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Die »Big Four«: Überausbeutung und Systemstabilisierung passen zusammen

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:

Während der vergangenen Monate standen wiederholt die Ausbeutungsmethoden der Plattformgesellschaften und deren Subunternehmen im Scheinwerferlicht. So richtig für Aufmerksamkeit gesorgt hatte der Streik von 160 Lieferfahrern der Plattform Wolt am 12. Juni 2026 gegen eine erneute Senkung der Vergütungstarife.

Die Beschäftigten stehen nicht nur unter Druck wegen der niedrigen Löhne und langen Arbeitszeiten, sondern auch weil sie gesetzlich nicht als Lohnabhängige anerkannt werden, und die Wirtschaftsbosse und politischen Wasserträger dieses Systems ein Interesse daran haben, das bestehende Ausbeutungsmodell möglichst lange zu erhalten. Dazu gehört, dass alles getan wird, um die Gewerkschaften aus dem Plattformbereich fernzuhalten.

Das gilt auch für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, KPMG und PwC (die »Big Four«) mit mehr als 9.000 Lohnabhängigen und einem Umsatz von 1,55 Milliarden Euro.

Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt und heftiger Druck ausgeübt, um gewerkschaftliche Kandidatenlisten bei den Sozialwahlen zu verhindern, denn das wären Hindernisse, wenn es darum geht, die Überausbeutung der Beschäftigten und die Politik des »Hire & Fire« uneingeschränkt fortzusetzen. In großem Umfang, aber ganz diskret werden nicht erst seit gestern Entlassungen vorgenommen, allerdings nie aus wirtschaftlichen Gründen, wie am Dienstag anläßlich eines Rundtischgesprächs des OGBL mit Beschäftigten der »Big Four« bestätigt wurde.

Im Gegensatz zum Plattformbereich, in dem im wesentlichen unqualifizierte Menschen ausgebeutet werden, die sehr oft mit prekären Lebensbedingungen zu kämpfen haben, basiert das Geschäftsmodell der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf der intensiven Ausbeutung, junger, hochqualifizierter Arbeitskräfte, die während überlangen Arbeitszeiten und unter ständigem Druck als Rädchen in der bürokratischen Maschinerie der »Big Four« für Profitmaximierung sorgen.

Aus der Sicht der Kommunisten sind nicht nur die Ausbeutungsbedingungen der Beschäftigten problematisch, sondern auch die Funktion der vier größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, die inzwischen den globalen Markt beherrschen.

Wer erinnert sich nicht an die hierzulande entwickelten Steuervermeidungsmodelle, die es den Konzernen dank der Komplizenschaft der Regierung und der Steuerverwaltung möglich machten, Milliarden einzusparen, wie beim »Lux-Leaks-Skandal« von 2014 öffentlich wurde?

Es ist offensichtlich, dass die »Big Four« mit der Wirtschaftsprüfung nicht nur eine technische Funktion wahrnehmen, sondern systemstabilisierende Werkzeuge des Kapitalismus sind, darauf ausgerichtet, zu zertifizieren, dass die Bilanzen der Konzerne den kapitalistischen Spielregeln entsprechen, um das Vertrauen ins System aufrechtzuerhalten, wobei sie kapitalistische Effizienzkriterien, zum Beispiel bei Privatisierungen, als alternativlose »wissenschaftliche« Wahrheiten verkaufen.

Angesichts der systemischen Funktion der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften darf nicht erwartet werden, dass die Regierung und die Chamber, so wie sie gegenwärtig zusammengesetzt sind, auch nur den kleinen Finger für deren Rechte rühren werden, es sei denn die fortschrittlichen gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Schaffenden zwingen sie dazu.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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