Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Beim Blick in diverse Zeitungen stoßen wir immer wieder auf Berichte über Krisen aller Art. Zuweilen wird der Begriff »Krise« genutzt, um einen Krieg zu umschreiben – so redet man oft und gern über eine Krise im Nahen Osten, und eigentlich sollte da die Rede von Angriffskriegen sein, nämlich denen, die der Staat Israel gegen die Palästinenser und auch gegen den Libanon führt, ungeachtet immer wieder verkündeter »Waffenruhen«. Es geht auch um den Angriffskrieg gegen den Iran, den die USA gemeinsam mit Israel Ende Februar entgegen jeglichem Völkerrecht begonnen haben.
Im hiesigen »Tageblatt« beschäftigte sich diese Woche ein längerer Artikel mit dem »langen Schatten der Energiekrise«. Auch hierbei geht es nicht um eine echte Krise, sondern um die Auswirkungen der Kriege sowohl in der Ukraine als auch im Persischen Golf. Beide Kriege haben dazu geführt, daß in Luxemburg und in den Ländern der EU Energie knapper und daher auch teurer geworden ist.
Der »Tageblatt«-Autor meint sogar, den Grund dafür erkannt zu haben, daß sich der Gaspreis in Luxemburg in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt hat, nämlich die »durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise«. Hier gibt es gleich drei eklatante Fehler in einer einzigen Aussage. Der Gaspreis hat nicht »sich verdoppelt«, er wurde verdoppelt durch die Anbieter, die einerseits andere Bezugsquellen als die russischen finden mußten, und gleichzeitig die Chance nutzten und nutzen, ihre Profitrate zu erhöhen. Und nicht der Krieg in der Ukraine ist der Grund für knappes Gas, sondern die Entscheidung der EU, mit einem Stopp des Imports von russischem Öl und Gas der Wirtschaft Rußlands möglichst großen Schaden zuzufügen. Hinzu kommt die Sabotage der Energieversorgung durch die Sprengung der Nord-Stream-Pipeline. Und drittens ist in der EU bisher niemand auf die Idee gekommen, wegen des Angriffskrieges der USA gegen den Iran den Kauf von teurem und schmutzigem Fracking-Gas aus Übersee zu verbieten.
Vielmehr bot sich eine weitere Gelegenheit für Extra-Profite der Energiekonzerne – und somit auch der Banken – durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran, in dessen Folge der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend lahmgelegt werde. Die Folge sind ernste Probleme bei der Versorgung mit Treibstoff, mit Düngemitteln und einer ganzen Reihe von Rohstoffen, so daß fast alle Preise im täglichen Leben in einer Art Kettenreaktion nach und nach angehoben werden konnten – zum Nutzen einer Reihe von Unternehmen und zum Nachteil der Menschen in so gut wie allen Teilen der Welt.
All das ist keine vom Himmel gefallene, sondern eine selbstgemachte »Krise«. Rußland hat nicht plötzlich und mutwillig den Westen Europas von der Versorgung mit Öl und Gas abgeschnitten, sondern die Länder des Westens gehorchen einem Befehl der EU. Die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen wurde nicht unterbrochen, weil der Iran mit einer riesigen Kriegsflotte vor den Küsten der USA aufmarschiert ist, sondern umgekehrt.
Den laut »Tageblatt« »langen Schatten der Energiekrise« können wir nur verlassen, wenn endlich Vernunft in die internationale Politik einzieht und das Kriegsgetöse beendet wird. Dazu zählt auch der untaugliche Versuch einer Dienststelle im Luxemburger Armeeministerium, diverse Kriegswaffen auf den von der EZB geplanten neuen Euro-Scheinen abzubilden. Dieser Beitrag zur Aufrechterhaltung der selbstgemachten Krisen und zur Herstellung von »Kriegstüchtigkeit« wird auch durch ein laues Dementi der Ministerin nicht aus der Welt geschafft.
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

