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Gift für die Welt

Übernommen von Unsere Zeit:

Nicht nur die Bilanz, auch das Ansehen des Leverkusener Chemiekonzerns ist schwer angeschlagen: Seit der Übernahme des US-Agrarriesen Monsanto im Jahr 2018 reißt die Kette der Skandale nicht ab. Zehntausende an Krebs erkrankte Farmer reichten in den USA Klagen ein, Milliardenrückstellungen wurden nötig und der Börsenwert sackte in den vergangenen Jahren dramatisch ab – von rund 120 Milliarden US-Dollar auf zuletzt nur noch etwa 40 Milliarden. Der 2023 neu besetzte Vorstand unter Bill Anderson reagierte mit Modernisierung, der Vernichtung von 14.000 Arbeitsplätzen und einer PR-Offensive.

Dies alles habe sich positiv ausgewirkt, hieß es auf der Aktionärsversammlung am vergangenen Freitag, trotzdem sei die Krise noch nicht überwunden. Daher wurde der Vorschlag des Vorstands zähneknirschend angenommen, erneut lediglich die gesetzliche Mindestdividende von 11 Cent je Aktie auszuschütten, um endlich aus den roten Zahlen herauszukommen. Der Vorstand strich derweil ein mittleres zweistelliges Millionengehalt ein.

Während sich vor der Konzernzentrale in Leverkusen Demonstranten mit Transparenten und Traktoren versammelten, wurde der Protest, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten, auch auf die Bayer-Hauptversammlung selbst getragen. Vertreter der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) meldeten sich mit insgesamt zehn Beiträgen zu Wort. Hinzu kam eine Sprecherin der britischen Charity-NGO ShareAction. Sie konfrontierten die Konzernspitze mit den ökologischen und gesundheitlichen Folgen von Bayer-Produkten. Dabei ging es unter anderem um Parkinson- und Krebserkrankungen, Fehlbildungen bei Neugeborenen und um die Praxis, Wirkstoffe, die in der EU längst verboten sind, weiterhin in Länder des Trikonts zu exportieren.

Besonders scharf wurde der Einsatz von Glyphosat kritisiert. In Brasilien wird das Pflanzengift gezielt aus der Luft versprüht, um indigene Gemeinschaften von ihrem Land zu vertreiben, sodass Agrarkonzerne es sich unter den Nagel reißen können. Hierzu sprachen unter anderem die aus Brasilien zugeschalteten Redner Alan Tygel und Ronaldo Barros Sodré. Letzterer berichtete, dass in seinem Bundesstaat Maranhão allein im ersten Quartal des laufenden Jahres 220 derartige Angriffe in 188 Gemeinden verzeichnet worden seien. Er machte deutlich: „Das ist nicht nur eine Statistik“, sondern eine „Gesundheitskrise“, eine „Ernährungskrise“ und eine „Umweltkrise“. Auch die Berichte über den Einsatz von Glyphosat und weißem Phosphor durch die israelische Armee im Libanon wurde mehrfach thematisiert. Bayer ist der einzige Phosphorhersteller der USA und Berichten zufolge stammt der im Südlibanon eingesetzte weiße Phosphor aus den Vereinigten Staaten. Davon wollte Bayer jedoch nichts wissen. Man beliefere weder die US-Armee noch die IDF.

Allerdings gab der Vorstand zu, dass man aufgrund einer Executive Order von US-Präsident Trump künftig verpflichtet sei, die US-Regierung zu beliefern. Im Februar hatte Trump Glyphosat als zentral für die „nationale Sicherheit“ bezeichnet. Diese Verlautbarung wurde auf der Bayer-Hauptversammlung wiederholt als Rückenstärkung für das Unternehmen begrüßt. Trumps Äußerung dürfte durchaus im militärischen Zusammenhang zu verstehen gewesen sein. Allerdings nicht nur.

Am Montag tagte der Oberste Gerichtshof der USA erstmals in Sachen Monsanto. Er soll über einen Berufungsantrag Bayers entscheiden. Dabei geht es um die Klagen tausender US-Bauern, die aufgrund von Glyphosat teilweise schwerwiegende Gesundheitsschäden davongetragen haben. Während Trumps öffentliche Parteinahme für den Konzern einige Kläger bereits dazu gedrängt hatte, sich mit Bayer auf eine außergerichtliche Einigung einzulassen, scheint nach dem ersten Prozesstag noch völlig offen, ob der Chemieriese die juristische Schlacht gewinnen wird oder nicht.

Quelle: Unsere Zeit

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