Übernommen von Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek:
Mit einer Blumenniederlegung am »Mémorial de la Déportation« in Hollerich, von dessen Bahnhof aus sie nach Hitlerdeutschland abtransportiert wurden, wurde am vergangenen Sonntag an die jungen Luxemburger erinnert, die von den faschistischen deutschen Besatzern in die Wehrmacht zwangsrekrutiert wurden. Der Präsident der Vereinigung »Enrôlés de Force«, welche die Erinnerung an die Zwangsrekrutierung wach hält, bezeichnete sie als »das größte Kriegsverbrechen der Nazis an der Luxemburger Jugend«.
Am 30. August 1942 hatte der Chef der Nazi-Verwaltung in Luxemburg, Gauleiter Simon, auf einer Massenkundgebung in der Limpertsberger Ausstellungshalle die »Wehrpflicht« für die jungen Luxemburger der Jahrgänge 1920 bis 1934 dekretiert. Später folge dann auch die Zwangsrekrutierung der Jahrgänge 1925 bis 1927. Parallel dazu wurden 3.614 Luxemburger Mädchen für den Reichsarbeitsdienst und den Kriegshilfsdienst gezwungen.
Insgesamt sollten etwa 10.200 junge Luxemburger in die verhasste Wehrmachtuniform gepresst werden. Mehr als 3.500 entzogen sich dem Kriegsdienst, indem sie mit Unterstützung der Resistenz in Stollen von Erzgruben und zahlreichen Waldbunkern untertauchten oder nach Frankreich und Belgien flüchteten, wo sie in der Illegalität lebten oder sich der Résistance anschlossen.
Der Großteil der nach Frankreich geflüchteten Zwangsrekrutierten lebte in dem von der Resistenzorganisation PI-MEN eingerichteten »Centre d’accueil pour réfugiés luxembourgeois« in Les Ancizes in der Nähe von Clermont-Ferrand.
Andere desertierten aus der Wehrmacht und liefen zur Roten Armee über oder kämpften im Osten Europas in Partisanenverbänden. Fast 3.000 Zwangsrekrutierte überlebten den Krieg nicht.
Zwischen 1943 und 1945 kamen rund 1.900 Luxemburger Zwangsrekrutierte in sowjetische Gefangenschaft, wovon etwa 1.000 ins Kriegsgefangenenlager Tambow kamen. Sie wurden von der damaligen Luxemburger Exilregierung regelrecht verraten, die gegenüber der Sowjetunion Funkstille bewahrte. Sie schwieg auch noch, als 200 Luxemburger Kriegsgefangene aus Tambow sich auf einem Dokument bereit erklärten, in einer französischen, tschechischen oder sowjetischen Armeeeinheit weiter gegen Hitler zu kämpfen.
Einen Tag nach der Proklamierung der Wehrpflicht durch die Nazis am 30. August 1942, kam es am 1. September 1942 in großen Teilen des Landes zum Generalstreik gegen die faschistische Besatzungsmacht, auf den die Resistenz hingearbeitet hatte. Den Anfang machten hunderte Arbeiter der Lederfabrik »Ideal« in Wiltz….
Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

