Übernommen von Unsere Zeit:

Wenn in deutschen Medien über Kuba berichtet wird, dann wird meist in antikommunistischer Manier über „Mangelwirtschaft“ und „die Krise des Systems“ berichtet. Wiedergegeben werden Verlautbarungen der US-Regierung oder von reaktionären bis faschistischen Exilkubanern. Nur am Rande wird erwähnt, dass die USA die Insel seit 1960 mit einer umfassenden politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Blockade belegt haben, die zuletzt durch die Trump-Regierung massiv verschärft wurde. Nach dem Willen des größten imperialistischen Landes soll Kuba keine Energieträger, Finanztransaktionen und sonstigen Wirtschaftsgüter mehr bekommen. Nichts liest man in der Regel von der kostenlosen Bildung vom Kindergarten bis zum Hochschulabschluss, vom kostenlosen Gesundheitssystem, das allen zur Verfügung steht, oder von der – leider notwendigen – kostenlosen Grundversorgung mit Lebensmitteln.
Sich selbst ein Bild machen
Also muss man nach Kuba reisen, um sich ein realistisches Bild von dieser widerständigen Insel, der sozialistischen Gesellschaft und den Menschen zu machen, die diese Gesellschaft bilden und vom Imperialismus bedroht werden. Dies sollte man nicht als Tourist tun, der sich in Varadero an den Strand legt und den vermeintlichen Luxus eines All-Inclusive Hotels genießt. Denn so lässt sich der Sozialismus nicht verstehen und im besten Fall entsteht ein romantisierendes Bild einer weiteren Karibikinsel mit Sonne, Palmen, Zigarren und Mojitos.
Daher haben wir mit acht Genossinnen und Genossen der DKP sowie vier weiteren Freundinnen und Freunden vom 26. April bis 9. Mai an der 19. Internationalen 1.-Mai-Brigade José Martí teilgenommen. Sie fand anlässlich seines bevorstehenden 100. Geburtstags zu Ehren von Fidel Castro und zum 65. Jahrestag der Gründung des Instituts für Völkerfreundschaft ICAP (Istituto Cubano de Amistad con los Pueblos) statt. Neben unserer Delegation waren 22 weitere Deutsche in der Jugendbrigade von Cuba Sí, aber vor allem mehr als 200 weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 22 Nationen dabei.
Informationen aus erster Hand
Ursprünglich sollte unsere Delegation im Landarbeitercamp „Camparmento Internacional Julio A. Mella“ leben, was leider wegen Trinkwasserproblemen nicht realisiert werden konnte. Stattdessen kamen wir in Hotels in Havanna und für einige Tage in Varadero unter. Das erschwerte leider den wichtigen Austausch und die Kommunikation der Delegationen untereinander. Trotzdem war unser Aufenthalt in Kuba ein voller Erfolg und eine Bereicherung für jede und jeden von uns. Das lag vor allem an dem umfangreichen Programm.

In Diskussionsrunden mit Beschäftigten verschiedener Einrichtungen und auf Treffen mit kubanischen Genossinnen und Genossen erfuhren wir vieles über den Charakter der Gesellschaft, den Erfindungsreichtum und die Beharrlichkeit des kubanischen Volkes. Ein immer wiederkehrendes Thema war der Internationalismus, der für die kubanische Politik seit der Revolution prägend und ihr Aushängeschild in der Welt ist. So erfuhren wir in Gesprächen und Vorträgen Einzelheiten über wissenschaftliche Innovationen, medizinische Unterstützung in anderen Ländern und die Solidarität mit dem palästinensischen Volk. Wir bekamen Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Bildung und Erziehung, des kulturellen Lebens und der Mühen bei der Verteilung von Gütern des täglichen Lebens unter den Bedingungen der Blockade.
Die Kraft der Solidarität
Neben diesen Informationsveranstaltungen konnten wir nicht in dem ursprünglich geplanten Maß, aber doch kubanische Arbeiter in der Landwirtschaft in verschiedenen Organopónicos (Stadtgärten in kooperativer Landwirtschaft) unterstützen. In den Stadtgärten wird je nach Größe der gemeinsam verwalteten Fläche Obst und Gemüse für 3.000 bis 8.000 Menschen angebaut. In Varadero halfen wir zudem bei der Säuberung eines Strandabschnittes von Müll und Algen, um bei der Aufrechterhaltung des wichtigen Tourismussektors zu helfen. Leider sah es nicht so aus, als hätten die Feriengäste verstanden, warum plötzlich 200 Menschen ihre Zigarettenkippen aufsammelten.
Am Ende des Programms standen die kollektive Auswertung und eine politische Abschlusserklärung der Brigade. Darin wird vor allem unser Wille zum Ausdruck gebracht, den internationalistischen Kampf gegen die genozidale Blockade in unseren Ländern fortzusetzen und für die stärkere Unterstützung Kubas durch eine breite Solidaritätsbewegung einzutreten. Wir treten den Lügen und der Propaganda in den Medien entgegen und wehren uns an der Seite des kubanischen Volkes gegen jede militärische Provokation und militaristische Rhetorik. Denn eins ist uns auf dieser Reise noch einmal sehr deutlich geworden: Das wichtigste an unserem Aufenthalt war das Zeichen an die Kubanerinnen und Kubaner: Ihr seid nicht allein! In der ganzen Welt gibt es Internationalisten an der Seite des kämpfenden kubanischen Volkes. Immer wieder wurde uns versichert, wie wichtig und kraftgebend unsere Anwesenheit ist.
Am 1. Mai in Havanna
Höhepunkte unseres Aufenthalts waren der 1. Mai in Havanna und die Konferenz der internationalen Solidaritätsgruppen unter Beteiligung der Staats- und Parteiführung sowie des Instituts für Völkerfreundschaft. Wir waren Teil der beeindruckenden Demonstration von 500.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am 1. Mai, angeführt von Miguel Diaz-Canel und Raúl Castro. Sie endete mit einer Kundgebung auf der „Antiimperialistischen Tribüne José Martí“ vor der US-Botschaft in Havanna. Hier standen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dicht gedrängt, um den Reden zuzuhören. Und sie tanzten vor der US-Botschaft – die kubanische Antwort auf die Drohungen der US-Regierung heißt: Wir haben keine Angst vor euch.

Auf der Solidaritätskonferenz wurden wir von Miguel Diaz-Canel herzlich willkommen geheißen. Kubas Präsident erklärte entschlossen, dass sich das Land nicht von einem US-Überfall wie in Venezuela überraschen lasse. Das kubanische Volk werde entschiedenen Widerstand leisten. Dafür stehen die 6,23 Millionen Unterschriften – bei aktuell etwa 9,5 Millionen Einwohnern –, die Díaz-Canel am 1. Mai übergeben werden konnten. Damit haben die volljährigen Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in den vergangenen Wochen bekundet, dass sie bereit sind, auch im Falle einer militärischen Intervention das Land zu verteidigen. Sie haben klar gemacht, dass Fidel Castros Doktrin vom „Krieg des gesamten Volkes“ keine leere Phrase ist.
Auf der Konferenz überbrachten alle Delegationen Grußadressen – für die deutsche Delegation sprach Petra Wegener, Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba und Mitglied des DKP-Parteivorstands.
Besuch bei Rosa in Cardenas
Während unseres Aufenthalts konnten wir in verschiedenen kulturellen und medizinischen Einrichtungen Sachspenden wie Schreibwaren, medizinische Hilfsmittel und Medikamente übergeben. Der Besuch der Clínica Rosa Luxemburgo in Cárdenas hatte dabei für unsere Delegation besondere Bedeutung. Die DKP hat den Aufbau der Kinderklinik in den frühen 2000er Jahren tatkräftig unterstützt und tut das auch weiterhin. Zuletzt wurden eine Solaranlage mit Speicher, deren Betrieb die Hälfte des Energiebedarfs der Klinik deckt, sowie die IT-Ausstattung der Klinik über Spenden finanziert. Die Ärzte und das medizinische und technische Personal der Klinik für Kinder mit Beeinträchtigungen müssen ihre Arbeit und Therapien nun bei Stromausfällen nicht mehr unterbrechen.
Aktuell unterstützt die DKP ihre Schwesterpartei, die Kommunistische Partei Kubas (PCC), mit einer Spendensammlung. Dafür kamen in diesem Jahr bereits mehr als 100.000 Euro zusammen – einen Teil davon konnten wir auch bei unserer Reise übergeben. Die Kommunistische Partei benötigt das Geld dringend zur Sicherung der Energieversorgung ihrer Büros, der Schaltzentralen der Verteidigung der Revolution. Denn ohne diese Büros ist die Verankerung der kommunistischen Partei in der Bevölkerung gefährdet, die Arbeit mit den Menschen vor Ort, das Organisieren von Hilfen kaum zu gewährleisten.
No war on Cuba!
Nach 14 Tagen hieß es Abschied nehmen – von den kubanischen Genossen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der internationalen Brigaden. Am Abschlussabend traten alle Delegationen nacheinander auf die Bühne des Hauses der Freundschaft, der Casa de la Amistad, in Havanna und verdeutlichten ihre spezifischen kulturellen Hintergründe mit Vorträgen, Rezitationen und Liedern und brachten damit ihre Liebe zum Leben und zur Gemeinschaft des internationalen Proletariats zum Ausdruck. Und vor allem die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba.
Bereits im August wird die nächste Brigade nach Kuba aufbrechen. Anmeldungen sind ausdrücklich erwünscht – und nötig. Die Brigaden zeigen deutlich: Kuba ist nicht allein – No War on Cuba!
Solidarität mit Kuba
DKP unterstützt die Kommunistische Partei
Zur DNA jeder Kommunistischen Partei gehört die internationale Solidarität. Mitglieder und Freunde der DKP beweisen das in diesen Tagen eindrucksvoll. Hatte die Januar-Tagung des DKP-Parteivorstands ein Spendenziel zur Unterstützung unserer kubanischen Schwesterpartei PCC von 25.000 Euro ausgegeben, beschloss die März-Tagung angesichts der kriminellen Angriffe des US-Imperialismus eine Erhöhung auf 100.000 Euro – dieses Ziel ist überschritten.
Jetzt gilt es vor allem auch, die politische Solidarität mit dem sozialistischen Kuba zu ver-stärken. Dazu gehört, die mörderische Blockade der USA und die von Trump und seiner Regierung geplante Erdrosselung der sozialistischen Karibikinsel als das zu entlarven, was sie sind: ein Völkermord auf Raten, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Dazu gehört aber auch der unermüdliche Hinweis auf die Errungenschaften der kubanischen Revolution. Von Alphabetisierung über Gleichberechtigung bis zur Gesundheitsversorgung stellt Kuba nicht nur die USA in den Schatten. Jedes entwickelte Industrieland müsste vor Scham im Boden versinken. Und Kuba hat nie nur seiner eigenen Bevölkerung geholfen, sondern sein Wissen, seinen Einsatz und seine Solidarität mit der Welt geteilt.
Spenden für das sozialistische Kuba bitte an:
DKP-Parteivorstand
Sparkasse Essen, BIC SPESDE3EXXX
Spendenkonto: IBAN DE21 3605 0105 0003 6306 13
Stichwort: PCC
Die nächste Solidaritätsbrigade
findet vom 2. bis 16. August statt, Anmeldeschluss ist der 5. Juli. Es handelt sich um die 53. Europäische Soli-Brigade José Martí. Das Programm mit Arbeitseinsätzen in der Landwirtschaft und Informationen zu Teilnehmerbeiträgen und Anmeldung gibt es hier. Die Brigaden werden in Deutschland von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Cuba organisiert.
Quelle: Unsere Zeit

