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Wem nützt diese Regierung?

Übernommen von Unsere Zeit:

Bei sogenannten Qualitätsmedien und den Parteien im Bundestag herrscht ein erbärmliches Gestammel auf die Frage, warum die USA und Israel den Feldzug gegen den Iran angezettelt haben. Mal ist es der gerissene israelische Premierminister, der den unberechenbaren Trump zum Waffengang überredet haben soll, mal ist es der US-Kriegsminister, der sich gegen den Vizepräsidenten durchgesetzt habe, mal ist es die Unterschätzung der Stabilität des iranischen Staats- und Militärapparates. Wer dieses Hin und Her von Gerüchten gelesen hat, kann die Frage nach dem Warum danach meist genauso wenig beantworten wie vorher. Das liegt vor allem daran, dass eine Frage leider völlig aus der Mode geraten ist: Wem nützt es?

Diese Frage war und ist schon hilfreich, um den Nebel zu durchdringen, der sich seit der Sprengung der Nord-Stream-Pipeline im September 2022 um die Urheber dieses Terroraktes gegen die Energiezufuhr Deutschlands gelegt hatte. Die Folgen kann heute jeder an der deutschen Nord- und Ostseeküste besichtigen. Statt günstigem und relativ umweltfreundlichem Gas, das ohne großen Transportaufwand aus Sibirien bis in die deutschen Energienetze strömte, fahren nun rußende Tanker aus aller Welt zu Terminals mitten in Naturschutzgebieten, um dort Gas zu löschen, das energieaufwändig erst gefroren wurde, um es transportieren zu können.

Wem nützt es? Die Antwort kennt jeder, der Wirtschaftsseiten liest: Es sind vor allem die US-amerikanischen Energiekonzerne, die so anstelle des russischen Gases ihr Frackinggas nach Deutschland exportieren und Milliardengewinne scheffeln.

Weil aber die Weltwirtschaft durch die vom USA/EU/NATO-Block angezettelten Kriege immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wird, ist der Ölpreis – und mit ihm der Gaspreis – im letzten Jahr dennoch gesunken. Und zwar unter die letztlich aus Konzernsicht entscheidende Schwelle, die die Förderung in den USA noch lohnend machte. Jedem, der einen Globus besitzt, musste klar sein, dass ein Krieg gegen den Iran die Straße von Hormus unpassierbar machen würde. Das war weder ein Kollateralschaden, noch eine Panne eines irren Präsidenten. Es ist der Zweck derer, die diesen Krieg gefordert und bekommen haben.

Wem nützt es? Mit den Preisen für Öl und Gas steigen gegenwärtig die Profite der Konzerne. Wesentliche Hauptprofiteure dieses Krieges haben ihren Hauptsitz in den USA, namentlich Exxon Mobil und Chevron. Zusammen erreichen sie einen Jahresumsatz von über 400 Milliarden US-Dollar. Jeder Tag, an dem aus dem Nahen Osten kein Öl, kein Gas und kein Dünger kommt, verbessert ihre Geschäftsbilanz. Es bleibt also bei der Richtigkeit der Erkenntnis: Hier fließt Blut für Öl. Für die Bevölkerung in Deutschland wird der Krieg jeden Tag teurer. Das sogenannte Entlastungspaket, das die Bundesregierung am Montag verkündete, ist ein Hohn.

1996 kommentierte US-Außenministerin Madeleine Albright den Tod von 500.000 Kindern infolge der Hungerblockade gegen den Irak mit den Worten: „Wir denken, den Preis war es wert.“ Warum sollten diejenigen, die jetzt vor allem in den USA vom Krieg profitieren, den Tod von 168 Mädchen gleich am ersten Tag des Angriffskriegs gegen den Iran ernsthaft bedauern?

Quelle: Unsere Zeit

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