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Mut und Konsequenz

Übernommen von Unsere Zeit:

Anlässlich des 100. Geburtstags von Fidel Castro sprach Andrea Hornung, Bundesvorsitzende der SDAJ, am 11. August auf dem Jugendforum des Kolloquium Fidel Castro in Havanna. Sie schlug einen Bogen vom Mut des jungen Studenten Fidel zu den Schulstreiks gegen Wehrpflicht in Deutschland. Wir dokumentieren ihre Rede in voller Länge:

Ich möchte die Geschichte von einem 20-jährigen Mann erzählen, der am Strand liegt. Er liegt mit dem Gesicht nach unten im Sand und weint. Denn er hat es mit geballter Rechtlosigkeit zu tun. Er hatte sich zu den Wahlen des Studierendenverbands an seiner Universität aufstellen lassen. Dafür wird er von Mafia und Polizei bedroht. Der Zutritt zur Universität wird ihm mit Waffengewalt verwehrt. Sich dem zu widersetzen, könnte den sicheren Tod bedeuten. Die Situation scheint ausweglos. Deshalb liegt der 20-jährige Mann am Strand und weint. Doch Aufgeben ist keine Option. Also nimmt er all seinen Mut zusammen, organisiert sich einen Revolver und kehrt, begleitet von anderen Studierenden, zurück an die Universität. Er tritt zu den Wahlen an und setzt sein Studium fort. Diese Geschichte ist die Geschichte von einem jungen Mann, der schon mit 20 Jahren einen enormen Mut aufbrachte, den Kampf auch unter widrigsten Bedingungen fortzuführen, konsequent zu bleiben, sich nicht einschüchtern zu lassen – und bis zum Sieg zu kämpfen.

Liebe Genossinnen und Genossen,
auch die Situation in Deutschland scheint heute ausweglos. Der Kapitalismus ist in einer Krise. Er bietet der Jugend, der Arbeiterklasse keine Perspektive. Wir sollen mehr als acht Stunden am Tag arbeiten, das Rentenalter soll auf 70 Jahre oder mehr erhöht werden, und jedes vierte Kind in Deutschland ist von Armut bedroht. Künftig soll jeder zweite Euro des Bundeshaushalts für Aufrüstung und Krieg ausgegeben werden – dafür wird an jeder anderen Stelle massiv gekürzt. Schon heute unterstützt Deutschland an der Seite der NATO-Staaten Kriege in aller Welt. Fidel sagte in Bezug auf Kuba mal: „Aus Angola nehmen wir kein Öl, kein Kupfer, keine Diamanten oder irgendwelche anderen Ressourcen mit. Nein! Das Einzige, was wir aus Afrika mitnehmen, sind die Körper unserer Toten“. Beim deutschen Imperialismus ist es anders: Es geht nicht um Freiheit, sondern um Rohstoffe, Einflusssphären und die Unterdrückung der Völker der Welt.

Ja, die Situation in Deutschland scheint ausweglos. Am 5. Dezember hat die Bundesregierung den ersten Schritt zur Wiedereinführung der Wehrpflicht beschlossen. Das ist Teil der Kriegsvorbereitung, für die die Bundeswehr an alle Schulen geht. Aber wenn Kriege geführt und vorbereitet werden, wenn alles den Interessen der Konzerne untergeordnet wird, ist Aufgeben keine Option. Wie der junge Mann am Strand haben am 5. Dezember 50.000 Schülerinnen und Schüler Mut bewiesen. Sie sind nicht in die Schule gegangen, sondern haben demonstriert. Ihnen wurde von Schulleitungen, der Regierung und in der Presse mit Schulverweisen, Geldstrafen und Anzeigen gedroht. Doch sie haben sich nicht einschüchtern lassen und sind trotzdem auf die Straße gegangen. Mittlerweile haben sie drei Streiktage organisiert. Der vierte wird gerade vorbereitet. Wie der junge, 20-jährige Mann, der sich der Rechtlosigkeit widersetzt hat, sind auch diese Streiks schon viel mehr als „nur“ Streiks gegen die Wehrpflicht. Sie haben gezeigt, dass man die Verhältnisse nicht so hinnehmen muss, wie sie sind. Damit sind Wehrpflicht und Krieg noch nicht verhindert, damit sind wir noch weit davon entfernt, den Kapitalismus zu überwinden. Aber die Regierung hat entschieden, die Zahl der Kriegsdienstverweigerungen nicht mehr zu veröffentlichen, weil sie auch in Folge der Streiks so stark ansteigen. Damit ist ein erster, kleiner Sieg errungen. Und die Schülerinnen und Schüler haben sich organisiert. Sie haben im Kampf gemeinsam gelernt, ihr Bewusstsein entwickelt, an Stärke gewonnen – wie auch der 20-jährige Mann gestärkt und als Sieger aus der scheinbar ausweglosen Situation hervorgegangen ist.

Liebe Genossinnen und Genossen,
die Geschichte über den Mann am Strand ist eine Geschichte über Fidel, den Comandate en Jefe. Wir konnten ihn nicht mehr kennenlernen. Und doch ist er für uns ein Vorbild in jedem Kampf. Er ist ein Vorbild, weil er schon mit 20 Jahren gegen jede Rechtlosigkeit vorging und diese Haltung sein Leben lang beibehielt. Und so wollen wir auch sein!

Wir konnten Fidel nicht kennenlernen. Aber wir durften im Rahmen einer Solidaritätsbrigade Kuba kennen lernen und von Kuba lernen. Kuba ist jeden Tag wie Fidel. Heute steht Kuba in der vordersten Frontlinie im Kampf gegen den Imperialismus, gegen den Kapitalismus in seinem höchsten und letzten Stadium. Deswegen ist Kuba die Avantgarde im Kampf gegen den Imperialismus, gegen den wir gemeinsam kämpfen. Kubas Widerstandskraft ist unübertroffen. Deswegen fühlen wir uns sehr geehrt, hier zu sein.

Avantgarde sein, das heißt: Lehrer und Ärzte statt Bomben in die Welt zu schicken. Avantgarde sein, das heißt: Die Ursachen der Unterdrückung und Ausbeutung zu überwinden, und den Sozialismus aufzubauen. Avantgarde sein, das heißt: Die Errungenschaften der Revolution trotz aller Widrigkeiten verteidigen. Kuba geht uns voran, und deshalb ist jeder Angriff auf Kuba ein Angriff auf die Arbeiterklasse und die Völker der Welt, ist jeder Angriff auf Kuba ein Angriff auf uns alle! Wer für Menschlichkeit kämpfen möchte, der muss Fidels Beispiel folgen. Wer für Menschlichkeit kämpfen möchte, der muss an der Seite Kubas stehen. Aqui no se rinde nadie! Viva Cuba socialista! (Hier gibt niemand auf! Es lebe das sozialistische Kuba!)

Quelle: Unsere Zeit

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