Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Das »Tageblatt« ist sich ganz offensichtlich für keine Schlagzeile zu schade, und sei sie auch noch so plump, irreführend oder gar kriegshetzerisch. Die gewerkschaftseigene Tageszeitung hat in mühevoller Recherche herausgefunden, daß für den Import von Energieträgern im vergangenen Jahr 33 Millionen Euro in »Putins Kriegskasse« geflossen sein sollen – was natürlich ein Skandal sondergleichen ist. Dieser Betrag entspreche etwa der Hälfte der Millionensummen, die Luxemburg für den Krieg an die Ukraine locker gemacht hat, stellt die »Tageblatt«-Redaktion empört fest.
Nun erhebt sich die Frage, was man uns damit sagen will. Offensichtlich will man uns einreden, daß wir mit der Bezahlung für günstige Energie den Krieg in der Ukraine finanzieren, weil Rußland den Krieg ohne »unsere« 33 Millionen gar nicht führen könnte, und daß der Krieg sofort beendet wäre, würden wir, wie nun auch von der EU höchstoffiziell beschlossen, den Import von russischem Öl und Gas gänzlich einstellen. Das ist blanker Unsinn, entspricht aber den Sprachregelungen »unserer Werte-Ordnung«.
Das Ziel des langatmigen Artikels im »Tageblatt« besteht ganz offensichtlich darin, den Bürgern dieses Landes ein weiteres Mal einzureden, daß es dringend notwendig ist, Rußland Schaden zuzufügen, ohne Rücksicht auf eigene Verluste. »Verluste« ist allerdings wörtlich zu nehmen, denn mit dem Wegfall der russischen Importe und dem großflächigen Umstieg auf LNG aus den USA werden unsere Energierechnungen wieder zusehends ansteigen. Zu spüren bekommen das vor allem diejenigen, die sich um unteren Teil der Lohnskala zurechtfinden müssen, denn eine Folge der höheren Energiekosten sind höhere Preise in fast allen Bereichen des Lebens, denn sämtliche Kosten und Folgekosten werden an den Endverbraucher weitergereicht – so entspricht es der »Werte-Ordnung« im Kapitalismus.
Ganz nebenbei erhebt sich auch die Frage nach den vielfältigen Folgen für das Klima. Einerseits sorgen die 60 Milliarden an die Ukraine auch für rasant steigende Klimaschäden, denn Krieg ist der größte Umweltschädiger überhaupt. Hinzu kommen die Umweltschäden für die Förderung des schmutzigen Fracking-Gases in den USA und der nicht besonders klimafreundliche Transport von LNG über den Ozean.
Die wichtige Frage jedoch, mit der sich das »Tageblatt« nicht befaßt, ist die, ob wir nicht mit dem Import von LNG aus den USA die Kriegskasse des Pentagon füllen, jener Institution, die von Präsident Trump in voller Einsicht in die Realität in Kriegsministerium umbenannt wurde. Sollte man nicht darauf hinweisen, daß wir mit Importen aus den USA seit vielen Jahren diese Kriegskasse gefüttert haben, aus der jede Menge Kriege gegen Korea, Vietnam, Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Libyen … und auch die Kriege Israels finanziert wurden und werden? Ebenso der Flottenaufmarsch vor Venezuela und Kolumbien, bei dem es nicht etwa gegen Drogen, sondern um die reichen Erdölquellen in jener Region geht?
Vor allem aber ergibt sich die Frage nach einer Alternative. Die sollte auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes darin bestehen, den Krieg in der Ukraine nicht weiter anzuheizen, sondern auf dem Verhandlungsweg zu beenden – und in Gesprächen mit allen beteiligten Seiten eine neue und verläßliche Friedens- und Sicherheitsarchitektur für unseren geschunden Kontinent und die ganze Welt auszuhandeln.
Es wird Zeit, über »unserer Werte-Ordnung« ein wenig nachzudenken!
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

