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„Ukrainisierung“ durch Terror

Übernommen von Unsere Zeit:

Am 21. Juli entließ Präsident Wladimir Selenski den ukrainischen Armeeoberbefehlshaber Alexander Sirski und ernannte den 43-jährigen Generalmajor Michail Drapati zu seinem Nachfolger. Das geschah nach tagelangen, offenbar westlich gesponserten Protesten in mehreren Städten der Ukraine: Selenski hatte am 17. Juli Verteidigungsminister Michail Fjodorow entlassen, was in NATO und EU nicht gut ankam.

Mit Drapati übernahm dafür ein extrem russophober und nationalistischer Held der Banderisten in Kiew und ihrer westlichen Propagandisten die Führung der Streitkräfte. In der „Taz“ schwärmte zum Beispiel Barbara Oertel von einem „Mann der Superlative“: „Am 9. Mai 2014 organisierte er einen Durchbruch ukrainischer Truppen in das Zentrum von Mariupol, das zu diesem Zeitpunkt von prorussischen Kämpfern gehalten wurde. Auf einem Video ist zu sehen, wie Drapatis Schützenpanzer eine Barrikade mitten auf der Straße durchbrechen. Dieses Video sei um die Welt gegangen, wie sich Drapati später in einem Interview mit dem Sender Armija FM erinnerte.“ Tatsache ist, dass die Bewohner von Mariupol, die wochenlang gegen die Putschisten in Kiew demonstriert hatten, den Tag des Sieges 2014 wie gewohnt feierlich begingen. Der Tag endete mit einem Massaker: Panzer der Putschisten drangen in die Stadt ein und schossen wahllos auf Zivilisten, wie Videos bezeugen. Wie viele Menschen die Banditen unter Führung des Superlativmannes Drapati ermordeten, klärte die Kiewer Justiz ebenso wenig auf wie das Massaker vom 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus von Odessa. Mit beiden Ereignissen und insbesondere dem Panzervorstoß nach Mariupol begann der Krieg – als barbarischer Feldzug gegen die dort lebende russischsprachige Bevölkerung. Da es sich aber um Angehörige des von der deutschen Bürgerpresse kurz zuvor entdeckten Volksstammes der „Prorussen“ handelte, interessierte sich der Westen damals nicht für die Mordaktionen.

Das wird jetzt nachgeholt. In der FAZ hatte zum Beispiel Stefan Locke am 27. Juli nach Drapatis Ernennung endlich wieder einmal den Sieg über Russland vor Augen: „Nicht ohne Grund gerieten russische Kriegsblogger, welche die Entlassung Fjodorows bejubelt haben, bei der Ernennung Drapatis in Panik. Gemeinsam aber könnten Drapati und Fjodorow die Verteidigung der Ukraine auf eine ganz neue Ebene heben und Russland so in die Zange nehmen, dass – und darum geht es ja die ganze Zeit – Putin endlich zu Verhandlungen bereit ist.“ Da haben die NATO-Paten mit der Wiedereingliederung Fjodorows in die Kiewer Clique offenbar noch etwas zu erledigen.

In Russland sorgte kurz nach der Ernennung Drapatis ein Videointerview mit ihm aus dem Jahr 2023 für Empörung, in dem er die russische Bevölkerung als „eine Nation ohne Existenzrecht“ bezeichnete. Er beschrieb die Bewohner des Donbass außerdem als „eine arbeitsunwillige Gruppe, der es egal ist, in welchem Land sie lebt“. Es handele sich um „Zuwanderer und kriminelle Elemente“. Seiner Meinung nach wollten sie „nicht arbeiten, sondern nur auf Kosten anderer leben“. Deswegen seien sie so „uninformiert“. Ihrer „Ukrainisierung“ sei zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Das erledigt der nationalistische Fanatiker nun militärisch. Da entgegen allen Siegesmeldungen Erfolge auf dem Schlachtfeld ausbleiben, wurden unter seinem Kommando sofort russische Zivilisten Ziel massiver Attacken. Bereits in der Nacht zum 25. Juli griffen die ukrainischen Streitkräfte mit zahlreichen Drohnen Erholungszentren in Kirillowka am Asowschen Meer an. Dabei wurden zwölf Menschen getötet und 19 Zivilisten, darunter Kinder, verletzt. Das russische Ermittlungskomitee leitete ein Strafverfahren wegen Terrorismus ein.

Am Montag fasste der Sondergesandte des russischen Außenministeriums Rodion Miroschkin gegenüber „Tass“ das Ergebnis dieses Strategiewechsels zusammen: 21 Minderjährige wurden in der Woche zuvor verletzt, sieben Kinder kamen ums Leben. Erstmals seit 2022 wurden demnach innerhalb einer Woche fast 500 Menschen in Russland durch ukrainische Angriffe verletzt, 91 Prozent durch Drohnen, 57 starben. Die meisten Opfer gab es in der Grenzregion Belgorod sowie den Volksrepubliken Donezk und Lugansk. Kiew greife dabei „gezielt medizinische Einrichtungen und Krankenwagen an“ und lege mit Hilfe von Drohnen Personenminen.

Das setzte sich am Dienstag fort. In der russischen Grenzstadt Schebekino schlug eine Drohne in einen Linienbus ein und verletzte 19 Menschen, sechs davon schwer. Bei einer zweiten Drohnenattacke unweit von Donezk gegen einen Bus wurden fünf Personen verletzt. Drapati macht ernst mit der „Ukrainisierung“.

Quelle: Unsere Zeit

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