In diesen Tagen jährt sich zum 150. Mal die »Commune de Paris«, der erste Versuch der Arbeiterklasse, sich von der Herrschaft des Kapitals zu befreien und ihre eigene Herrschaft zu errichten.

Obwohl die Kommunarden sich angesichts der feindlichen Übermacht nur 72 Tage halten konnten, waren die Leistungen, die sie zwischen dem 18. März und dem 28. Mai 1871 vollbrachten, Vorboten einer neuen Zeit, die sich 47 Jahre später mit der Oktoberrevolution in Russland Bahn brach.

Kein Wunder, dass die kapitalistischen Unterdrücker aus aller Welt die Commune bis heute hassen und dafür sorgen, dass das Erbe der »Himmelstürmer von Paris«, wie Marx und Engels die Kommunarden nannten, totgeschwiegen oder verleumdet und aus den Geschichtsbüchern verbannt wird.

Das gilt sowohl für die von der Commune durchgesetzten fortschrittlichen politischen und sozialen Veränderungen, wie auch für den Ablauf der dramatischen Ereignisse der 72 Tage, welche Frankreich und die Kapitalistenklasse in ganz Europa erschütterten. Wer weiß denn heute noch, dass die luxemburgische Kolonie im Pariser Faubourg St.Antoine viele Kämpfer für die Nationalgarde der Commune stellte, zahlreiche Luxemburger während der »Semaine sanglante« von den Truppen der Reaktion ermordet wurden, 183 Luxemburger Kommunarden verurteilt und 39 nach Neu-Kaledonien verbannt wurden?

Zu den Dekreten, welche der Rat der Kommune beschloss und die innerhalb kurzer Zeit durchgesetzt wurden, gehörte die Enteignung von Fabriken, die Trennung von Kirche und Staat und die Einführung des laizistischen Schulunterrichts, eine Senkung der Mieten und die Vergabe von verlassenen Wohnungen an Wohnungssuchende, die Festlegung von Minimallöhnen, das Verbot von Lohnabzügen, die Zulassung von Mädchen zum Berufsunterricht, die Abschaffung der Nachtarbeit für Bäckergesellen, die unentgeltliche Rückgabe der verpfändeten Gegenstände.

Viele Errungenschaften aus der kurzen Zeit der Pariser Commune, wurden in Luxemburg und in unseren Nachbarländern erst Jahrzehnte später Wirklichkeit, und das auch nur infolge von harten politischen und sozialen Kämpfen, andere bleiben noch zu verwirklichen und sind zu finden in den politischen Programmen der revolutionären Erben der Commune, zu denen die Kommumnisten sich zählen.

Aufgrund der Erfahrungen der Pariser Commune und der nachfolgenden Revolutionen, unabhängig davon, unter welchen Bedingungen sie stattfanden, bleiben zwei Erkenntnisse von besonderer Bedeutung, wenn es um grundlegende gesellschaftliche Veränderungen geht, und die in bürgerlich-demokratische Verhältnisse gekleidete Ausbeuterordnung überwunden werden soll: Die Vergesellschaftung der Großbetriebe und Finanzgesellschaften, um die wirtschaftliche Macht der Kapitalisten zu brechen, und der Aufbau neuer staatlicher Strukturen, um sicherzustellen, dass der bürgerliche Staat, der geschaffen wurde, um die bestehende Ausbeuterordnung nachhaltig zu schützen, grundlegende gesellschaftliche Veränderungen nicht verhindern kann.

Marx und Engels sahen darin die Grundlehre der Pariser Commune. 150 Jahre später ist das immer noch wahr.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek – Es lebe die Commune!