Nach dem brutalen und hinterhältigen Angriff auf den Hauptsitz der CGIL in Rom durch Faschisten erreichen uns wiederum schockierende Bilder aus Italien. Eine Gruppe von zehn bis fünfzehn gedungenen Angreifern schlugen mit schweren Stöcken und Baseballschlägern auf streikende Arbeiter ein. Dies geschah vor dem chinesischen Modegeschäft Dreamland in Prato, das zu den Auftraggebern von Texprint gehört, die wiederum im ganzen letzten Jahr immer wieder durch brutalste handgreifliche Methoden versuchten, die dort streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter einzuschüchtern und von den Streikposten wegzubekommen. Ebenso wie bei den Texprint-Arbeitern waren auch bei diesem blutigen Gerangel Polizeikräfte anwesend, die die Schlägertrupps ihr grausiges Werk machen ließen. Die streikenden Dreamland-Angestellten stammen vorwiegend aus Pakistan, unter Mitwirkung der Basisgewerkschaft Si Cobas hatten sie sich dem Generalstreik vom 11. Oktober angeschlossen, um gegen die wilden Ausbeutungskriterien ihres Betriebes zu protestieren. Dreamland-Angestellte hatten die 12- bis 14-Stundenturnusse, die schwarz ausgezahlt wurden und die Anstellungsverhältnisse ohne Urlaub oder Versicherung an die Öffentlichkeit gebracht, jedoch mit wenig Erfolg. Dreamland musste eine lächerlich tief dotierte Strafzahlung entrichten und durfte danach weitermachen.

Polizei sah zu und filmte

Fünf Arbeiter wurden bei diesem feigen Angriff schwer verletzt – auch vor weiblichen Aktivisten machten sie nicht halt. Der kurze Videoausschnitt, den die Basisgewerkschaft Si Cobas veröffentlichte, zeigt genau, wie schnell der Angriff vonstattenging und wie unvorbereitet die Streikenden getroffen wurden: Zwei Männer liegen am Boden und es stehen jeweils drei bis vier der Schläger um sie herum, einen Kreis bildend und ohne von der Polizei in irgendeiner Weise belästigt auf die am Boden Liegenden einschlagend. Mit Stöcken, Baseballschlägern oder mit schwerem Schuhwerk. Die Streikenden versuchen vergebens, ihren Genossen zu Hilfe zu kommen, denn die Schläger sind flink bei der Sache und im Verprügeln geübt, jeder wird mir nichts dir nichts zu Boden geworfen und auf die Schnelle kampfunfähig gemacht. Und egal wie oft und wie laut die Filmende schreit: „Tut doch endlich was!“, keiner von den Polizisten schreitet ein. Sie filmen das Geschehen.

Altaf, der Arbeiter, der die Missstände an die Öffentlichkeit gebracht hatte, war eines der Ziele der Mörderbande. Am Boden liegend verlor er unter den Schlägen das Bewusstsein und wachte erst im Krankenhaus wieder auf. Sein Erinnerungsvermögen war daraufhin beeinträchtigt.

Leere und heuchlerische Worte

Si Cobas hat ganz recht, wenn sie in ihrer Stellungnahme schreibt: „In diesen Stunden ist viel von Squadrismo und Faschismus die Rede; die Institutionen nehmen das Maul mit leeren und heuchlerischen Worten voll, während jene Arbeiter, die Ausbeutung und erschöpfende Arbeitsschichten von 12 Stunden pro Tag anprangern, von echten regelrechten Schlägertrupps zusammengeschlagen werden, mit dem Schweigen und der Zustimmung jener Regierungskräfte, die in diesen Stunden das Gespenst des Neofaschismus und der Ereignisse in Rom instrumentalisieren, um eine neue Unterdrückung von Streiks und sozialen Kämpfen durchzusetzen.“ Natürlich kommen einem beim Lesen dieser Zeilen die heuchlerischen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL in den Sinn, die gerade in diesen Tagen den Angriff der faschistischen Partei Forza Nuova auf das historische Gewerkschaftshaus der CGIL dafür benützen, um Wählerstimmen für den Partito Democratico oder das jeweilige gebotene x‑beliebige Mitte-Links-Konglomerat, das sich für Kommunalwahlen wieder einmal stark macht, um der Mitte-Rechts-Konkurrenz keinen parlamentarischen Boden zu lassen. Natürlich denkt man dabei an die Slogans, die solche sozialdemokratischen Gewerkschaften in den Mund nehmen: „Nie wieder Faschismen“, als gäbe es davon auch nur einen zweiten. Natürlich denkt man daran, dass ebendiese institutionalisierten Gewerkschaften keinen Finger für die vielen Kämpfe, die gerade (um nur ein Beispiel zu nehmen) in der Industriezone von Prato gekämpft werden, gerührt haben, oder dass sie sich nur dann an die klassenkämpferischen Basisgewerkschaften erinnern, wenn Gewerkschafter tatsächlich auf der Straße bei hellichtem Tag umgebracht werden, wie im Fall von Adil Belakhdim um dann ein müdes, aber doch obligatorisches Solidaritätsposting auf Facebook rauszudrücken, wo aber darauf geachtet werden muss, dass ja nicht dazugeschrieben wird, für welche Basisgewerkschaft er gekämpft hat (denn das wäre ja Gratiswerbung). Fakt ist – da wo wirklich eine Gewerkschaft notwendig wäre, wo es hart auf hart kommt, sind CGIL, UIL und CISL nicht anzutreffen. Ihr Job ist die Vermittlerrolle im Sinne der Confindustria gegenüber den Arbeiterinnen und Arbeitern, die sich solche Zustände bei weitem nicht verdient hätten. Ihre Rolle ist die der Stellvertretung und des schnellen Services.

Die Kommunistische Jugendfront, die die Streikkämpfe in Prato aus nächster Nähe verfolgt, schrieb am Sonntag:

„Der Squadrismo, über den in den Nachrichten nicht berichtet wird, ist der der Unternehmen, der direkt von den Ausbeutern organisiert wird. Gestern wurden die demonstrierenden Arbeiter von Dreamland in Prato von mit Knüppeln bewaffneten Schlägertrupps angegriffen und unter den Augen der Polizei, die tatenlos zusah, massakriert. Fünf Menschen wurden verletzt, einer wurde schwer verletzt. Die Arbeitsaufsichtsbehörde hatte bei einer Inspektion 12–14-Stunden-Schichten und Schwarzarbeit festgestellt. Das Unternehmen musste nur eine Geldstrafe zahlen, alles ging wieder seinen gewohnten Gang, und jener Arbeiter, der sich darüber beschwert hatte, landete nach einer Schlägerei im Krankenhaus.“

Quelle: fanpage.it/FGC/FC/Si Cobas

Quelle: Zeitung der Arbeit – Angriff mit Baseballschlägern auf Streikende – Polizei sah zu