Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Nein, überzeugt wirkten der von ihm zum »Daddy« ernannte Trump, USA-Vizepräsident Vance, der ganzkörpertätowierte Kriegsminister Hegseth und der NATO-Botschafter der USA, Matthew Whitaker, nicht gerade, als ihr Generalsekretär Mark Rutte wenige Tage vor dem nächsten NATO-Gipfel versuchte, die transatlantischen Wogen mit einem Besuch in Washington glattzuziehen.
Und der stets viel zu schnell sprechende fliegende Holländer hatte sich am Mittwochnachmittag (Ortszeit) nun wirklich alle Mühe gegeben, dem »Führer der freien Welt« zu gefallen. Im Oval Office gab es Unterwürfigkeit bis zum Äußersten und Lobhudelei für den für die gesamte Weltwirtschaft verheerenden Krieg gegen den Iran und den Libanon.
Vor allem aber gab es das Versprechen, Europa weiter zugunsten vor allem der US-amerikanischen Rüstungskonzerne und ihrer Aktionäre aufzurüsten, und die im Niedergang befindliche imperialistische Hauptmacht bei ihrem nächsten Feldzug wieder mehr zu unterstützen.
Wie im Nachhilfeunterricht für besonders Lernstutzige präsentierte Rutte der Trump-Mannschaft große Schautafeln mit bunten Diagrammen, denen zufolge die europäischen NATO-Staaten und Kanada ihre nationalen Militärbudgets seit Trumps erster Amtszeit ab 2017 um 1,2 Billionen US-Dollar (umgerechnet sind das rund 1.058 Milliarden Euro) erhöht haben.
Allein als 47. Präsident der USA habe Trump ab Januar vergangenen Jahres dafür gesorgt, daß die Militärbudgets NATO-Europas und Kanadas von (im Jahr 2024) 515 Milliarden US-Dollar oder 454 Milliarden Euro auf in diesem Jahr 773 Milliarden US-Dollar oder umgerechnet 681 Milliarden Euro erhöht wurden.
Dabei hält der vom NATO-Chef hochgejubelte »Trump-47-Effekt« weiter an: Auf dem letzten Gipfel des westlichen Kriegsbündnisses im niederländischen Den Haag wurde Ende Juni vergangenen Jahres einstimmig beschlossen, die nationalen Militärbudgets spätestens bis zum Jahr 2035 auf fünf Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung (im Falle Luxemburgs sind das fünf Prozent vom Bruttonationaleinkommen, BNE) zu erhöhen.
3,5 Prozent davon sollen direkt in die nationalen Streitkräfte gesteckt werden, weitere 1,5 Prozent in begleitende Aufrüstungsmaßnahmen wie dem beschleunigten Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für den Truppenaufmarsch, die Stärkung der sogenannten Cybersicherheit und dem weiteren Ausbau der Geheimdienste.
Davon profitieren – schon mangels Alternativen – insbesondere die in den USA ansässigen Waffenschmieden: Rutte zufolge befinden sich derzeit Rüstungsbestellungen aus NATO-Europa im Wert von zusammen 300 Milliarden US-Dollar (264 Milliarden Euro) »in der Pipeline«.
Und noch etwas konnte Rutte bei seinem jüngsten Beschwichtigungsversuch im Oval Office anführen: Beim völkerrechtswidrigen Krieg der USA und Israels gegen den Iran und den Libanon, bei dem Trump als »der Führer der freien Welt« derzeit »Verantwortung für den Rest der Welt« übernehme, waren fast sämtliche NATO-Europäer in Berlin, Paris, London usw. – ja trotz gegenteiliger Behauptungen auch die Sozialdemokraten in Madrid – willig und stellten dem Aggressor NATO-Stützpunkte in ihren Ländern für demnach »4.000 bis 5.000« Flugbewegungen in den Nahostkrieg zur Verfügung.
Man muß gespannt sein, was sich Rutte und die Chefs der europäischen NATO-Staaten bis zum Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli noch einfallen lassen, um dem »Führer der freien Welt« zu gefallen.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

