Übernommen von Unsere Zeit:

Während draußen vor der Hauptbühne noch die meisten Bänke voll und im Hof bereits schon viele dabei waren, sich auf die lange Kuba-Nacht vorzubereiten, füllte sich am ersten Abend der große Münzenbergsaal zur ersten Diskussionsrunde. Wie es sich für Friedenstage gehört, war sie dem wichtigsten aller gegenwärtigen Themen gewidmet: „Den dritten Weltkrieg verhindern!“
Moderiert durch gezielte Fragen von Mark Ellmann, umriss Lühr Henken vom Bundesausschuss Friedensratschlag die beiden Seiten dieser Aufforderung. Da ist auf der einen Seite die dramatisch anwachsende Kriegsgefahr durch die sich immer mehr beschleunigende Aufrüstung durch die EU und die USA, ihr Zündeln gegen Russland in der Ukraine und das Bestreben, Taiwan von China abzutrennen.
Auf der anderen Seite sind die Kräfte, die sich gegen diese Entwicklung stemmen, noch zu schwach. Das allerwichtigste, so Henken, sei jetzt, dafür zu sorgen, dass möglichst viele am Antikriegstag am 1. September, am Schulstreik gegen die Wehrpflicht am 25. September, bei den Sozialprotesten am 26. September, bei dem Friedenskonzert am Brandenburger Tor in Berlin am 2. Oktober und auf den beiden bundesweiten Friedensdemonstrationen am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart auf die Straßen gehen. Im Aufruf des DGB für Demos zur Verteidigung des Sozialstaats fehle völlig der Zusammenhang zur Friedensfrage, kritisierte Henken. Es sei, rief er unter Beifall der fast 200 Zuhörer im Saal auf, wichtig, diese Demonstrationen am 26. September „mit der Friedensfrage zu fluten“.
Björn Blach, Stellvertretender Vorsitzender der DKP, verwies auf hoffnungsvolle Signale, dass sich in den Gewerkschaften und Betrieben etwas bewege. Es sei bemerkenswert, dass „die Mehrheit in diesem Land immer noch keine Lust auf Krieg gegen Russland hat, obwohl doch jeden Tag in allen Medien dafür getrommelt wird.“ Die Frage der Bekämpfung der Kriegspropaganda müsse noch stärker in den Blick genommen werden. Wenn es – wie jüngst bei den Beschlüssen von ver.di in Berlin-Brandenburg gegen die Sanktionen gegen Hüseyin Doğru – gelinge, deutlich zu machen, was in diesem Lande zur Zeit passiere, entstehe eine Stimmung, „Wir müssen etwas tun!“ Henken unterstützte das mit dem Hinweis, „Aufklärung ist das A und O“ für diesen Kampf.
In der Plenumsdiskussion, die von jungen Leuten dominiert wurde, spielte vor allem die Frage eine Rolle, ob nicht eine weiterführende Perspektive stärker in den Fokus gerückt werden müsse – also der Verweis, dass nur der Sozialismus den Frieden dauerhaft sichere. So richtig das inhaltlich sei, waren sich alle drei auf dem Podium einig, gehe es jetzt darum, die Menschen massenhaft für den Erhalt des bedrohten Friedens und damit ihres Lebens auf die Straße zu bringen. „500.000 waren wir am 15. Februar 2003 in Berlin, und selbst das hat nicht gereicht, um den Krieg gegen den Irak zu stoppen“, warf Henken ein. Dazu sei eben die Gewinnung der gewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und Kollegen, also das Zusammenführen von Gewerkschafts- und Friedensbewegung, entscheidend, so Blach. Er sei skeptisch, ob das mit der Losung „Sozialismus!“ gelingen könne. Im Grunde bestätigt wurde das durch einen jungen Krankenpfleger, der darauf verwies, dass die Russlandhetze in seinem Kollegenkreis zwar verfange. Aber der Satz „Wir werden euch nicht helfen können!“ als Antwort auf den Irrwitz, das Land „kriegsfähig“ machen zu können, hätte enorme Wirkung. In diese Richtung müsse weitergearbeitet werden.
Quelle: Unsere Zeit

