aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Ausbildungsquote 2020 erneut gesunken. Mit einer Aktion vor dem Haus der Wirtschaft haben Auszubildende und Jugendvertreter der IG Metall Berlin am 17. Juni die Arbeitgeber aufgefordert, mehr junge Menschen auszubilden.

„Berlin riskiert mit diesem schlechten Ausbildungsangebot die Zukunftsfähigkeit seiner Industrie“, sagt Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.

Im Bundesdurchschnitt lag die Ausbildungsbetriebsquote mit 19,7 Prozent fast doppelt so hoch. 2020 nimmt die Ausbildungsquote noch einmal erschreckend ab: Aktuell haben Berlins Unternehmen 12.702 Ausbildungsplätze gemeldet, das sind noch einmal 15,7 Prozent weniger als 2019. Im Bereich Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung, zu dem die meisten Betriebe der IG Metall zählen, ist der Rückgang mit 23 Prozent noch kräftiger: Die Betriebe dort bieten noch mal fast ein Viertel weniger Ausbildungsplätze an als 2019.

Mit Pac-Man und Riesenluftballons hat die IG Metall Berlin vor dem Haus der Wirtschaft auf die schlechte Ausbildungssituation in der Hauptstadt hingewiesen.

Investitionen in die Qualität der Ausbildung

Um jetzt schnell ein zügiges Handeln von Senat und Unternehmen auf den Weg zu bringen, hält die IG Metall Berlin es für dringend erforderlich, Berliner Betriebe mit finanziellen Ressourcen und Fach-Know-how in Sachen Ausbildung zu unterstützen. „Wichtig ist jetzt, die Verbundausbildung zu stärken. Dazu gehört auch, in die Qualität der Lehrenden zu investieren, zum Beispiel an den Berliner Berufsschulen“, sagt Birgit Dietze. „Außerdem brauchen wir wieder mehr Betriebe, die Schülerpraktika anbieten, sowie ein besseres Matching zwischen Ausbildenden und Unternehmen, damit die Auszubildenden auch die passende Ausbildung finden. Wir brauchen also mehr Beratung für Unternehmen und eine höhere Qualität der Ausbildungsangebote.“

Birgit Dietze befürchtet, dass „die Corona-Krise, die auf die Transformation weiter Bereiche der Wirtschaft trifft, Personalabbau-Programme in den Unternehmen beschleunigt“. Dabei müsse es jetzt gerade darum gehen, auf kluge Tandem-Lösungen zu setzen: „Die älteren Kolleginnen und Kollegen geben ihr Erfahrungswissen an die jüngeren Kollegen weiter und die wiederum nehmen die Älteren in Sachen Digitalisierung und Transformation mit auf den Weg.“

Zwar bilden die Unternehmen in Berlin insgesamt weniger aus, aber die Unternehmensverbände melden für Berlin noch offene Stellen. 7360 Ausbildungsplätze sind in der Bundeshauptstadt aktuell noch zu vergeben, so der Unternehmensverband in Berlin.

Ausbildungssituation in Brandenburg

In Brandenburg sind laut dem dortigen Unternehmensverband noch 7380 Ausbildungsstellen in vielen Branchen im Angebot. Insbesondere in Brandenburgs Industrie gibt es noch einige viele Möglichkeiten, in die Ausbildung zu starten – 2200 freie Stellen für Auszubildende haben die Unternehmensverbände aktuell gemeldet.

Trotz Corona-Krise, damit verbundener Auftragseinbrüche und Streichung von weltweit etwa rund 9000 Stellen bildet Rolls Royce in Dahlewitz auf dem Vorjahrsniveau aus. 14 angehende Fluggeräte-Mechaniker starten beim Triebwerkshersteller in diesem Jahr in ihre Ausbildung.

Auch Mercedes Benz in Ludwigsfelde will die Ausbildungszahlen gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil halten. 34 Ausbildungsplätze hatte der Transporter-Hersteller im Angebot, die allermeisten sind inzwischen vergeben.

Quelle:

IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen