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Zerrissene Familien durch blockierten Familiennachzug

Pro Asyl

Übernommen von Pro Asyl:

Zum Internationalen Tag der Familie fordert PRO ASYL die Bundesregierung auf, das Recht auf Familiennachzug endlich wirksam zu gewährleisten – für subsidiär Schutzberechtigte ebenso wie für Menschen mit zuerkanntem Flüchtlingsschutz, deren Rechtsanspruch in der Praxis häufig an bürokratischen Hürden scheitert.

„Für viele Geflüchtete ist das Recht auf Familie längst zu einem leeren Versprechen geworden. Jahrelange Wartezeiten, politische Blockaden und geschlossene Botschaften trennen Familien über Jahre hinweg. Dabei ist der Schutz der Familie ein Menschenrecht. Doch genau dieses Recht wird für Tausende Schutzberechtigte in Deutschland systematisch ausgehöhlt: Kinder wachsen ohne ihre Eltern auf, Ehepartner*innen bleiben über Jahre hinweg getrennt – in Angst, Unsicherheit und ständiger Sorge umeinander“, kritisiert Tareq Alaows, flüchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL.

Verwehrtes Recht für subsidiär Schutzberechtigte

Für subsidiär Schutzberechtigte ist die Situation besonders dramatisch: Im Juli 2025 hat die Bundesregierung ihr Recht auf Familiennachzug für zwei Jahre komplett ausgesetzt – davon betroffen sind auch Familien, die schon zuvor Anträge gestellt hatten und seit Jahren auf ein Wiedersehen warteten. Die vorgesehenen Ausnahmen für Härtefälle sind ein Feigenblatt – in der Praxis greifen sie fast gar nicht.

Lange Wartezeiten und geschlossene Auslandsvertretungen

Doch selbst anerkannte Flüchtlinge mit Rechtsanspruch auf Familiennachzug können dieses Recht häufig nicht durchsetzen: Überlange Wartezeiten bei Antragstellung und Visaverfahren an den deutschen Auslandsvertretungen verhindern oft über Jahre hinweg den Nachzug ihrer Angehörigen.

Besonders langwierig und hürdenreich ist derzeit die Situation für afghanische Familien. Sie müssen für ihr Visumverfahren auf die Botschaften in Pakistan oder Iran ausweichen. Nach offiziellen Angaben dauert es dort schon seit langem über ein Jahr, bis ihr Antrag überhaupt angenommen wird. An PRO ASYL wenden sich sogar Menschen, die schon seit über drei Jahren auf einen Vorsprachetermin an der Botschaft Teheran warten. Seit Anfang des Jahres ist diese Auslandsvertretung nun komplett und auf unabsehbare Zeit geschlossen. Bis jetzt wurde den Familien nicht mitgeteilt, wann und wo sie einen Antrag stellen können.

Recht auf Familie einlösen!

PRO ASYL fordert die Bundesregierung und das Auswärtige Amt auf, den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wieder aufzunehmen. Zudem fordert PRO ASYL dringend praktikable Lösungen für die Umsetzung des Rechts auf Familiennachzug umzusetzen:

  • Vertretung für Botschaft Teheran bestimmen: Übertrag der Zuständigkeit für Visaanträge an andere deutsche Auslandsvertretungen in den Nachbarländern oder Globalzuständigkeit festlegen
  • diplomatische Bemühungen mit Anrainerstaaten intensivieren, damit diese Afghan*innen ermöglichen, in ihrem Land mit Kurzzeitvisa Botschaftstermine wahrzunehmen
  • Verfahren beschleunigen u.a. durch Digitalisierung der Visaverfahren, Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Aufstockung von Botschaftspersonal
  • alle auf den Wartelisten der Botschaft Teheran registrierten Personen transparent über das weitere Verfahren und die Möglichkeiten der Antragstellung informieren
  • Minderjährige Geschwister als Teil der Kernfamilie in den Familiennachzug aufzunehmen

 

 

 

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Quelle: Pro Asyl

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