Dollarläden eröffnen mit langen Schlangen

Am Montag haben auf Kuba 72 Geschäfte auf Verkäufe in ausländischen Devisenwährungen umgestellt. Wie kubanische Medien berichten, war der Andrang am Tag der Eröffnung groß. Vor vielen Läden bildeten sich lange Schlangen mit Wartezeiten von mehreren Stunden. Das am Eröffnungstag vorhandene Produktsortiment führte bei den Kunden zu gemischten Reaktionen, wie Berichten aus den Abendnachrichten vom Montag zu entnehmen war.

„Ich habe einiges von dem was ich suchte gefunden“, erklärte die Soimí Pérez, welche gerade aus dem Supermarkt „3ra y 70“ in Havannas Stadtteil Playa kam, im Fernsehen. „Einige Dinge gab es, andere nicht. Waschmittel ist ziemlich teuer“, so Pérez. „Es war alles gut organisiert. Ich frage mich wie das künftige Sortiment in den CUC-Läden sein wird, denn nicht jeder hat Zugang zu Dollar“, sagte eine andere Kundin gegenüber den Reportern. Ein anderer Kunde erklärte am späten Nachmittag, dass er seit 9 Uhr Morgens auf den Einlass warte.

Nach den ersten Berichten scheinen viele Produkte, die in den vergangenen Monaten aus den Läden auf Kuba verschwunden sind, in den Dollar-Märkten wieder erhältlich zu sein. Hierzu zählen Mehl, Speiseöl, Hühnchen, Rindfleisch, passierte Tomaten und Käse, welche in den neuen Geschäften bei der Eröffnung relativ gut verfügbar waren. Dabei umfasst das Sortiment derzeit im wesentlichen Basisprodukte, welche vor Beginn der Energiekrise im Herbst 2019 in den CUC-Supermärkten gehandelt wurden und weniger „exquisite“ Waren.

Ein großes Problem sind die langen Schlangen, welche teilweise Wartezeiten von bis zu einem halben Tag mit sich bringen. Diese gab es am Montag auch vor vielen Banken in Havanna, Santiago und anderen Städten des Landes. Zum Einkauf in den Läden ist ein Girokonto in US-Dollar oder einer anderen „harten Währung“ erforderlich, bezahlt werden kann nur per Karte. Viele wollen daher jetzt ein Konto in der Fremdwährung eröffnen, zumal die 10-prozentige Steuer auf Dollartransaktionen abgeschafft wurde. Offenbar gibt es in der Bevölkerung große Mengen angestauter Kaufkraft, die sich jetzt ihren Weg in die Devisensupermärkte bahnt. Insgesamt haben seit gestern 72 Devisenläden geöffnet, die zumeist Lebensmittel und Hygieneprodukte verkaufen. 15 Baumärkte sind auch darunter. Ab August sollen weitere Geschäfte für Möbel und Einrichtungsartikel hinzukommen. Mit der Teil-Dollarisierung des Einzelhandels versucht Kubas Regierung dringend benötigte Devisen abzuschöpfen, um im Kontext der aktuellen Wirtschaftskrise die Grundversorgung aufrecht zu erhalten.
➔  Liste der neuen Dollarläden der Ketten „TRD Caribe“ und „Cimex“ (PDF).

Quelle:

Cuba heute

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