Am heutigen Samstag wird Egon Krenz 85 Jahre alt. Als Mitglied des Staatsrats und der Volkskammer der DDR sowie als hochrangiger Funktionär der SED prägte er einen Teil der Geschichte des Sozialismus entscheidend mit. Seine Zeit an der Spitze der Regierung und der Partei sind jedoch mit der Niederlage gegen die Konterrevolution verbunden. Doch Krenz ließ sich weder von der BRD-Siegerjustiz noch von historischen Diffamierungen brechen und ist bis heute ein aufrichtiger Genosse und Vorkämpfer der Arbeiterbewegung für den Sozialismus.

Geboren wurde Egon Krenz am 19. März 1937 in Kolberg an der Ostsee, das seit 1945 in Polen liegt. Als er die Grundschule besuchte, herrschten NS-Faschismus und Weltkrieg, aus dem sein Vater nicht mehr zurückkehrte. Noch vor Kriegsende übersiedelte die Mutter mit ihm und seiner Schwester nach Mecklenburg-Vorpommern, das bald Teil der SBZ und ab 1949 der DDR sein sollte. Nach Beendigung der Schulzeit, 1953, begann er zunächst eine Lehre als Maschinenschlosser, absolvierte dann aber die Lehrerausbildung. Egon Krenz entschied sich, sein Leben dem sozialistischen Aufbau zu widmen. Bereits damals war er Mitglied der FDJ, ab 1955 auch der SED. Von 1957 bis 1959 versah er seinen Dienst bei der NVA.

In der FDJ übte er zunächst regional, ab 1961 auch national verantwortungsvolle Funktionen aus. An der „Lenin“-Parteihochschule in Moskau studierte Krenz 1964 bis 1967 Gesellschaftswissenschaften. Er übernahm den Vorsitz über die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ (1971–1974), danach und bis 1983 jenen im Zentralrat der FDJ. Gleichzeitig war er ab 1971 Abgeordneter der Volkskammer der DDR und bewährte sich auch in der Partei: 1973 wurde in das Zentralkomitee der SED und 1983 ins Politbüro gewählt. Auf Regierungsebene gehörte er ab 1981 dem Staatsrat an, ab 1984 als Stellvertreter des Vorsitzenden Erich Honecker.

Im Oktober 1989 trat Krenz unter schwierigen Bedingungen Honeckers Nachfolge an. Am 18. Oktober wurde er SED-Generalsekretär, am 24. Oktober Vorsitzender des Staatsrates. Sein Ziel war klar: Die Erhaltung der marxistisch-leninistischen Partei und der sozialistischen Grundlagen der eigenständigen DDR – doch dies war nicht mehr zu erreichen. Die Konterrevolution war längst auf der Siegerstraße, von gewaltsamen Verteidigungsmaßnahmen, die zu schweren Eskalationen führen hätten können, nahm Krenz Abstand, als er Volkspolizei und NVA den Schusswaffengebrauch untersagte. Einen Monat nach dem „Mauerfall“, in der ersten Dezemberwoche 1989, trat Krenz von der SED- und Regierungsspitze zurück. Im Januar 1990 verzichtete Krenz auf sein Volkskammermandat, quasi zeitgleich ließ ihn der revisionistische Liquidator Gregor Gysi aus der SED-PDS ausschließen.

Die BRD-Siegerjustiz statuierte nach der Annexion der DDR an Krenz ein Exempel und verurteilte ihn in einem unrechtmäßigen Verfahren 1997 zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren – formell wegen des angeblichen „Schießbefehls“ an der „innerdeutschen“ Grenze, in Wirklichkeit, um die DDR und den Sozialismus insgesamt zu delegitimieren. Im Dezember 2003 wurde er auf Bewährung entlassen. Dass diese „Bewährung“ in den Augen des BRD-Unrechtsregimes freilich auch gerne Selbstverleugnung und Distanzierung von der SED, DDR und vom Sozialismus gesehen hätte, ist klar. Doch Krenz war und ist ein Beispiel an Aufrichtigkeit und Unbeugsamkeit geblieben. Er stand und steht nicht an, eigene Fehler und solche der Partei anzuerkennen, die es gewiss gab, doch man konnte Krenz weder brechen noch bestechen, weswegen er niemals unter die Verräter und Verleumder der DDR gegangen ist.

In einem zukünftigen sozialistischen Deutschland wird man die Leistungen von Egon Krenz wie der gesamten DDR wieder anerkennen. Die Kommunistinnen und Kommunisten, die wahren Sozialistinnen und Sozialisten tun dies schon heute. – Die Redaktion der ZdA gratuliert zum 85. Geburtstag und wünscht dem Genossen Krenz alles Gute.

Quelle: Zeitung der Arbeit